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Frühkritik | Beitrag vom 24.01.2020

James Lee Burke: "Mein Name ist Robicheaux"Trotzige Melancholie

Von Tobias Gohlis

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Das Foto zeigt einen See in Louisiana, USA, mit aufgehender Sonne. (imago images / Westend61)
Wunderschönes Louisiana: Hier ermittelt Dave Robicheaux. (imago images / Westend61)

Die alten weißen Männer des Südens: James Lee Burke lässt noch einmal Dave Robicheaux ermitteln. Es ist schon sein 21. Fall. Und dieses Mal muss sich Robicheaux auch mit den eigenen Gespenstern auseinander setzen.

Nichts gegen diesen alten weißen Mann, nichts gegen James Lee Burke. 83 ist der Doyen des Südstaaten-Kriminalromans jetzt, und noch mit seinem Alterswerk stellt der Mann aus Louisiana die meisten Jüngeren in den Schatten. "Mein Name ist Robicheaux" - im Original noch lakonischer "Robicheaux" - lautet der Titel seines jüngsten Meisterstücks.

Es ist der 21. Roman, den Burke seit 1987 über Dave Robicheaux geschrieben hat, der früher einmal Cop in New Orleans war und seit Jahren Kriminalpolizist des Sheriff-Departments von New Iberia ist, einer Kleinstadt in den Bayous.

Ein Alkoholiker und seine Rückfälle

Dort hat Burke selbst ein Haus, und auch manches andere haben der fiktive Detektiv und sein Erfinder miteinander gemein. Zum Beispiel sind beide Alkoholiker - wobei Robicheaux immer wieder mit Rückfällen zu kämpfen hat, und das wird diesmal zum Problem.

Vor Kurzem ist Robicheaux‘ Ehefrau bei einem Autounfall umgekommen, in den ein betrunkener Fahrer verwickelt war. Dieser Dartez wird tot aufgefunden, und Robicheaux weiß nicht, ob er den Mann, der seine Frau getötet hat, selber umgebracht hat. Denn er war in der Tatnacht besinnungslos betrunken.

Geplagt von Grübelei und schlechtem Gewissen wartet Robicheaux auf Aufklärung, muss sich aber gleichzeitig in seiner Tagesarbeit mit der Rivalität zweier Männer auseinandersetzen. Der eine, ein Casinobesitzer und Politiker, soll die Frau eines Schriftstellers vergewaltigt haben.

Buchcover zu James Lee Burke: "Mein Name ist Robicheaux" (Pendragon)James Lee Burke: Sein neues Buch heißt "Mein Name ist Robicheaux". (Pendragon)

Jeder der beiden Männer verkörpert ein Extrem von Südstaaten-Männlichkeit. Der Politiker steht in der Tradition eines Populismus, der auch mit der Mafia kooperiert, wenn es nur nützt. Der Schriftsteller steht für den romantischen Traum von einem Süden der Gentlemen, kann aber das Blut der Sklavenhalter-Vergangenheit nicht abschütteln.

Menschen in der Tiefe ihrer Widersprüche

In "Mein Name ist Robicheaux" sind wieder einmal die Qualitäten vereint, die James Lee Burke zu einem der größten lebenden Kriminalschriftsteller machen. Wie kaum ein anderer versteht er es, Personen in aller Tiefe ihrer Widersprüche zu zeichnen: Niemand, sei er noch so diabolisch und hassbesessen, hat nicht auch liebens- oder bemitleidenswerte Züge.

Die Menschen sind nun einmal schwach. Hoffnung und Verzweiflung legt Burke ganz nah zueinander. Die trotzige Melancholie seine Bücher erinnert an das Spanish moss, das man in seinen Landschaftsbeschreibungen buchstäblich riechen kann: irgendwie traurig, aber ein Zeichen von Leben. 

James Lee Burke: "Mein Name ist Robicheaux"
aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Pendragon, Bielefeld 2020
600 Seiten, 22 Euro

"Mein Name ist Robicheaux" steht derzeit auf Platz 6 unserer Krimibestenliste. Mehr über Krimis – und die Bestenliste mit sämtlichen Empfehlungen für den Monat Januar - finden Sie auf unserem Krimi-Portal: www.deutschlandfunkkultur.de/krimi.

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