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Interview / Archiv | Beitrag vom 29.08.2015

Jan Wagner über Reisen und Dichten"Man lernt, Dinge neu wahrzunehmen"

Jan Wagner im Gespräch mit Barbara Wahlster

Der Schriftsteller Jan Wagner (picture alliance / dpa /  Jens Kalaene)
Der Schriftsteller Jan Wagner (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)

Drei Esel in den sizilianische Bergen haben einen großen Auftritt in Jan Wagners preisgekröntem Lyrikband "Regentonnenvariationen". Reisen sei gut fürs Dichten, es mache "offen wie nie zuvor", sagt der Lyriker. Er schreibe aber auch über Orte, an denen er noch nie gewesen sei.

Reisen ist gut fürs Dichten, erklärt der Lyriker Jan Wagner, der in diesem Frühjahr mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden ist.

"Man ist so offen wie nie zuvor. Man lernt, Dinge neu wahrzunehmen", sagte Wagner im Deutschlandradio Kultur über die Inspiration durch Ortsveränderungen. Reisen fördere das Dichten, "weil man erstens neue Eindrücke bekommt und zweitens die Dinge  automatisch und blitzartig neu sieht", so Wagner, der als erster Lyriker in diesem Frühjahr den Leipziger Buchpreis in der Kategorie Belletristik mit seinem aktuellen Gedichtband "Regentonnenvariationen" gewonnen hat.

Allerdings entstünden seine Gedichte nie unterwegs direkt vor Ort. Der Stoff müsse langsam absinken. "Diese Weltpartikel müssen sehr lange ruhen und sinken dürfen. Und bis dann ein Gedicht daraus entsteht, muss man, glaube ich, die Worte sehr lange wenden, sich vertiefen in das was man gesehen hat. Wobei man natürlich schon mit dem Schreiben im Kopf oder auf dem Papier beginnt, wenn einen etwas anfasst und man begeistert ist von Dingen oder von Sprache."

Nicht immer aber seien Gedichte über andere, entfernte Orte oder Länder auch in diesen entstanden, sagte Wagner: "Ich schreibe genauso oft über Orte, an denen ich noch nie in meinem Leben war. Man kann sich einfach dorthin denken und sich vorstellen, wie es dort sein mag. Das ist manchmal aufregender als die Reise selbst."  Dies gelte entsprechend auch für die Gedichte aus dem Band "Regentonnenvariationen", in denen beispielsweise der  nordschwedischen Winter, Neuseeland, Sarajewo oder Sizilien eine Rolle spielen, sagte der Lyriker, der seit 1995 seinen Lebensmittelpunkt in Berlin hat, aber als Stipendiat und Übersetzer auch viel auf Reisen an anderen Orten unterwegs ist.

Seit dem Erfolg durch den Leipziger Buchpreis habe sich sein Leben und seine Arbeit kaum verändert, berichtete Wagner. Er schreibe genauso langsam wie beschrieben und betreibe seine "Drei-Felder-Wirtschaft aus Übersetzen, Essayistik, also das Schreiben über andere Dichter und Dichtung generell."  Er habe aber den Eindruck, dass "mehr Leute nach dieser wunderbaren Entscheidung den Verdacht haben, dass Lyrik etwa ist, was mit ihnen selbst zu tun hat. Dass tatsächlich Leute zu denken scheinen, ich sollte mal wieder Gedichte lesen. Das ist, glaube ich, eine Veränderung, die allgemein eingetreten ist", so der 43-Jährige in Hamburg gebürtige Lyriker, der sich bereits vor seiner ersten Lyrik-Veröffentlichung, "Probebohrung im Himmel" (2001), als Übersetzer englischsprachiger Gedichte einen Namen gemacht hat.

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Das vollständige Interview im Wortlaut lesen Sie hier in Kürze.

Mehr zum Thema:

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(Deutschlandradio Kultur, Interview, 13.03.2015)

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