Seit 14:05 Uhr Kompressor
Freitag, 07.05.2021
 
Seit 14:05 Uhr Kompressor

Studio 9 | Beitrag vom 12.10.2014

Jaron Lanier Internetpionier erhält Friedenspreis

Der US-Schriftsteller warnt in seiner Dankesrede vor der Macht der Internetkonzerne

Jaron Lanier bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche. (DANIEL ROLAND / AFP)
Jaron Lanier bei der Preisverleihung in der Frankfurter Paulskirche. (DANIEL ROLAND / AFP)

Der deutsche Buchhandel ehrt einen Computer-Freak, der über digitale Auswüchse schimpft: Jaron Lanier. Der diesjährige Friedenspreisträger hat ein Computerspiel programmiert und drei Bücher geschrieben, die aktuelle Fragen der digitalen Gesellschaft behandeln.

Der Informatiker Jaron Lanier hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels in der Frankfurter Paulskirche entgegengenommen. Künstliche Intelligenz sollte nicht mehr sein als ein technisches Hilfsmittel, sagte er in seiner Dankesrede. Das Internet dürfe nicht zur einzigen Plattform der Kommunikation werden. Lanier betrachtete das World Wide Web anfangs als Heilsbringer für die Demokratie. "Wir dachten, wenn die Information im Netz frei fließt, haben alle Menschen Zugang dazu." 

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sagte in seiner Laudatio, kaum jemand habe die Gefahren und Risiken der zunehmenden Digitalisierung grundsätzlicher benannt als Jaron Lanier. Er warnte davor, "Computer und Netzwerke über das Menschliche zu stellen, den Menschen also klein zu machen".

Internetpionier Lanier kritisiert etwa in seinem jüngsten Buch "Wem gehört die Zukunft?" das Geschäftsmodell von Internetunternehmen wie Facebook, die massenhaft persönliche Daten von Internetnutzern sammeln. In seiner Rede sagte Lanier, Internetnutzer würden sich "der billigen und beiläufigen Massenspionage und -manipulation" unterwerfen. 

Mit dem Friedenspreis ehrt der Deutsche Buchhandel seit 1950 Persönlichkeiten, die sich für Völkerverständigung und Menschlichkeit einsetzen. Der Preis gilt als eine der bedeutendsten Auszeichnungen Deutschlands. Zu den bekanntesten Preisträgern gehören Albert Schweitzer (1951), Hermann Hesse (1955) und Siegfried Lenz (1988).

oma/dpa

Mehr zum Thema:

Vordenker und Kritiker von Internetkonzernen
(Deutschlandfunk, Corso, 09.10.2014)

Jaron Lanier - Der Pixibuchfriedenspreisträger
(Deutschlandfunk, Kommentar, 05.06.2014)

Friedenspreis an Internetpionier - "Ein politisches Signal"
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 05.06.2014)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Interview

Corona-Impfung für KinderSorgfalt vor Schnelligkeit
Einem Mädchen mit rosa Mund-Nasenschutz wird mit einer Spritze eine Impfung in den Oberarm injiziert. (imago images / Laci Perenyi)

Bei der Impfung von Kindern und Jugendlichen gegen Corona gelten besondere gesetzliche Sorgfaltspflichten, betont der Kinder- und Jugendmediziner Jörg Dötsch. Es dürfe hier nicht zu einer "Schnell- oder Notfallzulassung" kommen. Mehr

weitere Beiträge

Frühkritik

weitere Beiträge

Buchkritik

Alec MacGillis: "Ausgeliefert"Wie Amazon die USA spaltet
Das Buchcover "Ausgeliefert" von Alec MacGillis ist vor einem grafischen Hintergrund zu sehen. (Deutschlandradio / Verlag S. Fischer)

Innerhalb eines Vierteljahrhunderts ist aus Amazon ein führender Tech-Konzern geworden. Wie dramatisch der Erfolg des Onlinehändlers den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den USA bedroht, schildert der Journalist Alec MacGillis in "Ausgeliefert".Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur