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Studio 9 | Beitrag vom 03.09.2014

Islamischer Staat"Absolut ekelhafte, verachtenswerte Tat"

Terrormiliz ermordet weitere US-Geisel

Von Jasper Barenberg

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Der US-Journalist Steven Sotloff wurde angeblich von der Terrormiliz Islamischer Staat enthauptet. (picture alliance / dpa / Mazen Mahdi)
Der US-Journalist Steven Sotloff (picture alliance / dpa / Mazen Mahdi)

Die Terrormiliz Islamischer Staat hat offenbar einen weiteren US-Bürger enthauptet. Es soll sich um den im August letzten Jahres in Syrien verschwundenen Journalisten Steven Joel Sotloff handeln. Die Tat setzt US-Präsident Obama weiter unter Druck.

Die Bilder sind verstörend, die Inszenierung ähnelt einer früheren: Wieder kniet das Opfer in einem orangefarbenen Overall im Wüstensand, wieder steht ein Kämpfer der Miliz Islamischer Staat an seiner Seite, maskiert, schwarz gekleidet, ein Waffe über der Schulter, ein gezacktes Messer in der linken Hand.

"Steven Joel Sotloff"

Die Geisel muss ihren Namen nennen, in einem gut zwei Minuten langen Video, das Anhänger der Terrorgruppe offenbar über russische Server verbreitet haben, auch auf Youtube war es kurz zu sehen. Der Maskierte deutet mit seinem Messer in Richtung Kamera, spricht dann direkt zum US-Präsidenten. "Trotz unserer Warnungen hast Du, Obama, durch Dein Handeln einen weiteren US-Bürger getötet. So wie Deine Raketen weiter unsere Bürger treffen, werden unsere Messer weiter die Hälse Deiner Bürger treffen!"

Unverkennbar der britische Akzent. Auch sonst gleicht das Video in seiner Machart bis in Details dem Film, der vor 13 Tagen die Enthauptung des US-Reporters James Foley zur Schau stellte, bis hin zur Kleidung, eine Anspielung auf die Gefangenen in Guantanamo. Schon vor knapp zwei Wochen hatten die Entführer auch Steven Sotloff vorgeführt, seinen Tod angedroht. Seine Mutter Shirley hatte sich daraufhin in einer Videobotschaft direkt an den Anführer der Miliz gewandt und darum gebeten, ihr Kind freizulassen, sein Leben zu schonen.

Shirley Sotloff: "I ask you to please release my child. I ask you to use your authority to spare his life."

Ein Sprecher teilte inzwischen mit: Die Familie weiß um diese schreckliche Tragödie. Sie trauert im Kreis der Angehörigen. US-Präsident Barack Obama ist kurz vor seiner Abreise nach Estland unterrichtet worden. Regierung und Nachrichtendienste prüfen die Echtheit des Videos mit dem Titel "Zweite Botschaft an Amerika". Das Weiße Haus erinnerte daran, ein Kommando von Spezialeinheiten noch im Juli versucht hatte, Sotloff und andere Geiseln aus der Hand des Islamischen Staates zu befreien. In den Worten des stellvertretenden Außenministers Bratt McCurk stellen die radikalen Sunniten einmal mehr den barbarischen Charakter der Terrorgruppe unter Beweis.

Obama unter Druck

Bratt McCurk: "Präsident Obama hat bereits klar gemacht: Wer US-Bürgern so etwas antut, wird einen Antwort erhalten."

Der 31-jährige Steven Sotloff hat seit Jahren aus dem Nahen Osten berichtet, unter anderem für das "Time Magazine". Im Dezember 2012 war er zu Recherchen in Aleppo, im Norden Syriens. Dort wurde er im August 2013 zuletzt gesehen, dann verschwand er.

Am Ende des Videos droht der maskierte Kämpfer die Tötung eines dritten Gefangenen an, den er als David Haines identifiziert, ein britischer Staatsbürger. Auch der Maskierte selber soll Brite sein. In London sprach Premierminister David Cameron von einer "absolut ekelhaften, verachtenswerten Tat."

In den USA befeuert der Mord die wachsende Kritik beider Parteien an Barack Obama. Mit Dianne Feinstein hat gerade eine der einflussreichsten Stimmen der Demokraten eine allzu große Zurückhaltung des Präsidenten im Kampf gegen die Terrormiliz kritisiert. Der Vorsitzende im Auswärtigen Ausschuss im Repräsentanten¬haus, ein Republikaner, will kommende Woche Außenminister John Kerry zu den Plänen der Regierung befragen. Als Oberkommandierender hat Obama Aufklärungsflüge über Syrien angeordnet. Dort wird das Machtzentrum der sunnitischen Extremisten vermutet. Der US-Präsident erwägt Luftangriffe auf die Führung der Miliz auf syrischem Staatsgebiet. Grünes Licht hat er dafür aber bisher nicht gegeben.

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