Seit 05:05 Uhr Studio 9
Mittwoch, 12.05.2021
 
Seit 05:05 Uhr Studio 9

Fazit | Beitrag vom 03.01.2021

Islamische Alltagskultur im MuseumDas Aleppo-Zimmer mit Leben füllen

Stefan Weber im Gespräch mit Eckhard Roelcke

Das Aleppo-Zimmer. (picture alliance / AP Photo | Franka Bruns)
Das sogenannte Aleppo-Zimmer befindet sich im Museum für Islamische Kunst in Berlin. (picture alliance / AP Photo | Franka Bruns)

Was würden Kuratorinnen und Kuratoren zeigen, wenn sie frei wären von allen Zwängen? In unserer Reihe „Imagine – Was ich unbedingt einmal ausstellen möchte“ erklärt Stefan Weber, warum er vom sogenannten Aleppo-Zimmer fasziniert ist.

Wenn Museumsdirektor Stefan Weber könnte, wie er wollte, würde er das sogenannte Aleppo-Zimmer mit Leben füllen und so den kulturellen Reichtum des Nahen Ostens von vor 500 Jahren erfahrbar machen.

Beim Aleppo-Zimmer handelt es sich um eine vollständig erhaltene Wandverkleidung des Eingangsbereichs eines Stadthauses aus Aleppo aus dem 17. Jahrhundert. Diese steht aufgebaut im Museum für Islamische Kunst in Berlin, dessen Direktor Weber ist.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)
Die auf den Wänden befindlichen Malereien zeugen von einer christlich-islamischen Kultur, wie Weber erklärt: Darauf zu sehen ist beispielsweise das letzte Abendmahl, nur tragen die abgebildeten Menschen Turbane und sind in prachtvolle Gewänder gekleidet.

Auch Maria ist zu sehen, wie sie mit Jesus in einem Tempel spielt, außerdem noch Abbildungen von Abraham, Isaak und Ismail. Aber auch höfische Szenen sind darauf zu finden genauso wie viele kleinere Abbildungen von Tieren, Gauklern, Drachen und Phönixwesen.

Diese Ästhetisierung von Wunderwesen ist auf chinesische Einflüsse auf die islamische Kunst zurückzuführen, wie Weber erklärt.

In den kulturellen Reichtum des Nahen Ostens eintauchen

Der Islamwissenschaftler hat selbst einige Zeit in einem solchen Stadthaus in Aleppo gelebt. Diese Bauten seien Begegnungsorte, damals wie heute, so Weber. Räume, in denen man unterschiedlichste Gerüche von Essen, aber auch von Pflanzen sowie unterschiedlichste Geräusche von Musik, Menschen und Brunnen wahrnehmen konnte.

Mit Geruchsstationen, Geräuschen und Bildern könnte man versuchen, diese Sinfonie der Sinne zur Aufführung zu bringen. "Das ist natürlich nicht das Gleiche, aber auch heute ist es wert, sich in diesen kulturellen Reichtum von damals hineinzuversetzen", sagt Weber.

Der Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, Stefan Weber. (imago images / Emmanuele Contini)Der Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, Stefan Weber. (imago images / Emmanuele Contini)

Genauso spannend wäre es seiner Ansicht nach, sich mit bestimmten, für das damalige Bürgertum Aleppos typischen Verhaltensweisen zu beschäftigen, also den Habitus der Menschen aus dieser Zeit in dieser Region genauer zu studieren, wie Weber sagt: Was tat man und was nicht?

Doch die Chancen, dass dieses Projekt tatsächlich umgesetzt wird, sind gering, wie Weber erklärt: Einerseits muss man sich auf begrenzende Museumsräume einlassen und andererseits ist das Museum für Islamische Kunst eben nicht Disney World.

(ckr)

Seit Monaten sind viele Museen geschlossen – Warum die unendlich scheinende "Kunstpause" nicht nutzen, um mal zu träumen? Deshalb haben wir DirektorInnen und KuratorInnen gebeten, ein paar Utopien zu formulieren: Welche Ausstellung sie gern gestalten würden, wenn sie frei von allen Zwängen wären. Die Antworten präsentieren wir in unserer Reihe "Imagine – Was ich unbedingt einmal ausstellen möchte".

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsCancel Culture und "Kanzelkultur"
Wegweiser zeigen die Optionen Meinungsfreiheit und Ausgrenzung. (Imago / U. J. Alexander)

Menschen wegen bestimmter Überzeugungen ausschließen - das nennt man Cancel Culture. Die "FAZ" fügt eine "Kanzelkultur" hinzu: Der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz hat das Buch "Papierklavier" als nicht preiswürdig abgekanzelt.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur