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Fazit | Beitrag vom 03.01.2021

Islamische Alltagskultur im MuseumDas Aleppo-Zimmer mit Leben füllen

Stefan Weber im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Das Aleppo-Zimmer. (picture alliance / AP Photo | Franka Bruns)
Das sogenannte Aleppo-Zimmer befindet sich im Museum für Islamische Kunst in Berlin. (picture alliance / AP Photo | Franka Bruns)

Was würden Kuratorinnen und Kuratoren zeigen, wenn sie frei wären von allen Zwängen? In unserer Reihe „Imagine – Was ich unbedingt einmal ausstellen möchte“ erklärt Stefan Weber, warum er vom sogenannten Aleppo-Zimmer fasziniert ist.

Wenn Museumsdirektor Stefan Weber könnte, wie er wollte, würde er das sogenannte Aleppo-Zimmer mit Leben füllen und so den kulturellen Reichtum des Nahen Ostens von vor 500 Jahren erfahrbar machen.

Beim Aleppo-Zimmer handelt es sich um eine vollständig erhaltene Wandverkleidung des Eingangsbereichs eines Stadthauses aus Aleppo aus dem 17. Jahrhundert. Diese steht aufgebaut im Museum für Islamische Kunst in Berlin, dessen Direktor Weber ist.

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Die auf den Wänden befindlichen Malereien zeugen von einer christlich-islamischen Kultur, wie Weber erklärt: Darauf zu sehen ist beispielsweise das letzte Abendmahl, nur tragen die abgebildeten Menschen Turbane und sind in prachtvolle Gewänder gekleidet.

Auch Maria ist zu sehen, wie sie mit Jesus in einem Tempel spielt, außerdem noch Abbildungen von Abraham, Isaak und Ismail. Aber auch höfische Szenen sind darauf zu finden genauso wie viele kleinere Abbildungen von Tieren, Gauklern, Drachen und Phönixwesen.

Diese Ästhetisierung von Wunderwesen ist auf chinesische Einflüsse auf die islamische Kunst zurückzuführen, wie Weber erklärt.

In den kulturellen Reichtum des Nahen Ostens eintauchen

Der Islamwissenschaftler hat selbst einige Zeit in einem solchen Stadthaus in Aleppo gelebt. Diese Bauten seien Begegnungsorte, damals wie heute, so Weber. Räume, in denen man unterschiedlichste Gerüche von Essen, aber auch von Pflanzen sowie unterschiedlichste Geräusche von Musik, Menschen und Brunnen wahrnehmen konnte.

Mit Geruchsstationen, Geräuschen und Bildern könnte man versuchen, diese Sinfonie der Sinne zur Aufführung zu bringen. "Das ist natürlich nicht das Gleiche, aber auch heute ist es wert, sich in diesen kulturellen Reichtum von damals hineinzuversetzen", sagt Weber.

Der Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, Stefan Weber. (imago images / Emmanuele Contini)Der Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, Stefan Weber. (imago images / Emmanuele Contini)

Genauso spannend wäre es seiner Ansicht nach, sich mit bestimmten, für das damalige Bürgertum Aleppos typischen Verhaltensweisen zu beschäftigen, also den Habitus der Menschen aus dieser Zeit in dieser Region genauer zu studieren, wie Weber sagt: Was tat man und was nicht?

Doch die Chancen, dass dieses Projekt tatsächlich umgesetzt wird, sind gering, wie Weber erklärt: Einerseits muss man sich auf begrenzende Museumsräume einlassen und andererseits ist das Museum für Islamische Kunst eben nicht Disney World.

(ckr)

Seit Monaten sind viele Museen geschlossen – Warum die unendlich scheinende "Kunstpause" nicht nutzen, um mal zu träumen? Deshalb haben wir DirektorInnen und KuratorInnen gebeten, ein paar Utopien zu formulieren: Welche Ausstellung sie gern gestalten würden, wenn sie frei von allen Zwängen wären. Die Antworten präsentieren wir in unserer Reihe "Imagine – Was ich unbedingt einmal ausstellen möchte".

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