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Konzert / Archiv | Beitrag vom 26.06.2019

Jakob Hrůša beim Deutschen Symphonie-Orchester BerlinHolzhammer-Symphonie

Moderation: Volker Michael

Der Dirigent Jakub Hrůša (Petra Klackova/DSO Berlin)
Jakub Hrůša ist derzeit Chefdirigent der Bamberger Symphoniker. (Petra Klackova/DSO Berlin)

"Die Tragische" oder "Die Böse" wurde Mahlers 6. Symphonie auch genannt. Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin und der Dirigent Jakub Hrůša haben sie jetzt in der Philharmonie Berlin aufgeführt. Im Finale erklingt der berüchtigte, riesige Holzhammer.

Jakub Hrůša ist ein gern gesehener Gast beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Der tschechische Dirigent hat diesmal die monumentale sechste Sinfonie Gustav Mahlers als einiziges Werk aufs Programm gesetzt. Hrůša ist derzeit Chefdirigent der Bamberger Symphoniker und Erster Gastdirigent der Tschechischen Philharmonie und des Philharmonia Orchestra London.

Marsch in allen Lebenslagen

Gustav Mahler komponierte sein sechste Sinfonie in einer Phase recht guter Lebensumstände. Seine Ehe mit der Wienerin Alma Schindler war (noch) glücklich, Alma hatte zwei Töchter geboren, die öffentliche Anerkennung für Mahler als Direktor der Wiener Hofoper und als Komponist war beachtlich. Und dennoch trage diese Sinfonie, so der Dirigent Michael Gielen, den Marsch als hervorstechendsten Charakterzug in sich, den Marsch als Kriegsmusik, nicht so sehr den Trauermarsch.

Das Orchester steht auf der Bühne der Philharmonie Berlin (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin / Kai Bienert)Das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin spielt in der Philharmonie Berlin. (Deutsches Symphonie-Orchester Berlin / Kai Bienert)

Mit den Klängen von Militärkapellen war Gustav Mahler in seiner mährischen Heimat aufgewachsen. Und tatsächlich schien er beim Komponieren geahnt zu haben, dass sein persönliches Glück nicht mehr lang anhalten würde: Eine seiner Töchter würde bald sehr jung sterben, und die Ehe mit Alma in eine schwere Krise geraten, nicht nur weil Alma Mahler eine notorische Fremdgängerin war. Andererseits wirkt es, als ob Mahler vorausgesehen hätte, dass Europa bald von einem furchtbaren Krieg überzogen werden würde. Damit würde der Militarismus, wie er sich in der omnipräsenten Marschmusik geäußert hatte, demaskiert werden: Krieg ist eine industrielle Zerstörungsmaschine, keine patriotische Heldenveranstaltung.

Binationales Orchester

Vor der Uraufführung hat Mahler die Partitur der Sechsten Sinfonie bereits einmal revidiert. Als eine Verheißung könnte für heutige Menschen erscheinen, dass das Werk von einem binationalen Orchester 1906 unter Leitung des Komponisten uraufgeführt wurde: Die Essener Philharmoniker und das Symphonieorchester Utrecht spielten die Sinfonie mit dem Untertitel "Die Tragische" beim Tonkünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Essen.

Philharmonie Berlin
Aufzeichnung vom 19. Juni 2019

Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 6 a-Moll

Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Leitung: Jakub Hrůša

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