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Länderreport | Beitrag vom 20.04.2021

Jagd auf ReheDen Wald vor dem Wild schützen

Von Tobias Krone

Ein Rehbock schaut hinter einem Baumstamm im Wald hervor.  (imago / blickwinkel)
Die Jäger wollen nicht mehr Rehe schießen. (imago / blickwinkel)

Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer machen den deutschen Wäldern zu schaffen. Viele Bäume kämen damit zurecht, doch ihre Triebe werden von Rehen gefressen. Waldbesitzer und Naturschützer wollen deshalb mehr Wild schießen. Aber die Jäger zögern.

Um den Wald in Deutschland steht es nicht gut: Die heißen Sommer mit wenig Regen haben besonders den Fichten geschadet. Das hat den Borkenkäfer auf den Plan gerufen – und der gibt ganzen Waldregionen zum Beispiel im Harz gerade den Rest. Die Lösung sind Mischwälder mit Bäumen, die auch höheren Temperaturen gewachsen sind.

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Die würden auch nachwachsen – gäbe es da nicht die Rehe. So natürlich und niedlich sie sind, harmlos sind Rehe nicht. Denn sie naschen gerne und oft an jungen Bäumen. Viele der jungen Triebe an den Ästen haben Rehe schon jetzt im Frühjahr angeknabbert. Dort kann der Baum für dieses Jahr nicht mehr weiterwachsen. Das Ergebnis: Bäume, die einfach nicht in die Höhe kommen.

Auch Naturschützer wollen mehr Rehe schießen

Zum Beispiel fehle auf dem Eichberg bei Weilheim im bayerischen Voralpengebiet zwischen den hohen und den niedrigen Bäumen die Zwischenstufe – das heißt, eine komplette Generation, sagt Jakob Promberger, Chef der dortigen Waldbesitzer. Die letzten Jahrzehnte seien Rehe zu wenig bejagt worden, meint Waldbesitzer Peter Höldrich.

Mehr jagen – auch Rehwild. Das fordern nicht nur die Waldbesitzerinnen und -besitzer, denen an möglichst hohen Bäumen mit glatten Stämmen gelegen ist. Sogar dem BUND Naturschutz, von Natur aus ein tierlieber Verband, ist die Zahl an Rehen viel zu hoch. Er fordert: Bitte schießen. Es müsse etwa "das Drei-, Vier- oder Fünffache" dessen geschossen werden, was aktuell geschossen wird, erklärt Ralf Straußberger vom BUND Naturschutz Bayern.

Bayerisches Jagdgesetz als bundesweites Vorbild?

Nur die Jäger zögern. Sie wollen ausreichend Tiere auf ihren Pachtflächen. Sie empfehlen beispielsweise, Flächen einzuzäunen oder einen Verbissschutz. Doch diese Plastikkonstruktionen behagen den Waldbauern nicht. 

Helle Plastikhüllen um junge Bäume sollen vor Verbiss durch Rehe schützen. (Deutschlandradio / Tobias Krone)Verbissschutz aus Plastik macht Arbeit: Er muss rechtzeitig höher gehängt werden. (Deutschlandradio / Tobias Krone)

In Bayern gibt es ein eigenes Jagdgesetz. Das sieht ein Vegetationsgutachten alle drei Jahre vor. Volker Bauer vom Bayerischen Jagdverband bewertet das positiv. Und auch der BUND Naturschutz würde sich diese Regelung bundesweit wünschen. Damit würden Fakten entscheiden, wo der Wald vor dem Wild geschützt werden muss und wo nicht.

(abr)

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