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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 14.05.2014

InternetDie vernetzte Heizung

Münchner machen Google Konkurrenz

Von Georg Gruber

Rauchmelder von Nest Labs Inc. in einer Wohnung (dpa / picture alliance / Nest Labs Inc.)
Rauchmelder von Nest Labs Inc. (dpa / picture alliance / Nest Labs Inc.)

Anfang des Jahres kaufte Google die amerikanische Firma Nest, die sich auf "smarte" Heizungssteuerung spezialisiert hat. Smart heißt in diesem Fall steuerbar per Smartphone. Die Münchner Firma tado hat ein ganz ähnliches Produkt entwickelt.

"Wir sind jetzt hier in München, in der Lindwurmstraße, das ist unser tado-Headquarter."

Christian Deilmann, 31, ist einer der Gründer von tado. Das "Headquarter“ ist eine große lichte Büroetage im Stadtzentrum, ein lang gestreckter Raum mit vielen Schreibtischen und Computern. 34 Mitarbeiter hat das expandierende Start-up, dazu Praktikanten und Werkstudenten.

"Das hier ist die technische Entwicklung, wo die Schnittstellen zu der Heizung entwickelt werden, so dass wir eben herstellerübergreifend alle Heizungen ansteuern können. Hier an diesem sehr langen Tisch sitzt unser Mitgründer Johannes Schwarz mit seinem Team in der Server- und Mobilfunkentwicklung, also alles was dann hinterher auf dem Telefon läuft, die Software, das wird hier entwickelt, und die hinteren Räume sind im Grunde Vermarktung, Vertrieb und Kundenservice."

Die Grundgedanke ist einfach: Warum sollte eine Wohnung durchgehend auf 21 Grad beheizt sein, auch in Zeiten, wenn keiner zu Hause ist? Die Lösung: Die Heizung wird automatisch herunterreguliert, wenn der letzte das Haus verlassen hat. Und die Heizung erkennt, wenn man sich der Wohnung wieder nähert und heizt die Räume bis zur Ankunft auf die gewünschte Temperatur. Dafür muss die Heizung ins Internet, über eine spezielle Box, die das Raumthermostat ersetzt oder direkt an dem Heizkessel angebracht werden kann. Und man braucht ein Smartphone, für die tado-App:

"Wenn ich die tado-App auf meinem Handy habe, schickt diese App Signale an die tado-Box, wenn der Letzte das Haus verlassen hat. Das heißt, es ist eine automatisierte An- und Abwesenheitserkennung. Dann werden internetbasierte Wettervorhersagen in die Regelung integriert. Das heißt, wenn ich weiß, in paar Stunden wird die Sonne scheinen, kann ich Heizleistung runternehmen, um Temperaturüberschwingungen zu vermeiden."

Ein lernfähiges System 

Die Heizung lässt sich aber auch per Handy manuell fernsteuern. Außerdem kann man jederzeit den aktuellen Energieverbrauch ablesen. Und das System ist lernfähig und passt sich an das Gebäude an:

"Wie schnell dauert es, sich aufzuheizen, wie schnell kühlt es sich ab, was ist der Einfluss von Solarstrahlung auf die Innenraumtemperaturen und eben diese ganzen äußeren Einflüsse werden eben erlernt, um eben die Regelung zu optimieren und am Ende die Vorlauftemperatur der Heizung anzupassen."

Rund ein Viertel der Heizenergie soll sich so einsparen lassen, das hat sich die Münchner Firma auch vom Fraunhofer Institut für Bauphysik in einer Studie nachrechnen lassen. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Heizung immer Verbindung mit dem Internet hat. Nicht jeder fühlt sich dabei wohl, denn somit könnte auch die Heizung gehackt werden und – wie schon mit einem internetkompatiblen Kühlschrank geschehen – zum Beispiel als Absender von Spammails zweckentfremdet werden. Oder Einbrecher könnten so überprüfen, wann wer zu Hause ist und wann nicht. Johannes Schwarz, Mitgründer von tado:

"Wir verwenden die aktuell höchsten Sicherheitsstandards, das sind genau die gleichen, die auch im Onlinebanking zum Einsatz kommen, die Server stehen in Europa. Wir achten sehr sehr stark auf Sicherheit im Allgemeinen. Unsere Funkverbindung ist auch verschlüsselt, die Kommunikation der Geräte mit unserem Server ist auch mehrfach verschlüsselt, also von daher glauben wir, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben."

Die beiden Partner kennen sich vom Maschinenbau-Studium. Christian Deilmann hat danach in einer Venture-Capital-Firma gearbeitet. Erfahrungen die ihm nun zu Gute kommen, denn tado finanziert sich – neben den Verkaufserlösen, 10.000 Kunden haben sie bereits – vor allem durch Risikokapital. Mehrere Millionen Euro stecken in dem Start-up – in dem natürlich eines nicht fehlen darf:

"Klar, natürlich, der obligatorische Kicker in unserer Lounge darf natürlich nicht fehlen  und wird auch von den meisten fleißig genutzt – vor allem nach dem Mittagessen."

Digitale Aufbruchsstimmung

Das Internet der Dinge, das ist gerade der große Techniktrend, wieder einmal herrscht digitale Aufbruchsstimmung, das ist auch in dem Münchner Start-up zu spüren. Dass sie mit ihrer Idee der vernetzten Heizung nicht falsch liegen, zeigt auch die Investition von Google. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlte der Internetkonzern vor kurzem für die amerikanische Firma Nest, die ein ganz ähnliches Konzept verfolgt wie tado und Google somit die Tür öffnet in die Wohnungen der Menschen. Bis jetzt ist Nest vor allem in Nordamerika präsent, deswegen geben sich die Münchner erst einmal gelassen, trotz der finanzstarken Konkurrenz:

"Ein Stück weit belebt Konkurrenz ja auch das Geschäft, also wir finden es grundsätzlich eigentlich positiv."

Zumal ja auch nicht ausgeschlossen ist, dass sich nun der eine oder andere Konkurrent von Google für tado interessieren könnte.

Christian Deilmann: "So günstig würden wir uns nicht hergeben, dafür ist zu viel Leidenschaft und Lebensenergie schon reingeflossen - nein, das war ein Scherz."

Johannes Schwarz: "Also, das hängt natürlich nicht nur vom Preis selber ab, sondern wie können wir die Firma weiter entwickeln, ja, und wir wollen eigentlich die Marke sein für intelligente Klima – und Heizungssteuerung, und da würden wir natürlich auch versuchen beim Verkauf diese Vision weiter zu verfolgen, und das wäre eigentlich fast das Wichtigste."

Vorstellbar wäre für sie auch ein Börsengang. Bei den vernetzten Heizungen soll es nicht bleiben, die beiden wollen aber erst mal nur ihr nächstes Projekt verraten, das irgendwie naheliegt. Klimaanlagen – automatisch reguliert nach dem gleichen Prinzip, per Internet und Smartphone. 

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