Seit 00:05 Uhr Chormusik
Mittwoch, 19.05.2021
 
Seit 00:05 Uhr Chormusik

Tonart | Beitrag vom 29.09.2014

Jazz-Musiker Rolf Kühn"Klarinette ist eine kapriziöse junge Dame"

Zum 85. Geburtstag des Musikers

Rolf Kühn im Gespräch mit Matthias Wegner

Jazz-Legende Rolf Kühn posiert bei Deutschlandradio Kultur in Berlin am 25.09.2014. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)
Jazz-Legende Rolf Kühn zu Gast bei Deutschlandradio Kultur im ehemaligen RIAS-Sendesaal in Berlin am 25.09.2014. (picture alliance / dpa / Paul Zinken)

Er ist einer der größten Jazzer Deutschlands: der Klarinettist Rolf Kühn wird am Montag 85 Jahre alt. Er war erster Saxophonist im RIAS-Tanzorchester, spielte in den USA mit Benny Goodman und übt noch heute mindestens drei Stunden täglich.

Die Klarinette sei ein "kapriziöse, empfindliche junge Dame" sagt der Musiker Rolf Kühn über sein Instrument. "Wenn man sich zu lange nicht mit ihr beschäftigt, reagiert sie dementsprechend wütend und man merkt es sofort." Auch noch mit 85 Jahren übt der Musiker deswegen mehrere Stunden täglich.

In Leipzig aufgewachsen, erlebte Kühn dort als Kind und Jugendlicher die Kriegsjahre. Wann immer es ging, hat er damals schon auf seiner Klarinette geübt, oft fünf bis acht Stunden täglich. Er wollte Jazzmusiker werden, doch in der neu gegründeten DDR galt der Jazz als "dekadent" und "imperialistisch". 1949 ging er als junger Mann in den Westen, über Köln kam er nach Berlin und wurde hier gleich vom damaligen RIAS-Tanzorchester engagiert. "Es gab eine Menge Entfaltungsmöglichkeiten", erinnert er sich an diese Zeit. "Wenn man täglich Aufnahmen macht, hört man sich täglich und kann sich wunderbar korrigieren."

Überleben im New Yorker Melting Pot

Mitte der fünfziger Jahre ging Kühn in die USA. "In diesem Melting Pot zu bestehen, ist ein kleines Kunststück", sagt er heute. Er spielte bei Benny Goodman vor und wurde gleich für dessen Orchester engagiert. „Die Jahre in Amerika waren ganz wichtige Entwicklungsjahre", so Kühn. Doch dann habe er sich entscheiden müssen, ob er dieses "rat race" weiter mitmachen wolle und könne. "Mit diesen fünf oder sechs Jahren Erfahrung nach Europa zurückzukommen, war eine gute Entscheidung."

Am Jazz fasziniere ihn bis heute das Reservoir an jungen hochbegabten Musikern. "Wir haben eine ganz neue Szene in Deutschland mit wirklich begabten Jungs," freut sich Kühn, der 2008 mit drei wesentlich jüngeren Kollegen das Ensemble Rolf Kühn & Tri-O gegründet hat.

Mehr zum Thema:

Jazz Live - Rolf und Joachim Kühn
(Deutschlandfunk, Jazz, 29.07.2014)

Rolf Kühn & TRI-O
(Deutschlandfunk, Jazz, 12.12.2011)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Tonart

ESC-Starterin Manizha Revolutionsaufruf an Russlands Frauen
Manizha bewegt sich energisch auf der Bühne. Sie trägt einen roten Overall, schwarzes Shirt darunter und eine Art Turban auf dem Kopf. Zudem trägt sie einen reich verzierten Umhang (imago / Tass / Vyacheslav Prokofyev)

Manizha, Russlands Vertreterin beim ESC, wird im eigenen Land angefeindet, weil sie die russische Gesellschaft in Frage stellt. Die Vorgänge rund um ihr Lied sind ein Spiegelbild der russischen Verhältnisse - könnten aber auch ein Zeichen für Wandel sein.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur