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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.03.2011

Israels Geschichte im Bild

Werkschau von Magnum-Fotograf Micha Bar-Am in Berlin

Von Carsten Hueck

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Bunker, Bar-Lev-Verteidigungslinie, Suezkanal, 1969 (Micha Bar-Am/ Magnum Photos)
Bunker, Bar-Lev-Verteidigungslinie, Suezkanal, 1969 (Micha Bar-Am/ Magnum Photos)

Micha Bar-Am ist der wohl berühmteste israelische Fotograf. Er hat an nahezu allen Orten fotografiert, die für die neuere Geschichte Israels von Bedeutung sind. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin ist ihm jetzt eine umfassende Werkschau gewidmet.

"Und da hab ich von einem Freund im Kibbuz sein Fotoapparat geborgt, und ich habe langsam angefangen zu fotografieren. Und es war mir ganz klar, dass das ist eigentlich, was ich am liebsten mache."

Micha Bar-Am besteht darauf, Deutsch zu sprechen, das gehöre sich so gegenüber deutschen Hörern. Er ist ein freundlicher, älterer Herr mit Basecap. Darunter langes graues Haar und ein Bart, der dem Druiden Miraculix alle Ehre machen würde. Kaum vorstellbar, dass dieser Mann auf den Schlachtfeldern sämtlicher Kriege Israels fotografiert hat.

"Ich habe mich nie als Kriegsfotograf gesehen. Ich habe fotografiert, was geschah in meinen Kreisen. Ob das meine eigene Familie ist oder ist das mein Kibbuz oder die israelische Armee oder die Straßen von Tel Aviv. Und wenn ein Krieg ab und zu, wie bei uns jede zehn Jahre ungefähr ein neuer Krieg ist, dann bin ich dort, weil das das Geschehen der Zeit ist. Ich sehe mich vielmehr als Chronist und nicht als bewusster Kriegsfotograf."

Die Ausstellung in Berlin zeigt genau das. Neben den spektakulären, dramatischen Schwarzweiß-Fotos, auf denen Kinder in Luftschutzbunkern, zerstörte Häuser, arabische Kriegsgefangene und gar nicht martialische israelische Soldaten zu sehen sind, gibt es immer wieder stille und auch heitere Abbildungen vom Alltag in Familien, jüdischen und palästinensischen, von Bauern bei der Olivenernte, dem Morgennebel über Feldern. Man erkennt die Entwicklung eines Staates von seiner Gründung bis zur Gegenwart: die Urbanisierung, die unterschiedlichen Einwanderer, den Wechsel der Mode.

Bar-Ams Fotos erzählen Geschichten. Vom Alltag, der in seiner Heimat dramatisch, doch genauso auch fröhlich sein kann. Man spürt, dass hier einer hinschaut, der sich tatsächlich dem Menschen verbunden fühlt – gleich ob Jude, Christ oder Muslim, ob alt oder jung, Mann oder Frau. Es ist ein ganz eigener Blick – und nicht umsonst wurde Micha Bar-Am als erster Israeli Mitglied der legendären Fotoagentur MAGNUM.

"Was am wichtigsten ist, ist ein Herz mitzubringen. Nicht nur abstrakte Ideen, die in der Welt rumschweben. Sondern eine Möglichkeit mitzufühlen und manchmal auch den EgoTrip ein bisschen niedriger zu halten. Leider lehrt man heute viel zu viel Theorie, philosophiert zu viel in Fotografie. Für meinen Geschmack. Und Philosophie ist fantastisch und sehr wichtig. Aber nicht immer bildschaffend."

Seit Kuratorin Alexandra Nocke ihn vor vielen Jahren in Israel kennengelernt hat, wollte sie seine Fotos präsentieren:

"Aus dieser Idee ist ein ganz konkretes Projekt geworden. Und es ist uns nur gelungen, dieses Projekt zu realisieren, weil zwei Institutionen ihre Kräfte vereint haben, einmal die Open Museums in Israel und einmal der Freundeskreis Willy-Brandt-Haus e. V. Es war eine riesige Herausforderung, in einem Archiv von ungefähr 500.000 Einzelstücken eine Ausstellung von circa 200 Exponaten zusammenzustellen."

Parallel zur hiesigen, wird es Anfang April auch in Tel Chai, im Norden Israels, eine Micha Bar-Am- Ausstellung geben. Über zwei Jahre haben Deutsche und Israelis dafür zusammengearbeitet, sich über geografische und sprachliche Entfernungen hinweg verständigt, das Thema Familie für Israel und eine Retrospektive des Gesamtwerks von Micha Bar-Am für Berlin erarbeitet. Alexandra Nocke:

"In Zeiten von Internet von Skype ist das alles kein Problem mehr. Es gab ein paar Besuche vor Ort im Archiv von Micha Bar-Am, und so ist dieses Projekt eben über Internet, über Skype und einige andere Medien gewachsen und gewachsen, die Ressourcen dafür wurden auf der deutschen und der israelischen Seite gesammelt, vom deutschen und israelischen Team zusammengeworfen, und es entstand eben eine Ausstellung in Berlin, eine Ausstellung in Israel und ein Buch, das beide Blickwinkel vereint."

Die Berliner Ausstellung ist in Kapitel gegliedert. Sie richten sich nach geografischen Regionen Israels aus und zeigen, wie wichtig das Land für das Werk Micha Bar-Ams ist. Sein Leben spiegelt die Geschichte des Nahen Ostens, seine Biografie ist auf das Engste verknüpft mit der Entwicklung des Staates Israel.

Weitere Infos zur Ausstellung

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