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Buchkritik | Beitrag vom 14.03.2020

Jasmin Schreiber: "Marianengraben"Leicht erzählen vom Allerschwersten

Von Manuela Reichart

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Cover von Jasmin Schreibers Marianengraben vor Deutschlandfunk Kultur Hintergrund. (Eichborn Verlag / Deutschlandradio)
Die Autorin Jasmin Schreiber ist auch als Sterbebegleiterin tätig, vor allem ist sie jedoch eine erfolgreiche Bloggerin. (Eichborn Verlag / Deutschlandradio)

In "Marianengraben" verliert die Ich-Erzählerin ihren Bruder und ihre tiefe Trauer führt sie mit einem Leidensgenossen zusammen. Der Bloggerin und Autorin Jasmin Schreiber gelingt es, vom tiefen Schmerz eines Verlustes zu erzählen.

Eine Roadnovel der besonderen Art: Ein alter Mann und eine junge Frau fahren nach Südtirol. Sie trauert um ihren kleinen Bruder, er hat seine Frau verloren. Gemeinsam begeben sich auf eine Reise – ins Leben und in den Tod.

Der kleine Bruder der Ich-Erzählerin ist ertrunken. Sie war nicht mitgefahren auf die Familienreise und wird fortan gequält von dem Gedanken, sie hätte ihn vielleicht retten können. Als die Mutter anrief und vom Unfall sprach, blieb ihr Herz stehen. So fühlt sich jedenfalls die unüberwindbare Trauer an. Sie fällt in eine tiefe Depression und weiß nicht, wie sie mit dem Schmerz weiterleben soll.

Verzweiflung einer jungen Frau

"Das Ding mit dem Schmerz ist ja: Er kennt immer erst mal nur Stärke, der Auslöser ist egal. Schmerz fährt hoch, bis er einhundert Prozent hat, und dann steht man da und muss das irgendwie überleben, egal, was der Auslöser ist. Weil der Hund stirbt. Weil der Freund Schluss macht. Weil der Vater sich nicht mehr meldet. Weil der Bruder stirbt. Natürlich hängt vom Auslöser ab, wie tief der Schmerz in dich eindringt, wie lange er dort ausharrt, was er alles zerstört."

Jasmin Schreiber erzählt von der Verzweiflung einer jungen Frau, die um ihren geliebten Bruder trauert. Und von einer zufälligen nächtlichen Begegnung auf dem Friedhof. Dort trifft Paula auf Helmut, der einen ebenso schweren Verlust erlitten hat und gerade dabei ist, eine Urne auszugraben. Er hatte seiner Frau eine Reise versprochen. Und auf die begeben sich nun diese beiden einander fremden Versehrten: Der alte kranke Mann und die tief traurige Heldin dieses Debütromans, dem etwas Ungewöhnliches gelingt: nämlich leicht zu erzählen vom Allerschwersten.

Die Heldin taucht wieder auf

Am Ende taucht die Heldin jedenfalls wieder auf aus dem Marianengraben, jener Tiefseerinne, 11.000 Meter unterhalb des Meeresspiegels. So weit reiche ihre Liebe zu ihm, hatte sie dem kleinen Bruder einst versprochen und deswegen ist auch ihre Trauer dort unten angesiedelt. Dass sie es schafft, wieder nach oben zu kommen, hat sie nicht zuletzt dem alten Mann zu verdanken, der einen anderen Weg einschlägt und ihr deswegen einen neurotischen Hund, ein Wohnmobil und sein Haus in den Bergen vermacht.

Die 1988 geborene Autorin ist auch als Sterbebegleiterin tätig, vor allem ist sie jedoch eine erfolgreiche Bloggerin, nicht zuletzt deswegen war dieser Roman schon ein Verkaufserfolg, bevor er überhaupt ausgeliefert wurde.

Jasmin Schreiber: "Marianengraben"
Eichborn Verlag, Köln 2020
253 Seiten, 20 Euro

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