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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 08.03.2018

Internationaler Frauentag"Das Sagen haben nach wie vor die Männer"

Minou Amir-Sehhi im Gespräch mit Anke Schaefer

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Der erste "feministische Streik" Spaniens (AFP/Oscar del Pozo)
"Feministischer Streik" in Spanien zum Internationalen Frauentag (AFP/Oscar del Pozo)

Wie ist es um die Gleichberechtigung bestellt? Die Journalistin Minou Amir-Sehhi sieht Verbesserungen, aber keine ganz großen Erfolge. Schön sein, Mutter sein - das sei immer noch wichtig in der öffentlichen Wahrnehmung der Frauen.

Junge Frauen werden gern danach gefragt, ob sie mal Kinder wollen. Männer eher nicht. Schon daran kann man nach Ansicht von Minou Amir-Sehhi sehen, dass es nach wie vor deutliche Unterschiede in der öffentlichen Wahrnehmung der Geschlechter gibt.

"Zu einer guten Frau gehört leider immer noch - und das ist nicht nur in Deutschland so - dass sie gut aussieht, erfolgreich ist, Mutter ist."

Dabei stehe der berufliche Erfolg aber wahrscheinlich erst an dritter Stelle, sagte die Journalistin und Moderatorin im Deutschlandfunk Kultur. Über die Schönheit von Frauen wird ständig gesprochen - die Figur eines Mannes hingegen eher selten erörtert, so Amir-Sehhi.

Die Verantwortung zuhause trägt immer die Frau

Wenn ein Paar dann Kinder bekommt, beschließe es, sämtliche Aufgaben zu teilen - was dann aber nicht mit letzter Konsequenz geschieht, hat Amir-Sehhi beobachtet:

"Die Verantwortung zuhause, die Verantwortung dafür, zu welchem Kindergeburtstag muss ein Geschenk mitgebracht werden, wann hat das Kind Zirkus-AG, wann Klavierstunde - solche Sachen wissen in 99 Prozent der Fälle nur die Frauen, nur die Mütter."

Wenn man dann die Männer frage, warum das so sei, bekäme man die Antwort: "Das ist nicht so wichtig, das läuft schon so." Das stimme aber nicht.

Die Journalistin und Moderatorin Minou Amir-Sehhi (imago / Metodi Popow)Die Journalistin und Moderatorin Minou Amir-Sehhi (imago / Metodi Popow)

Auch in der Arbeitswelt sieht die Journalistin immer noch deutliche Nachteile für Frauen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei immer noch schwer: Den Nachmittag wolle man eigentlich ab 16 Uhr mit dem eigenen Kind verbringen - doch genau dann seien Redaktionskonferenzen und andere Meetings. Da werde wenig Rücksicht genommen. Und auch wenn es immer mehr Journalistinnen gebe - das Sagen hätten im Journalismus in der Regel noch die Männer.

Allein im Online-Bereich gebe es inzwischen auch mehr Chefinnen. Unter Volontären, hat Amir-Sehhi beobachtet, gibt es mittlerweile sogar oft mehr Frauen als Männer. Warum? "Das liegt am lieben Geld." Denn der Journalismus sei kein hochbezahlter Beruf mehr wie noch vor 20 Jahren. Für Akademiker gebe es mittlerweile besser bezahlte Alternativen. Denen die Männer dann nachgehen. (ahe)

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