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Tonart | Beitrag vom 08.01.2018

Jazz-Geschichte100 Jahre "Tiger Rag", 90 Jahre "Delphi-Palast"

Stephan Wuthe im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Ein Mann spielt ein Sopransaxophon. (picture-alliance/ dpa )
Jazz-Kompositionen, Jazz-Bühnen, Jazz-Festivals: Jubiläen im Jahr 2018 (picture-alliance/ dpa )

Vor 100 Jahren erschien die erste Aufnahme von "Tiger Rag" – das Lied breitete sich in der Folge rasant aus; vor 90 Jahren wurde das Delphi in Berlin gegründet, das lange als heißester Jazz-Club Europa galt; und es gibt noch weitere Jubiläen 2018.

Letztes Jahr haben wir die erste veröffentlichte Jazzplatte der "Original Dixieland Jazz Band" – aus dem Jahr 1917 – zum Anlass genommen, um an bedeutende Etappen und Meilensteine des Jazz zu erinnern. Aber diese Bezüge gibt es natürlich auch in diesem Jahr. 

Stephan Wuthe berichtet von einer Aufnahme aus dem Jahr 1918?

"Was mir spontan einfällt, ist natürlich hundert Jahre 'Tiger Rag'. Der 'Tiger Rag', auch von der 'Original Dixieland Jazz Band' gespielt; von Nick LaRocca, dem Trompeter und Leiter der Band, komponiert."

Rasanter Tiger Rag

Das sei zu einem Standard im Jazz geworden.

"Jede Jazz-Band, jeder Jazz-Musiker konnte sich an diesem Stück ausprobieren, das ist ein relativ einfaches, rasantes Riff, in einem Affen-Tempo. Und über die Jahrzehnte wurde wirklich von jedem Musiker dieses Stück, meist sogar auf Schallplatte, aufgenommen. Es gabe bereits in den dreißiger Jahren Spezialisten, Plattensammler, die es geschafft hatten, schon auf Schellack mehrere hundert verschiedene Versionen zusammenzutragen."

Daneben seien in diesem Jahr noch einige Kompositionen entstanden, die wirklich zu Evergreens wurden. So sei etwa 1918 der Schlager "After you've gone" geboren worden, der in den zwanziger Jahren von Sophie Tucker sehr berühmt vorgestellt wurde. Dann der Jazz-Standard "Clarinet Marmalade", der von Fletcher Henderson und Red Nichols gespielt und aufgenommen wurde in den zwanziger Jahren, wie Wuthe weiter berichtet.

"Also, es gibt so Sachen, 1918, im politischen Umbruch der Welt, nach der Weltkriegszeit: Es kam also wirklich eine komplette Veränderung in Europa, sei es die russische Revolution oder die europäische Neustrukturierung und Aufteilung der Grenzen. Also, die Jazz-Musik des Jahres breitete sich aus und traf auf fruchtbaren Boden, denn alles, was neu war, musste erstmal gut sein."

Delphi-Palast in Berlin

In Berlin entstand 1928 der "Delphi-Palast", der bis in die 1940er-Jahre als einer der heißesten Jazzschuppen in Europa galt. Jazz fand ja nicht irgendwo statt, sondern in Ball- und Tanzsälen. Es sei eine legendäre Institution gewesen.

"Dazu spiegelt sich im Delphi auch die deutsche Geschichte wieder, denn es war ein jüdischer Unternehmer, der den Laden betrieben hat, Josef König, der dann 1933 die Geschäftshoheit kommissarisch seiner Lebenspartnerin übertrug, die den gemeinsamen Sohn einsetzte. Das war Elfriede Scheibel. Nach dem Tod von Josef König hat sie den Bandleader Heinz Wehner geheiratet." 

Dessen Band wurde dann zum Hausorchester.

Ein amerikanischer Musiker in Berlin

1948 – also vor 70 Jahren – kam der erste amerikanische Jazzmusiker wieder in die Stadt, nach Berlin, und läutete eine neue Ära ein: Rex Stewart sei schon bei Duke Ellington als Trompeter und Arrangeur in Erscheinung getreten, so Wuthe.

Er sei nach Berlin eingeladen worden und als man ihm die brisante Lage der Stadt geschildert habe, sei das für ihn ein Grund mehr gewesen, in die Stadt zu kommen. Es kam in der Folge auch zu legendären Plattenaufnahmen, wo auch – passend zur Zeit – der "Airlift Stomp" entstanden sei.

1968 – also vor 50 Jahren – wurde zudem das renommierte Montreux Jazz Festival gegründet, im selben Jahr auch Newport. Historische Bezüge gibt es also auch bei den Festivals.

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