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Interview / Archiv | Beitrag vom 15.07.2016

Islamistischer Terror Wie gefährdet ist Deutschland?

Markus Kaim im Gespräch mit Christopher Ricke und Anke Schaefer

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Polizisten stehen vor Einsatzfahrzeugen (picture alliance / dpa / Ralf Roeger)
Festnahmen bei einem Polizeinsatz in Alsdorf in Zusammenhang mit den Anschlägen von Paris im November 2015 (picture alliance / dpa / Ralf Roeger)

Eine erhöhte Terrorgefahr für Deutschland nach dem Anschlag von Nizza sieht der Politikwissenschaftler Markus Kaim von der Stiftung Wissenschaft und Politik nicht. Zwar gebe es eine latente Bedrohung. Von einer Situation wie in Frankreich sei man aber weit entfernt.

Noch ist nicht klar, ob es sich bei dem Anschlag von Nizza um einen islamistischen Terrorakt handelt, aber die Spekuationen gehen in diese Richtung. Markus Kaim, Experte für Sicherheitspolitik bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, warnt vor voreiligen Schlüssen.  

"Die Signale weisen in unterschiedliche Richtungen", sagt er. Einerseits trüge der Anschlag von Nizza nicht die klassische Handschrift der Terrorangriffe der letzten Monate, wo die Täter mit Bomben und Schusswaffen eine möglichst große Zahl an Opfern erzeugen wollten. Andererseits sei das Attentat möglicherweise ein Signal des Islamischen Staates, dass dieser nach der glimpflich abgelaufenen Europameisterschaft "zurück" sei.

Die positive Wirkung der Europameisterschaft ist Kaim zufolge damit jedoch dahin: "Es war eigentlich die größte Sorge dieses Sommers, dass die Europameisterschaft als Plattform für Anschläge genutzt werden würde. Da sind tausende oder zehntausende Sicherheitskräfte darauf verwendet worden, das zu verhindern – mit Erfolg – und es hat eine gewisse Euphorie, mindestens aber Zuversicht und Hoffnung in Frankreich eingesetzt. Das ist alles damit zunichte gemacht worden."

Deutschland im Visier des IS?

Dass sich in der Folge des Anschlags von Nizza, etwa durch Nachahmungstäter, die Terrorgefahr für Deutschland erhöht, glaubt der Sicherheitsexperte nicht.

"An der grundsätzlichen Einschätzung der Sicherheitsbehörden hat sich nichts geändert. Es gibt eine latente Bedrohungslage: Deutschland ist aufgrund seines militärischen Engagements in Syrien – oder über Syrien, um präzise zu sein – vielleicht noch stärker ins Visier des Islamischen Staates geraten, als das bislang der Fall gewesen ist. Aber wir sind von einer Situation wie in Frankreich noch weit entfernt."

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