Seit 05:05 Uhr Studio 9

Donnerstag, 21.11.2019
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 24.02.2015

Islamistische Terrorgruppe Boko HaramPakt mit dem Teufel

Von Marc Dugge

Podcast abonnieren
(AFP)
Mitglieder von Boko Haram (Bild: AFP) (AFP)

Gefechte, Granatexplosionen, Selbstmordanschläge: Die radikalislamische Terrorgruppe Boko Haram verbreitet längst nicht mehr nur in Nigeria Angst und Schrecken. Auch in den Nachbarländern Niger und Tschad ist die Furcht vor dem Terror groß.

Sie kamen mit Motorbooten. Gegen zwei Uhr früh landeten sie in Ngouboua, am Ufer des Tschadsees. Und griffen gleich an. Die Boko Haram-Kämpfer töteten fünf Menschen, darunter vier Zivilisten.

Sie nahmen einen Militärposten ins  Visier. Und brannten das Dorf zu zwei Dritteln nieder. Dann verschwanden sie nach Augenzeugenberichten in Richtung Nigeria.

Es war der erste Angriff von Boko Haram im Tschad. Für den französischen Nigeria-Spezialisten Marc-Antoine Pérouse de Montclos ganz klar eine Racheaktion der Terroristen. Im Sender France 24 sagte er:

"Boko Haram ist schon lange im Tschad und in den Nachbarländern präsent. Im Tschad, im Niger, in Kamerun. Aber jetzt, da die Armeen dieser Länder freie Hand haben, um gegen die Terroristen vorgehen, schlägt Boko Haram zurück. Die Nachbarn sehen: Die nigerianische Armee schafft es nicht, mit den Kämpfern fertig zu werden.“

Vieles ist bei dem gemeinsamen Einsatz noch unklar. Sicher ist nur: Die multinationale Truppe soll 8700 Mann stark sein. Und die Zeit drängt.

Der Tschad hat schon Truppen an der Grenze zu Nigeria stationiert – und sie auch schon in Nigeria kämpfen lassen. Viele Menschen dort sind erleichtert:

"Das muss schnell passieren. Es ist wichtig, dass unsere Nation geschützt wird. Das ist eine gute Entscheidung.“

Die Schläfer leben unter den Flüchtlingen

Tatsächlich wird die Bedrohung für den Niger immer akuter. Im Süden des Landes gilt schon der Ausnahmezustand. Aus der Stadt Diffa etwa kommen dieser Tage nur Schreckensmeldungen: Gefechte, Granatexplosionen, Selbstmordanschläge. Meldungen, die man hier bisher nur aus Nigeria kannte.

Die Menschen dort fühlen sich nicht mehr sicher – mit gutem Grund. So sollen unter den vielen nigerianischen Flüchtlingen hier auch Boko-Haram-Kämpfer sein. Schläfer, die nur auf den richtigen Moment warten, sich in die Luft zu sprengen. Tatsächlich soll eine Selbstmordattentäterin als Flüchtling in Diffa gelebt haben. Sie riss hier mindestens zehn Menschen mit in den Tod. Aber auch bei den Einheimischen gebe es viele Unterstützer von Boko Haram, so Souley Adji, Politikprofessor der Universität von Niamey. Gerade unter den jungen Leuten:

"Die jungen Menschen fühlen sich angezogen von den Angeboten von Boko Haram. Es sind teuflische Angebote – aber da es keine Möglichkeit gibt, hier eine solide Arbeit zu finden, sehen sie für sich keine Alternative, als einen Pakt mit dem Teufel einzugehen.“

Der Präsident des Niger, Mahamadou Issoufou gibt sich zuversichtlich, dass sein Land es schaffen wird, der Bedrohung Herr zu werden:

"Wir werden, so Gott will, Boko Haram besiegen. Boko Haram hat keine Zukunft in unserer Region.“

Sagt der Präsident. Und es klingt ein bisschen, als wolle er sich selbst Mut machen.

Mehr zum Thema:

Nigerianische Terrorgruppe - Boko Haram tötet Dutzende Zivilisten in Kamerun
(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 4.2.2015)

Nigeria - Boko-Haram-Angriff auf Millionenstadt abgewehrt
(Deutschlandfunk, Informationen am Abend, 1.2.2015)

Boko Haram - Kinder als Selbstmordattentäter
(Deutschlandfunk, Tag für Tag, 22.1.2015)

Islamismus in Nordwestafrika - Scharia, Schmuggel und Staatsversagen
(Deutschlandradio Kultur, Studio 9, 19.1.2015)

Weltzeit

Aufruhr in HongkongDie Sicht der chinesischen Führung
Verletzte Demonstrierende am 19.November in Hong Kong. (Getty/AsiaPac/Anthony Kwan)

Gewalt und noch mehr Gegengewalt führten in den vergangenen Tagen zu immer brutaleren Szenen in Hongkong. Es gab tausende Festnahmen, scharfe Drohungen aus Peking. Dort hat die chinesische Führung die Ereignisse fest im Blick. Wie schaut sie auf Hongkong?Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur