Das Feature, vom 06.03.2020, 20:05 Uhr

Is it a Lady’s or a Gent’s?Fountain

Von Janko Hanushevsky

„Fountain“ gilt als das Pionierobjekt der Konzeptkunst, vielen Experten sogar als das bedeutendste Kunstwerk des 20. Jahrhunderts. Aber der pensionierte britische Kunsthistoriker Glyn Thompson ist sich sicher, dass das mit „R Mutt 1917“ signierte Urinal keineswegs von Marcel Duchamp stammt.

Der Kunsthistoriker Glyn Thompson vor dem 'R Mutt 1917' Urinal. (Deutschlandradio / Martin Harris)
Glyn Thompson vor "seinem" Urinal (Deutschlandradio / Martin Harris)

Baronin Elsa von Freytag-Loringhoven, eine exzentrische Dada-Künstlerin aus Duchamps Umfeld in New York, soll das später ‚Fountain‘ betitelte Objekt unter dem Pseudonym "Richard Mutt" 1917 zur Ausstellung eingereicht haben.

Glyn Thompson besitzt eine der ältesten Repliken des Urinals. Er hat über Jahre Beweise gesammelt und publiziert, die seiner Ansicht nach eindeutig für die Urheberschaft der so gut wie vergessenen Dadaistin sprechen. Die internationale Fachwelt wehrt sich vehement gegen Thompsons Umdeutung der Kunsthistorie.

Unterstützung findet Thompson in der Schriftstellerin Siri Hustvedt. Sie weist darauf hin, dass aus dem Kosmos von Freytag-Loringhovens Schaffen ‚Fountain‘ klar als Skulptur zu lesen ist - nicht als Ready-Made. Und wenn das so ist, wäre der Gründungsmythos der Konzeptkunst hinfällig. Hustvedt sieht im Fall der Baronin ein Beispiel dafür, wie sehr die Kunstgeschichte von männlichen Narrativen geprägt ist.

It is a lady’s, not a gent’s! meinen Thompson und Hustvedt.

Fountain - Is it a Lady’s or a Gent’s?
Von Janko Hanushevsky

Regie: Merzouga
Redaktion: Ulrike Bajohr
Produktion: Dlf/rbb 2020

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