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Konzert / Archiv | Beitrag vom 03.10.2018

Jakub Hrůša mit spätromantischem ProgrammSchlaues Füchslein in Bamberg

Moderation: Stefan Lang

Die Bamberger Symphoniker vor ihrer Konzerthalle (Bamberger Symphoniker / Andreas Herzau)
Die Bamberger Symphoniker vor ihrer Konzerthalle (Bamberger Symphoniker / Andreas Herzau)

Am Tag der Deutschen Einheit präsentieren wir ein Konzert mit dem Dirigenten Jakub Hrůša, der sagt: "Die Kunst ist nicht in den Grenzen von Staaten zu finden, sondern sie greift weit darüber hinaus. Deutschland und Europa sind ein großer einheitlicher Raum."

Wir präsentieren aus zwei Konzerten in Bamberg einen Abend zum Feiertag. Der Chefdirigent Jakub Hrůša, gebürtig in Brno, führt die tschechische Tradition in Bamberg fort. Einst gründete sich das Orchester 1946 unter anderem aus Musikern der Deutschen Philharmonie Prag, die in Bamberg nach dem Krieg eine neue Heimat gefunden hatten. Musik aus diesem tschechischem Kulturkreis genießt in Bamberg eine besondere Wertschätzung.

Der Dirigent Jakub Hrůša dirigiert mit Taktstock (Andreas Herzau)Der Dirigent Jakub Hrůša zu Gast bei den Bamberger Symphonikern (Andreas Herzau)

Der Abend beginnt mit einem Werk, das Formen und tradierte Farben sprängt. György Ligeti hat in seinem Werk aus dem Jahr 1961 den Klang in eine Art organisiertes Chaos geführt, ihn befreit aus einer einzwängenden geregelten Struktur. Dieses Chaos stößt eine Tür hin zu neuen musikalischen Gestaltungs- und Klangbereichen auf.

Musikalischer Wolkenkratzer

Der Komponist sucht nach einem Spannungsbogen, der sich vom nebulösen Anfangsklang bis zum "Verschwinden im Nichts" in den Klavierklängen am Ende des Stückes spannt. Die Partitur sieht dabei wie ein großer Wolkenkratzer aus: 87 Notensysteme türmen sich - das bis zu Dreifache, das Spätromantiker mit satten Orchesterbesetzungen verlangten.

Es ist eine Entdeckung!

Das sagt der Solist des Abends über Bohuslav Martinůs erstem Violinkonzert, das ein Auftragswerk des polnischen Geigers Samuel Dushkin in den 1930er Jahren war. Große Virtuosität sollte es zur Schau stellen und dreistimmige Passagen beinhalten, was nur ein äußerst versiehrter Geiger zeigen kann. Nach zahlreichen Änderungswünschen - Bohuslav Martinů hat trotz allem seine lyrische, böhmisch-tschechische Liedhaftigkeit nicht unterdrückt - verschwand das Konzert ohne Uraufführung in einer Schublade, galt als verschollen und tauchte erst Jahrzehnte später im Archiv der Northwestern University of Sponkane wieder auf.

Der Geiger Frank Peter Zimmermann (Franz Hamm/RSB)Der Geiger Frank Peter Zimmermann ist zu Gast in Bamberg (Franz Hamm/RSB)

Der große Geiger Josef Suk führte das Werk dann 1973 endlich zum ersten Mal auf. Und bei Suks zahlreichen Reisen hörte der erst 10jährige Frank Peter Zimmermann dieses Stück zum ersten Mal. Nun hat der Geiger dieses Konzert im letzten Sommer erarbeitet und in sein Repertoire aufgenommen.

Schlaues Füchslein in Bamberg

Janáčeks spätromantische Oper »Das schlaue Füchslein« ist eine ganz eigene Erzählung über die Geheimnisse und Sehnsüchte des Lebens und seinen Kreislauf. Sie basiert auf einer Bildergeschichte aus der Brünner Tageszeitung: Der Förster fängt im Wald die junge Füchin Schlaukopf und nimmt sie mit nach Hause. Doch sie entkommt und gründet im Wald eine eigene Familie, bis sie Opfer einer Schussladung wird. Dem Jäger aber erscheint im Traum ein neues Füchslein - der Kreislauf der Natur hat gesiegt.

Der tschechische Komponist Leoš Janáček in einer zeitgenössischen Aufnahme. Leos Janacek wurde am 3. Juli 1854 in Hochwald bei Pribor geboren und ist am 12. August 1928 in Ostrau gestorben. (picture-alliance / dpa / CTK)Der tschechische Komponist Leoš Janáček schreibt im hohen Alter einen Publikumserfolg mit "Das schlaue Füchslein" (picture-alliance / dpa / CTK)

Aus den Naturlauten der Tiere wie aus der Melodik der menschlichen Sprache gewann Janáček die musikalische Substanz dieses »mährischen  Sommernachtstraums«. Jakub Hrůša hat aus der Oper eine neue, große Suite zusammengestellt, weil er nicht genug bekommen kann von dieser Musik: "Sie ist einfach nur herrlich!".

Erfolgreicher Sommerurlaub

Im Sommer 1877 schreibt Johannes Brahms seine zweite Sinfonie innerhalb einiger Wochen. Für die erste hatte er Jahre benötigt, um sich mit dem sinfonischen Vor- und Überbild Beethoven auseinander zu setzen. Diese Anstrengung lag nun hinter ihm, als er in Pörtschach am Wörthersee sein Sommerdomizil aufschlug. Das Gefühl einer "künstlerischen Befreiung" konnte ihn nun leiten. Die D-Dur-Sinfonie ist dabei nicht nur ein frohes Gegenstück zur ersten Sinfonie in c-Moll. Auch hier haben wir die typische Brahmssche Melancholie, gerade im zweiten Satz. Aber im Finale macht sich ein unbändiger Jubel breit.

Aufzeichnugn der Konzertes vom 27. und 28. September 2018 im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle Bamberg

György Ligeti
Atmosphères

Bohuslav Martinů
Konzert für Violine und Orchester Nr. 1

Leoš Janáček
Suite aus der Oper "Das schlaue Füchslein"
(Uraufführung einer Zusammenstellung von Jakub Hrůša)

Johannes Brahms
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 73

Frank Peter Zimmermann, Violine
Bamberger Symphoniker
Leitung: Jakub Hrůša

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