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Im Gespräch | Beitrag vom 10.11.2020

Investigativjournalist Egmont R. KochMit Neugier und Sportsgeist zur Enthüllung

Moderation: Katrin Heise

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Egmont R. Koch, Seitenscheitel, kurze, graue Haare, dunkle Brille, steht in einem pinken Leinenhemd vor einer goldenen Wand. (privat)
Es sind oftmals die schrägen Typen, die Egmont R. Koch zu seinen Recherchen inspirieren. (privat)

Ob illegale Waffenexporte, HIV-verseuchte Blutkonserven oder schwarze Kassen Helmut Kohls – über 60 Filme hat Investigativjournalist Egmont R. Koch fürs Fernsehen gemacht. Einige sind preisgekrönt, andere als Buch erschienen. Auch mit 70 macht er weiter.

Atemberaubende, aber wahre Geschichten sind seit über 40 Jahren seine Leidenschaft. Nicht selten bekommt er Hinweise von Privatleuten, die ihn anrufen. "Viele Geschichten entstehen, weil von außen Infos kommen. Oft endet man in einer Sackgasse, aber manchmal sind brauchbare Ansätze dabei."

Er liebt die schrägen Typen

Es sind oftmals die schrägen Typen, die ihn zu seinen Recherchen inspirieren. Einer seiner bekanntesten Fälle ist Willy Voss, der früher Willy Pohl hieß und eine Wandlung vom Neonazi zum Spion und schließlich zum Krimiautor durchmachte.

"Pohl war in der rechten Szene der Siebzigerjahre eine bekannte Größe. Er war Arafats Söldner, später CIA-Agent, am Ende Kriminalautor. Vertrauen ist gut, aber bei unseren Protagonisten muss immer auch überprüft werden, ob es stimmt, was sie sagen."

Voss, der auch am Olympia-Attentat von München 1972 beteiligt war, behauptet, genauso viele Gutes wie Schlechtes bewirkt zu haben, Koch glaubt ihm das insgesamt.

"Wir haben seinen Führungsoffizier der CIA gefunden und eine Wiederbegegnung mit ihm in Beirut ermöglicht, vor der Kamera."

Die Gesprächspartner ernst nehmen

Koch bekam früh Geschmack daran, Geschichten zu erzählen, die nicht offen zutage liegen. Und mit Menschen zu reden, die eigentlich nichts sagen wollen.

"Da ist es wichtig, Geduld zu haben und den Gesprächspartner ernst zu nehmen. Dann müssen wir sehr aufwändig recherchieren, reisen, bevor wir wissen, ob es überhaupt ein Buch oder ein Film wird. Es gibt in der Tat Themen, wo Sie keinen vor die Kamera bekommen. Manches Mal habe ich eine Geschichte nur geschrieben."

Vom Chemiestudenten zum Umweltjournalisten

Seine Kindheit war die Anfangszeit des Fernsehens. Zunächst hatte er nichts mit Journalismus im Sinn. Er studierte Chemie. "Durch kleine Zufälle fand ich den Weg in den Journalismus. Das hat mir mehr Spaß gemacht, als im Labor zu stehen."

Es begann mit dem Umweltjournalismus, eine seiner ersten großen Geschichten war ein Buch über den Chemie-Unfall im italienischen Seveso 1976. Er warf sein Studium hin und schon bald gehörte er zu den wichtigsten und bekanntesten investigativen Film-Journalisten Deutschlands.

Jede Story ist Detektivarbeit

Moral spielt dabei nur eine kleine Rolle. Das überwiegende Motiv ist für ihn Neugier und Sportsgeist. "Jede Story ist wie eine Detektivarbeit und das ist per se spannend."

Auch mit fast siebzig sieht er keinen Grund, aufzuhören, denn "wichtige Geschichten gibt es immer noch genug."

Sein nächstes Projekt ist eine Recherche über die Deutsche Bank.

(AB)

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