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Studio 9 | Beitrag vom 12.05.2015

Israelisches Start-upLieder aus Tel Aviv für deutsche Klavierschüler

Von Sebastian Engelbrecht

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Doron Salomon (links) und Alexander Schläger (Deutschlandradio / Sebastian Engelbrecht)
Doron Salomon (links) und Alexander Schläger (Deutschlandradio / Sebastian Engelbrecht)

Deutsche Mitarbeiter in israelischen Unternehmen gehören in Isreal längst zum Alltag: Zwei Isrealis und ein Deutscher bieten etwa auf einer Webseite virtuelle Klavierkurse an - mit dem Fokus auf deutsche Lieder.

So klingt Herbert Grönemeyers Lied "Der Weg" auf der Internet-Seite "Lieder lernen.de". Die Seite soll den Klavierunterricht ersetzen. Doron Salomon, Anfang 30, hat "Lieder lernen" erdacht und in Israel mit seiner Idee schon erste Erfolge: 1000 Kunden lernen mit Hilfe der Seite Klavier und auch Gitarre.

Doron Salomon: "Die Leute sind es gewöhnt, bei Privatlehrern ein Instrument zu lernen. Das war immer so. Wir wollen, dass sie stattdessen zu uns auf die Seite kommen. Bei uns ist das viel billiger. Für vier oder fünf Stunden beim Privatlehrer bekommt man bei uns Unterricht für ein ganzes Jahr. Man kann sehr schnell Lieder lernen, zu Hause und wann immer man will. Man muss nicht rausgehen und viel Geld ausgeben."

Aber wie kommt der Israeli Doron Salomon dazu, als Lernstoff auf seiner Seite den Schlager "Tausend mal berührt" und Herbert Grönemeyers Lieder anzubieten? Der Grund ist Alexander Schläger, ein 39-jähriger Berliner. Vor einem Jahr trafen sich die beiden zufällig bei einer Party in Rehovot, einer Vorstadt von Tel Aviv. Sie sangen und spielten zusammen Klavier und Gitarre. Jetzt wollen sie – gemeinsam mit Dorons Kompagnon Dror, einem Klavierlehrer, den deutschen Markt erobern. Seit drei Monaten gibt es "Lieder lernen" auf einer deutschen Internetseite, mit 600 Liedern und Musikstücken.

Alexander Schläger: "Man sieht quasi eine animierte Oberfläche eines Pianos, also ein elektronisches Piano mit verschiedenen Funktionen, man hat also eine play- eine Pause-, eine stop-Funktion, mit Lautstärke, mit Tempo, man kann sich die Hände getrennt anzeigen lassen, man kann sich die einzelnen Noten, die angeschlagen werden, anzeigen lassen. Und während der Song läuft und quasi man sieht, was die linke Hand spielt, mit roten Tasten markiert, und was die rechte Hand, mit grünen Tasten markiert, spielt, läuft also so der Zeitbalken ab, wo man die Eingliederung des Songs sieht. Das ist jetzt das Intro, dann kommt die Strophe, dann der Refrain, dann kommt eine Bridge."

Deutschland ist ein vielversprechender Markt

Auf der israelischen Seite von "Liedern lernen" steht Arik Einsteins Lied "Ich und Du werden die Welt verändern" ganz oben auf der Liste der populären Stücke.

Salomon: "Mir wurde klar, dass die Menschen heute schnell lernen wollen, vor allem die junge Generation. Sie wollen jetzt lernen, ein Lied zu begleiten und nicht ein oder zwei oder mehr Jahre warten, bis sie es können. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee. Das hat weniger mit Kultur zu tun als vielmehr mit dieser Instant-Generation, die schnell lernen will."

Doron, sein Kompagnon Dror und der Berliner Alexander hoffen, dass sie – wie so viele kleine Start-up-Unternehmen in Israel – von einem Investor entdeckt werden. Sie wollen ihren digitalen Klavierunterricht weltweit im Internet etablieren. Zunächst aber in Deutschland, auf einem vielversprechenden und großen Markt. Alexander Schläger hat den israelischen Erfindern den Zugang zu diesem Markt ermöglicht. – Die drei arbeiten gut zusammen.

Schläger: "Ich habe ja auch andere Jobs gemacht, eher im handwerklichen Bereich oder sonstwo, wo man – jetzt aus deutscher Sicht – eher mit den klassischen Schluderern zu tun hat, wo es nur darum geht: jalla, fertigwerden! – wo es nicht so wichtig ist, ob es 100-prozentig gerade oder im Wasser oder sonst was ist, während wir es hier mit Jungs zu tun haben, die einfach im Hightech-Bereich... die auch fast eine deutsche Arbeitsmoral haben, wo es auch wirklich darum geht, was zu erreichen, wo auch geklotzt wird, nicht gekleckert."

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