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Interview / Archiv | Beitrag vom 03.05.2016

Islam und HomosexualitätWar der Prophet homosexuellenfreundlich?

Muhammad Sameer Murtaza im Gespräch mit Nicole Dittmer und Julius Stucke

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Homosexualität. (picture alliance / Jose Jacome)
Es gehört oft einiges an Mut dazu, sich als Muslim als schwul zu outen. (picture alliance / Jose Jacome)

Muslim und schwul: Das passt für so manchen nicht zusammen. Im Mittelalter habe es dagegen eine "Duldung der Homosexualität" gegeben, sagt der Islamwissenschaftler Muhammad Murtaza. Dass homosexuellen Menschen in manchen muslimischen Ländern die Todesstrafe drohe, sei "eher ein modernes Phänomen".

"In dem Prophetenwort gibt es einzelne Aussagen, die Homosexualität bei Todesstrafe verbieten", sagt der Islamwissenschaftler Muhammad Sameer Murtaza. Wenn man über die Textquellen hinausschaue auf die Kultur, die sich im muslimischen Mittelalter in Bezug auf Homosexualität entwickelt habe, "dann ist es eine Kultur, die sagt eher: Don't ask, don't tell. Wir haben im muslimischen Mittelalter zahlreiche Gedichte, die die homosexuelle Liebe beschreiben", sagt Murtaza.

Duldung der Homosexualität im muslimischen Mittelalter

"Man hatte hier eigentlich schon eine Duldung der Homosexualität im muslimischen Mittelalter." Das heutige Phänomen, dass in manchen Ländern die Todesstrafe gegenüber homosexuellen Menschen verhängt werde, "dass sie verfolgt werden, dass es regelrecht Treibjagden in manchen muslimischen Ländern gibt, das ist eher ein sehr modernes Phänomen".

Warum das Thema Homosexualität heutzutage in manchen muslimischen Ländern so sehr verurteilt werde, erklärt Murtaza mit dem Einzug einer offeneren Liberalität in muslimische Länder, die gegen den bisherigen gesellschaftlichen Konsens verstoße: "Wenn plötzlich Menschen, die homosexuell sind, das in der Öffentlichkeit zeigen - das ist dann praktisch ein Verstoß gegen die Sitten."

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