Seit 17:05 Uhr Studio 9
Mittwoch, 22.09.2021
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Aus der jüdischen Welt / Archiv | Beitrag vom 06.06.2014

Israelischer TheaterstarIm Zeichen der Versöhnung

Hanna Maron verstarb mit 90 Jahren

Von Igal Avidan

Die israelische Schauspielerin Hanna Maron (rechts) auf einer Demonstration in Tel Aviv 2011. (dpa / picture alliance / Oliver Weiken)
Die israelische Schauspielerin Hanna Maron (rechts) auf einer Demonstration in Tel Aviv 2011. (dpa / picture alliance / Oliver Weiken)

Kultregisseur Fritz Lang entdeckte sie für den Film, später wurde sie eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen Israels. Nun starb Hanna Maron im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv. Ein Rückblick.

"Ich habe mich immer gut gefühlt auf der Bühne und meine Mutter war immer dabei. Meine Mutter war sehr dabei – immer! Ich glaube nicht, das ich als Vierjährige eines Tages aufstand und sagte: Mama, ich will Theater spielen!"

Erinnerte sich Hanna Maron an ihren ersten Auftritt in Berlin 1928 in "Daumesdick" der Brüder Grimm. Damals hieß sie noch Hanne Maierzak. Das Wunderkind las Texte im Berliner Rundfunk und trat im Deutschen Theater auf, 1931 sogar in einem der ersten Sprechfilme:

"M, der berühmte 'Der Mörder unter uns' von Fritz Lang. Das kleine Mädchen ganz am Anfang, das bin ich, und das ist natürlich sehr berühmt."

Die heile Welt der assimilierten Familie, die Chanukka und Weihnachten feierte, endete 1933. Denn eines Tages sollte Hannele im Radio ein Gedicht zu Ehren eines prominenten Nazi-Funktionärs aufnehmen. Zusammen mit ihrer Mutter ging sie ins Haus des Rundfunks.

"Und da war ein Onkel, und meine Mutter sagte: Herr sowieso, Hannele kann das Gedicht nicht sagen. Da hat er gesagt: Warum? Wollen Sie mehr Geld? Hat sie gesagt: Nein, wir können nicht, wir sind nicht arisch. Da hat er gesagt: Was heißt? Sind Sie katholisch oder so? Das war auch nicht besonders gewollt. Da habe ich zum ersten Mal das Wort gehört: Nein, wir sind Juden. Mein man ist Jude, ich bin Jüdin und Hannele ist jüdisch. Und da hat der Onkel mir den Text weggenommen und gesagt: Ich danke Ihnen. Das hätte mir den Kopf kosten können. Was mich damals sehr interessiert hat, wie der Kopf irgendwie dazu kam, aber man hat mir das nicht erklärt."

Ausreise nach Palästina: "Ich war glücklich vom ersten Moment"

Hannas Vater fand eine Stelle als Elektriker in Palästina. Die Mutter wollte aber keinesfalls, auf Kamelen in der Wüste reiten und ging mit Hanna nach Paris, wo das Mädchen in Kästners "Emil und die Detektive" auf Französisch auftrat. Erst als beide hungerten, nahmen sie 1934 das Schiff nach Jaffa.

"Und so kam Hannele und ihre Mama nach Palästina. Ich sehe das heute noch: Es war so bunt und so laut und so wunderbar. Ich war glücklich vom ersten Moment."

1945 gehörte Hanna Maron - so nannte sie sich inzwischen - zu den Gründern des Kameri Stadttheaters von Tel Aviv. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere 1970 wurden die israelischen Fluggäste bei einer Zwischenlandung auf dem Münchner Flughafen von drei Palästinensern überfallen:

"Na ja, das konnte man nicht missverstehen, weil mir der junge Mann, mit dem Revolver in der Hand, der stand nicht viel weiter wie Sie jetzt bei mir sitzen und sagte: This is an attack, we are going to kill you!"

Prägendes Erlebnis: Überfall in München 1970

Als der israelische Pilot sich auf einen der Terroristen stürzte, begann ein zweiter Handgranaten um sich zu werfen. Als nächstes lag Hanna Maron schwer verletzt in einem Blutbad:

"Es traf mich im Bein also in der linken Seite und ich habe furchtbar viel Blut verloren. Inzwischen ist auch ein Heizkörper - dort, wo ich war - ist geplatzt und das war alles voll, wie eine Wolke, so dass man mich nicht sah. Und ich lag da und es war schon alles vorbei. Und da lief ein Kellner durch. Und ich hörte ihn schreien: Um Gottes Willen, da liegt ja noch eine Frau!"

Nach nur 16 Monaten kehrte Hanna Maron mit einer Prothese auf die Bühne zurück. Infolge ihrer Verletzung begann sie sich für die Versöhnung mit den Palästinensern einzusetzen.

Noch mit 87 Jahren trat Hanna Maron für den Frieden ein. Auf einer Kundgebung in Tel Aviv verkündete sie ihre Solidarität mit dem gerade von der UNO anerkannten Staat Palästina – und wurde dafür von rechtsgerichteten Demonstranten beschimpft.

Zu ihrem 90. Geburtstag stand Hanna Maron zum letzten Mal auf der Bühne - bei einem Festabend des Kameri-Theaters:

"Bitte entschuldigen Sie meine Aufregung, aber ich habe heute Abend gespürt, dass alle hier mich wirklich lieben! Dafür vielen Dank!"

Aus der jüdischen Welt

Jüdischer Einfluss in ComicsJiddeln in Sprechblasen?
Der Comiczeichner Will Eisner schaut in die Kamera. Im Hintergrund ist ein Zeichnung zu sehen. (Imago / Marcello Mencarini / Leemage)

Superman oder Snoopy – in Comics lässt sich garantiert etwas Jüdisches finden. Angesichts des Festivals „Comic Invasion“ schauen wir auf den jüdischen Einfluss auf die Branche und welche jüdische Themen in Comics überhaupt dargestellt werden.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur