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Lesart / Archiv | Beitrag vom 17.06.2020

Iris Hanika: „Echos Kammern“Mit einem Engel zum Empfang von Beyoncé

Iris Hanika im Gespräch mit Joachim Scholl

Iris Hanika lacht freundlich in die Kamera (laif / Isolde Ohlbaum)
"Das Komische, das ist in mir", sagt Iris Hanika. In ihrem Buch gehe es um komische Menschen mit komischen Namen und komischen Problemen. (laif / Isolde Ohlbaum)

Auf den ersten Blick ist "Echos Kammern" von Iris Hanika die Geschichte zweier Schriftstellerinnen. Dieser humorvolle Roman ist aber auch eine Hommage an New York und Berlin. Wobei sie, sagt Hanika, die Veränderungen Berlins mit Sorge betrachte.

In "Echos Kammern" erzählt Iris Hanika die Geschichte der beiden Frauen Roxana und Sophonisbe. Beide Frauen sind jenseits der 50 und arbeiten als Schriftstellerinnen. Roxana wurde mit Reiseratgebern reich, Sophonisbe schreibt Prosa.

Letztere lebt in New York City und will auch ihren nächsten Text über diese Stadt schreiben. Ihr Problem ist aber, dass sehr viele Autoren das schon getan haben und so läuft sie ziellos durch die Stadt. Dabei begegnet sie einem leibhaftigen Engel und wird zu einem Empfang bei der amerikanischen Sängerin Beyoncé mitgenommen.

Sophonisbe kommt nach Berlin

Irgendwann begreift Sophonisbe aber, dass Dichtung großartig und die Wirklichkeit platt, anstrengend und blöd sei. Der Roman bekommt dadurch eine Wendung, dass Sophonisbe New York verlässt und nach Berlin zieht. Dort kommt sie bei Roxana unter.

"Echos Kammern" ist auch ein Roman über New York und Berlin als Städte. Besonders an der Entwicklung in Berlin, wo Hanika seit langem lebt, nimmt sie stark Anteil. Sie beobachtet mit Sorge, wie sich Berlin verändert.

Sie sei vor sehr langer Zeit nach Kreuzberg gezogen, berichtet Hanika, als der Bezirk schon mal als "in" galt. Nach dem Mauerfall änderte sich das, da sei Kreuzberg nur noch hässlich und blöd gewesen. "Doch jetzt tun die Leute wieder so, als wäre es noch so wie in den 80er-Jahren, was natürlich nicht stimmt."  

Wenn Welten zusammenbrechen

Kreuzberg werde gerade übel gentrifiziert, urteilt Hanika. Berlin könne nicht wie Paris oder New York werden, Berlin sei anders. Sie freue sich über die Vergesellschaftungsinitiative für Wohnraum in Berlin. Das wäre eine sehr berlinische Lösung, sagt sie, sie hoffe, dass die Initiative "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" Erfolg habe.

Schon in ihrem ersten Buch "Treffen sich zwei" spielte Berlin-Neukölln eine Rolle und auch in diesem Buch kommt es hier zu einem Zwischenfall: Die große Karstadt-Filiale am Hermannplatz brennt. So etwas würde zwar in der Realität nicht passieren, sagt Hanika, doch das Gebäude werde gerade dadurch zerstört, dass der Investor es wieder so herrichten wolle, wie es in den 20er-Jahren mal ausgesehen hat.

"Das war damals sehr beeindruckend, doch ich finde dieses Karstadt-Gebäude jetzt, auf seine Art, auch sehr beeindruckend", meint Hanika. Es sei eben ein 60er- oder 70er-Jahre Bau und sie finde, dass man an dem überhaupt nichts ändern müsse.  

In ihrem Buch komme der Satz vor: "Man kann es nicht unbedingt hören oder sehen, wenn Welten zusammenbrechen, aber es kommt auch auf die Welten an." Das passe vielleicht ganz gut dazu.

Iris Hanika: "Echos Kammern"
Literaturverlag Droschl, Graz 2020
240 Seiten, 22 Euro

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