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Fazit / Archiv | Beitrag vom 18.08.2015

ItalienNeue Wege in der Kulturpolitik

Von Thomas Migge

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(picture alliance / dpa / Friedel Gierth)
Als erster ausländischer Direktor führt bald ein Deutscher die Kunstsammlung Uffizien in Florenz. (picture alliance / dpa / Friedel Gierth)

Italiens Kulturminister will die Museen des Landes entstauben. Mit einer Ausschreibung wurde international nach neuem Führungspersonal gesucht - unter den Gewinnern sind auch drei Deutsche.

"Italien ist ein offenes Land, weltoffen, wir investieren viel in den Erhalt unserer Kulturgüter. Wir haben 400 staatliche und 4000 weitere Museen! Es ist also unsere Pflicht in eine Wertsteigerung dieser Museen zu investieren! Mit diesen 20 neuen Museumsdirektoren, Italiener und Ausländer, gehen wir einen großen Schritt in die richtige Richtung."

Kulturminister Dario Franceschini frohlockt, denn das hat es in Italien noch nie gegeben: Sieben von 20 neuen Direktoren einiger der wichtigsten staatlichen Museen sind keine Italiener. Drei von ihnen sind Deutsche und zwei Österreicher. Bisher wurden diese wichtigen Posten innerhalb der italienischen Kulturbürokratie nur von altgedienten Fachleuten besetzt, hochrangigen Kunstexperten.

Eine Tradition, mit der Italiens Kulturminister brechen wollte. Warum? Das erklärte Franceschini vor einiger Zeit in einem Interview mit der "New York Times". Darin sprach er von "mehr Dynamik", "mehr Elan" und "mehr Ideen". Das war eine klare Kritik - und wurde von den Betroffenen, den noch amtierenden Museumsdirektoren, auch als solche aufgenommen.

Kulturgüter, das Erdöl Italiens

Tatsächlich haben verschiedene Reformen in den Museen bisher nicht gefruchtet. Reformen, mit denen die Regierungen Berlusconis begonnen hatten. Ziel war es, die hohen Kosten für wichtige nationale Museen zu kürzen. Gesetzliche Bestimmungen wurden erlassen, um Buchhandlungen und Cafés einzurichten. Die gibt es zwar inzwischen, doch sie werfen keinen Gewinn ab. Und so wird sich Minister Franceschini gefragt haben, warum die Buchhandlung des Metropolitan Museum in New York mehr Einnahmen macht als alle ähnlichen Einrichtungen aller staatlichen Museen Italiens zusammen. Die Kulturgüter, so der Minister, seien das Erdöl Italiens:

"Wir müssen begreifen, dass das ein wichtiges Gut ist, und dass wir es zum Wohl des ganzen Landes nutzen müssen."

"Nutzen" im Sinn von Geld machen und nicht nur Geld kosten. Regierungschef Matteo Renzi kürzt wo er kann. Um nun nicht noch mehr bei den Museen zu kürzen, die oftmals ohnehin nicht wissen, wie sie finanziell über die Runden kommen, müssen neue Leute her. Fachleute die auch Kulturmanager sind - und nicht nur feingeistige Hyperexperten. Revolution ist also angesagt - und die passt vielen nicht. Jenen italienischen Konkurrenten nicht, die jetzt von Ausländern ausgestochen wurden. Eine dieser Ausgestochenen, die ebenfalls namentlich nicht werden will, erklärte heute, dass man doch am besten Angela Merkel anwerben solle, um nicht nur die Museen, sondern gleich ganz Italien auf Vordermann zu bringen.

Egal ob es den Neuen gelingen wird, auch jenen aus dem Ausland, die bisher wenig gewinnbringenden Museen auf neuen Kurs zu bringen: So gut wie in vielen anderen Ländern werden sie in Italien nicht verdienen. Der Kulturminister stellte das gleich klar: die Gehälter werden, wie die der übrigen Beamten in diesem Verwaltungsbereich, maximal bei 145.000 Euro im Jahr liegen.

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