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Fazit / Archiv | Beitrag vom 30.06.2011

Jazzfest der Superlative "umsonst und draußen"

Das Internationale Jazzfestival in Montreal ist gespickt mit Stars

Von Martina Zimmermann

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Eine Straße im kanadischen Montreal (Stock.XCHNG - Gary Scott)
Eine Straße im kanadischen Montreal (Stock.XCHNG - Gary Scott)

Noch bis zum 4. Juli findet im kanadischen Montreal das laut Guinnessbuch "größte Jazzfestival der Welt" statt mit rund 1000 Konzerten überall in der Stadt. Auch das Budget des Festivals ist rekordverdächtig: Umgerechnet etwa 20 Millionen Euro - die Hälfte davon sind Sponsorengelder - stehen zur Verfügung. So konnten Stars aus Jazz und Pop wie Diana Krall, Dave Brubeck und Prince eingekauft werden.

Elf Tage lang herrscht in Montreal eine besondere Stimmung, eine Mischung aus Woodstock und Biergartenatmosphäre: Tausende von Menschen spazieren mit Kind und Kegel durch die Hauptstraßen der Innenstadt, lassen sich auf Treppen und Rasenanlagen nieder, machen halt vor Bühnen, auf denen fast 600 Konzerte "umsonst und draußen" stattfinden.

Alt und jung, Menschen aller Hautfarben: Neben der Mama mit muslimischem Kopftuch steht ein weißgesichtiger Papa, der sich ein T-Shirt wie ein Scheich um den Kopf gebunden hat, um sich vor der Hitze zu schützen. Mädchen im Mini tanzen neben Mädchen mit Kopftüchern aus edlen Stoffen, die Jungs tragen Rap-Streetwear-Style, die Männer Bermudas. Das multikulturelle Volk von Montreal gibt sich ein Stelldichein mit Touristen aus aller Welt. Informatiker Olivier aus Montreal meint:

"Das Festival bringt gute Laune, Touristen, Stimmung und gute Musik."

Jazzliebhaber Jack aus Arizona:

"Ich mag die Stadt, ich mag das Land, und es ist ein Glück, dabei zu sein, wenn die Hölle los ist."

Der 55-jährige Luc besucht das Festival von Anfang an, das bedeutet - seit 32 Jahren:

"Ich habe Miles Davis gesehen, Joe Zawinul und Weather Report mit dem berühmten Jaco Pastorius. Ich habe viele Erinnerungen auch an Oskar Peterson, aber ich mag am meisten Fusionsjazz, John Mc Laughlin, Pat Metheney, sie waren alle in Montreal."

Womit wir beim Programm wären: Unter den 3000 Künstlern in diesem Jahr sind Jazzdiva Diana Krall oder Popsängerin Sade und auch Gitarrenvirtuose Paco de Lucia, hinzu kommen Jazz-Legenden aller Generationen, - zum Beispiel die Tastengenies Dave Brubeck, Chick Corea und Brad Mehldau. Popstar Prince trat dieses Jahr auf und die B-52's werden das Festival am 4. Juli beenden. Eine Programmauswahl, die Jazz mit Pop, Rock und Elektro vermischt.

Veranstalter André Menard erklärt:

"Wir haben einen demokratischen Ansatz. Es ist nicht Musik für ein paar happy few sondern alle Stilrichtungen sind vertreten. Es gibt einen Spruch in Quebec: Man zieht Fliegen nicht mit Essig an, sondern mit Honig. "

Das Budget des Festivals beläuft sich auf umgerechnet etwa 20 Millionen Euro, eine Summe, von der Festivalveranstalter in Europa nur träumen können. Subventionen machen nur 16 Prozent aus. Die Hälfte kommt von privaten Sponsoren, von Auto- und Biermarken, der Rest durch Einnahmen aus Merchandising, dem Konsum an den Festivalständen sowie über die Eintrittskarten der Konzerte.

Das Festival gibt sich familienfreundlich, mit Kinderspielplatz und Springbrunnen zur Erfrischung. "Klimaneutral" ist es seit 2008, dank eines Sponsors, der Kredite kauft, die den Treibhausgas-Ausstoß kompensieren, der durch den Transport der Künstler, den Müll, den Strom für die Shows zustande kommt.

Die Integration fördern will das Festival, indem es den Schulen der Stadt eine Bühne zur Verfügung stellt: Schulkinder aus Montreal geben zum Besten, was sie ein Jahr lang geübt haben: In gelben, grünen oder roten T-Shirts je nach Schule und Klasse trommeln sie auf Djembétrommeln oder singen Songs von Michael Jackson. Louis Delmas, Vorsitzender des Vereins Samajam:

"Unser Ziel ist, dass sie auf ihre Schule stolz sind. Wir wollen ihnen wieder Lust machen auf Schule und Arbeit, dank der Musik."

Auch dieses Projekt hat einen Sponsor: den Hafen von Montreal. Jean-Paul Lejeune:

"Wir brauchen Hafenarbeiter, aber die Leute kennen diese Berufe nicht. Da gibt es sehr qualifizierte Jobs, wir wollen den Kindern sagen: Studiert weiter, dann könnt ihr Kapitän, Kranführer, Ingenieur werden. Wir möchten die Arbeitskräfte vor Ort nutzen."

Das musikalische Resümee nach den ersten Festivaltagen lautet: Da kommt eine neue Generation von Künstlern ans Ruder, die mit Schubladendenken nichts am Hut hat. Die amerikanische Jazzdiva Gretchen Parlato spricht von einer "stillen Revolution" – ihr Vater war übrigens Bassist bei Frank Zappa:

"Viele von uns haben viele verschiedene musikalische und künstlerische Einflüsse und wir haben keine Angst, die in unsere Musik einzubringen. Die Jazzpolizei wird sagen, das kannst du so nicht machen! Aber ich denke, wir sind einfach authentisch und ehrlich und denken außerhalb von Schubladen. Uns geht es um Emotionen, die Menschen müssen untereinander in Verbindung treten und die Musik fühlen."


Internationales Jazzfestival Montreal

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