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Breitband | Beitrag vom 01.06.2019

Investigativjournalismus Offen legen, was nicht sichtbar ist

Martin Kaul im Gespräch mit Philip Banse

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Zeitungen, die über die Videoaffäre von Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache berichten, liegen auf einem Tisch (18. Mai 2019).  (´picture alliance / dpa / picturedesk / APA/ Hans Punz)
Persönlichkeitsrechte und Quellenschutz? Die Veröffentlichung des Ibiza-Videos hat Medien ethische Abwägungen abverlangt. (´picture alliance / dpa / picturedesk / APA/ Hans Punz)

Investigativer Journalismus ist im Trend – und hat gleichzeitig immer mehr Probleme: Regierungen machen Druck, auch wird es schwerer, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Für "taz"-Journalist Martin Kaul haben Bürger aber ein Recht auf Transparenz.

Zeitungsberichte haben mit für den Sturz der Österreichischen Regierung gesorgt. Die CumEx- und Panama-Paper-Berichte internationaler Medien haben Schwarzgeldkonten offengelegt und so Banker und vermögende Menschen weltweit arg in Bedrängnis gebracht. Und: Es haben sich zahlreichen neue investigative Recherche-Bündnisse und -Redaktionen gegründet. Der so lange Zeit für tot erklärte investigative Journalismus – er lebt.

Dabei müsse es sich aber nicht immer um eine lange, komplexe Recherche handeln, meint der "taz"-Journalist Martin Kaul. Es gehe vielmehr darum, ein Bewusstsein als Journalisten für den gesellschaftlichen Auftrag zu haben und Aussagen zu überprüfen.

Manchmal genügt es einfach nachzurechnen

Als Beispiel nennt er die Feinstaub- und Dieseldebatte in deren Verlauf sich 107 Lungenärzte zu Feinstaub-Grenzwerten in deutschen Städten geäußert und die Gefahren als geringer als angenommen beurteilt haben. Darüber wurde in vielen Medien berichtet.

"Aber keiner hat nachgerechnet, ob die Berechnung wirklich stimmt", sagt Kaul. Erst einer seiner "taz"-Kollegen überprüfte die Angaben: "Und siehe da: Die hatten sich um den Faktor  100 verrechnet. Die Aussagen waren wissenschaftlich nicht haltbar. Im Prinzip eine ganz einfache Angelegenheit, die aber auch damit zu tun hat, sich im Alltag Freiräume zu erhalten, die einfach dafür sorgen, dass wir nicht Informationen, die keine sind, auf dem Leim gehen."

Recherche-Hypothesen müssen belastbar belegt werden  

Wie geht man verantwortungsvoll mit Leaks um? Gerade am Beispiel des Strache-Videos entbrannte eine  Diskussion, wie wichtig das Motiv der Quelle für eine Veröffentlichung ist. Zwar müsse man das Material kontextuell bewerten können, "aber auch  Informationen, die aus niederen Motiven weitergegeben werden, können von öffentlichem Interesse sein.", so Kaul.

Mit "taz"-Journalist Martin Kaul sprechen wir über die Situation des investigativen Journalismus, über ethische, moralische Grenzen und Probleme des Journalismus. 

(lkn)

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