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Tonart | Beitrag vom 01.04.2015

Jazzsängerin Natalia MateoEine Wanderin zwischen den Kulturen

Von Burkhard Birke

Deutsche und polnische Fahne auf dem Rasen (picture alliance / ZB / Patrick Pleul)
Deutsche und polnische Fahne auf dem Rasen (picture alliance / ZB / Patrick Pleul)

Die Jazzsängerin Natalia Mateo ist in Polen geboren, wuchs in Österreich auf und lebt seit einiger Zeit in Deutschland. Mit dem Album "Heart of Darkness" könnte ihr der Durchbruch gelingen.

Unangepasst, eigen, unprätentiös im Auftreten, mit einer umwerfenden Wucht aus Melancholie und Kraft in der Stimme: Natalia Mateo singt von der Hölle in Dantes inferno, der teuflischen Einsamkeit und belegt uns mit einem Fluch. Wanderin zwischen den Welten und Kulturen, so versteht sich die 31-Jährige.

In Warschau als Tochter eines klassischen Sängers geboren, wuchs Natalia Mateo in Österreich auf. Heute lebt sie in Deutschland, studiert Musik in Osnabrück, wo sie auch die extrem talentierten Mitglieder ihrer Band kennengelernt hat.

Sechs junge Leute, die zusammen auch komponieren und Klassikern wie den eben gehörten "I put a spell on you" von Jay Hawkins oder Lou Reeds "A walk on the wild side" ihren eigenen Stempel aufdrücken.

Das ist ja ein hochdramatischer Text eigentlich und hochdramatische Geschichten von Menschen, die anders sind. Die Konfrontation mit dem Anderen, dem Fremden: Das ist der rote Faden zwischen Covers und Eigenkompositionen auf ihrem zweiten Album, dem ersten beim Jazzlabel Act. Natalia Mateo hat Literatur studiert, liebt das Spiel mit Worten und Tönen, nutzt ihre eigenen Erfahrungen, um musikalisch Brücken über Sprachen und Kulturen hinweg zu bauen.

Sie liebt die polnische Muttersprache

Jede wichtige Erfahrung und Entwicklung für mich selber ist dadurch passiert durch die Konfrontation mit verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Menschen und Hintergründen, und ich glaube, dass unsere Zeit voll davon ist mit so einer Konfrontation und das doch sehr schwierig ist, damit klug umzugehen. also eine Chance des Wachstums birgt, aber auch ein Risiko, dass man sich dem Fremden gegenüber versperrt oder dass man sich zum Beispiel überlegen fühlt.

Natalia Mateo schöpft aus der Tiefe ihrer noch vergleichsweise jungen Erfahrungen und liebt es, in ihrer polnischen Muttersprache zu singen: Auf Wunsch auch a capella wie hier im Interview.

Was für ein Pech! könnte man das aus dem Polnischen übersetzen.

Natalia Mateo fühlt sich Polen sehr nahe. Den Titel "Heart of Darkness", Herz der Finsternis hat sie nach einer gleichnamigen Erzählung des polnischen Schriftstellers Joseph Conrad ausgewählt.

Ein Hauch von Melancholie

Das war im 18. oder 19. Jahrhundert, wo er erzählt, wie er in den Urwald geht. Also Kolonialismus das ist die Kulisse und in das Herz von diesem Dschungel, der so ungebändigt und so wild ist, aber zugleich auch eine Reise in das eigene Herz. Ich glaube, das Fremde konfrontiert einen auch immer mit der Finsternis in einem selber.

Ein Hauch von Melancholie zieht sich denn durch viele ihrer Songs und jene Sehnsucht und Stimmung bildet das Fundament für ihre Kompositionen.

Es gibt meistens drei Sachen die zusammenauftauchen: Das ist eine Atmosphäre, ein Gefühl, ein Stück Text und eine Melodiezeile und dann der Rest ist Arbeit. Ich merke auch beim Schreiben, dass ich - ich schreibe übrigens am Klavier – dann denke ich trotzdem meist in Melodien. So wie bei Canto – einer ihrer Eigenkompositionen, die Appetit auf mehr machen. Nein – das ist kein avantgardistischer Jazz, aber ein leidenschaftlich vorgetragenes Plädoyer für mehr Menschlichkeit und Toleranz im Miteinander, eine Brücke der Melancholie zwischen Tradition und Moderne.

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