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Fazit | Beitrag vom 20.01.2019

Internationale Food-Fotografie heute"Das Food-Still gab es schon im 17. Jahrhundert"

Günter Beer im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Amerikanisches Frühstück (© Michael Chrichton & Leigh MacMiIlan)
Breakfast in Amerika (© Michael Chrichton & Leigh MacMiIlan)

In Erfurt wird die von Günter Beer kuratierte Internationale Food-Foto-Ausstellung mit Werken von 19 Künstlern aus der ganzen Welt gezeigt. Der Initiator des "Food Photo Festivals" erklärt, das Food-Bild auf Instagram habe seine Wurzeln im 17. Jahrhundert.

Seit 2010 gibt es das "Food Photo-Festival". Gegründet wurde die Biennale vom Fotografen Günter Beer. Bis in die 90er-Jahre fotografierte er Mode, dann bekam er den Auftrag, für ein Kochbuch Bilder von Speisen zu machen. Jetzt wurde in der Kunsthalle Erfurt die von ihm kurarierte Ausstellung "Food for your eyes - Internationale Food-Fotografie heute" eröffnet.

Allgegenwärtige Bird's-Eye-Ästhetik

Natürlich verbindet man Food-Fotos mit Postings auf Instagram oder Facebook. So ziemlich jeder fotografiert sein Essen heutzutage und stellt es dann ins Netz. Ebendiese allgegenwärtige Bird's-Eye-Ästhetik, bei der das Gericht gerade von oben aus der Vogelperspektive abfotografiert wird, gehe auch "nicht spurlos an Bildredakteuren vorbei, die dann genau so eine Sicht verlangen, weil die modern ist", erklärt Günter Beer im Deutschlandfunk Kultur.

Doch die heutige Foodfotografie kann auch an alte Traditionen wie die des klassischen Stilllebens anknüpfen: "Das Food-Still gab es schon im 17. Jahrhundert - speziell bei den Holländern in der Malerei." Es habe als Ausdruck von Reichtum gegolten. Außerdem habe man mit Vorliebe Zitrusfrüchte gemalt und an die Wand gehängt, um mit frischen Früchten zu überwintern, so Beer weiter.

Neue Sichtweisen

Natürlich hätten sich die Sichtweisen in der Fotografie analog zum Film verändert. So wenig, wie man heute im Film das tatsächliche Betreten eines Raumes durch eine Tür zeigen müsse, so wenig müsse man "einen opulenten Tisch aufbauen, um den Geschmack zu erzeugen. Man kann das reduzieren und sich viel mehr auf das konzentrieren, was man erzählen will".

19 Foodfotografen aus aller Welt

In Erfurt stellen nun 19 bekannte Food-Fotografen aus aller Welt jeweils eine aktuelle Foto-Serie aus: "Kein Best-of. Wir zeigen, was der Fotograf in den letzten ein, zwei Jahren in einer Geschichte fotografiert hat." Einem Amateur könne auch mal ein wirklich gutes Foto gelingen, aber sicher keine ganze Serie in der "gleichen hohen technischen und gestalterischen Qualität".

Eine solche Serie ist die des Fotografen Michael Chrichton und der Food-Stylistin Leigh MacMillan. Bei Food-Fotos handle es sich nämlich immer um ein Teamprodukt, so Beer weiter. Der Food-Stylist trage mindestens zu 50 Prozent zu einem gelungen Bild bei. Beide fotografierten ländertypische Frühstücke mit harten Belichtungen und starken Farben, so dass sie ganz künstlich aussehen.

Food for your eyes - Internationale Food-Fotografie heute: Die Ausstellung ist noch bis zum 31. März in der Kunsthalle Erfurt zu sehen.

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