Seit 21:30 Uhr Studio 9 kompakt Wahlstudio

Sonntag, 26.05.2019
 
Seit 21:30 Uhr Studio 9 kompakt Wahlstudio

Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.08.2018

Jansons und Neuenfels-Kooperation in SalzburgMusikalischer Rausch mit Tschaikowskis "Pique Dame"

Von Franziska Stürz

Podcast abonnieren
Szene aus Tschaikowskis "Pique Dame" in der Kooperation von Hans Neuenfeld und Mariss Jansons - zu sehen sind Brandon Jovanovich als Hermann und Evgenia Muraveva in der Rolle der Lisa (© Salzburger Festspiele / Ruth Walz )
Hermann liebt Lisa und kann sie doch nicht haben: Brandon Jovanovich und Evgenia Muraveva in der Rolle der Lisa in "Pique Dame". (© Salzburger Festspiele / Ruth Walz )

Für den Dirigenten Mariss Jansons ist Tschaikowskis "Pique Dame" die schönste Oper des Komponisten. Regisseur Hans Neuenfels sieht darin ein großes Stück über die Liebe. Die Inszenierung in Salzburg überzeugt dennoch nur musikalisch.

Die tragische Liebesgeschichte zwischen dem Offizier Hermann und Lisa, die mit dem Fürsten Jelezki verlobt ist, steht im Mittelpunkt der Salzburger Neuproduktion von Tschaikowskis "Pique Dame". Der Regisseur Hans Neuenfels hat sich von Christian Schmidt dafür einen schwarz gekachelten, klaustrophobischen Bühnenraum bauen lassen.

Lieblose, erstarrte Gesellschaft in schwarz

Auch die skurril historisierenden Kostüme von Reinhard von der Thannen sind schwarz - Sinnbild einer lieblosen, erstarrten Gesellschaft, die ein Skelett in großer Robe als Zarin verehrt. Nur die gedrillten Kinder tragen hellgrau, ihre Ammen schaukeln übergroße Reifröcke.

Szene aus Tschaikowskis "Pique Dame" in der Kooperation von Hans Neuenfeld und Mariss Jansons - zu sehen ist russische Bariton Igor Golovatenko in der Rolles der Fürsten Jelezki vor einer Gruppe Männer mit schwarzen Masken (© Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus)Der russische Bariton Igor Golovatenko in der Rolles der Fürsten Jelezki (© Salzburger Festspiele / Monika Rittershaus)

Aus dieser Gesellschaft sticht Brandon Jovanovich als von seinen Emotionen getriebener Hermann durch eine rote Uniform hervor. Er ist ein Außenseiter, dem seine spielenden Kumpels - rohe Kerle in dicken Pelzmänteln – die fixe Idee von den drei immer gewinnenden Karten der alten Gräfin ins Ohr setzen.

Expressive Ausleuchtung der Partitur

Hanna Schwarz gibt ihr eine überraschend jugendliche Gestalt im grünen Cocktailkleid. Die Schlüsselszene im zweiten Akt, die Nauenfels voller Zärtlichkeit inszeniert, wird zur stärksten des Abends. Auch weil endlich der schwarze Raum durch ein grellweißes Krankenzimmer ersetzt wird.

Musikalisch ist die Salzburger Inszenierung dank Jansons’ hochdynamischer, expressiver Ausleuchtung der Partitur ein Tschaikowski-Rausch. Unter den lustvoll aufspielenden Wiener Philharmonikern und dem Premierendruck müssen die Solisten alles geben, und so entäußert sich auch Evgenia Muraveva als mädchenhafte Lisa, die für Hermann alles aufgibt und verliert.

Ihr Verlobter Fürst Jelezki singt die schönste Arie des Abends: Igor Golovatenko kann mit seinem sonoren Bariton all die Schönheit und Kraft eines Liebenden hörbar machen.

Opulente Chorszenen und witzige Einfälle

Trotz der opulenten Chorszenen und vieler - auch witziger - Einfälle bleibt die Produktion szenisch aber starr in ihrem schwarz-weißen Bühnenkonzept, und das um sein Glück kämpfende Liebespaar geht auf der Riesenbühne unter. Der Strudel, in den beide geraten, fehlt, auch wenn Hermann am Schluss eindrucksvoll vom grünen Spieltisch verschluckt wird. Das Premierenpublikum war dennoch glücklich und bejubelte alle Beteiligten.

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedanken zur Europawahl
Menschen in der EU mit vielen verwirrenden Pfeilen die in unterschiedliche Richtungen zeigen PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xLeexWoodgatex 11780046 People in the EU with many confusing arrows the in Different Directions show PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xLeexWoodgatex 11780046  (imago stock&people)

1989 habe in Osteuropa keiner geglaubt, dass die Demokratie jemals wieder in Frage gestellt werden könnte, sagt Herta Müller im Interview mit der „FAZ“. Die „taz“ hingegen fragt: „Müssen wir erst scheitern, um Europa noch zu retten?“Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur