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Lesart / Archiv | Beitrag vom 06.06.2016

Internationale AutorenmesseWenn man sich zum Schriftsteller berufen fühlt

Von Natascha Pflaumbaum

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Die Universität in Frankfurt am Main (picture-alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
In der Frankfurter Goethe-Universität fand am Wochenende die "Internationale Autorenmesse" statt (picture-alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Wie werde ich Buchautor? Diese Frage beschäftige rund acht Millionen Deutsche, meint Hermann Scherer, Initiator der Internationalen Autorenmesse in Frankfurt. Sie wurde zum Tummelplatz für literarische Debütanten, Autorenjäger und Schreibtrainer.

Man glaubt ja nicht, wie viele Leute mit dem Gedanken spielen, ein Buch zu schreiben! Hier im Hörsaal-Gebäude Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt wimmelt es an diesem Samstagmorgen nur so von potentiellen Autoren. Alt und Jung. Viele Frauen darunter, schwarze Kluft, mit Tattoo und pink-farbener Haarsträhne oder blauer und Rucksack mit Eigenwerbung: "Read my book" steht da draufgedruckt. Sämtliche Genres, Belletristik und Sachbuch.

"Ähm, das wird ein postapokalyptischer Roman.

Und da suchen Sie jetzt noch nach dem ersten Satz. Oder wie?

Nee, den ersten Satz habe ich schon. Ich habe sogar schon ein bisschen mehr. Also sogar schon drei, vier Kapitel. Aber ich wollte mal gucken, ob das so passt, was ich fabriziert habe."

Wer sich umhört, bekommt den Eindruck: Ein Buch zu schreiben, ist gar nicht so schwer. Man muss nur die richtigen Leute kennen:

"Ja, ich promote das hier mit einem Team, ich bin mit einem Kooperationsteam da, mit Isabella Kortz, die Scout für Autoren ist und Ghostwriterin und Buchcoach.

Aber Sie haben Ihr Buch selber geschrieben?

Ich schreibe mein Buch selbst und ich habe tatsächlich auch selbst den Verlag dazu akquiriert."

Erstlingswerk zum Thema "Schilddrüse"

Sabine Hauswald, blond gefärbte Haare, tiefroter Lippenstift, Perlenohrringe, ist sichtlich stolz auf ihr erstes Buch. 160 Seiten. Thema: Schilddrüse. Jetzt steht sie an einem kleinen Stand im 1. Stock des Hörsaalgebäudes und feiert ihr Erstlingswerk. Es gibt Wasser und Toblerone. Sabine Hauswald hat es geschafft, andere müssen noch entdeckt werden. Auf die hat es Isabella Kortz abgesehen, früher Lektorin bei Blanvalet:

"Ich bin selber unterwegs. Ich bin Autorenjägerin und bin überall auf Events unterwegs. Ich scoute selber nach spannenden Themen und Autoren, die mich interessieren.

Und gibt es denn genug?

Oh ja!"

Dass Isabella Kortz Recht hat, findet auch Hermann Scherer, 52 Jahre alt, professioneller Vortragsredner, Business Coach und Buchautor von Motivationsbüchern. Er ist, wie passend, Initiator und Veranstalter der Internationalen Autorenmesse.

"Von 80 Millionen Deutschen – so ist meine These - wollen 10 Prozent ein Buch schreiben, sei es nur ein Kochbuch oder Anekdotenbuch, was auch immer. D.h., das wären dann schon mal acht Millionen, die Interesse daran haben."

Manche potentielle Autoren denken, statt zu schreiben 

Von Scherers acht Millionen haben sich gerade mal 1300 für die Autorenmesse angemeldet. Nicht ganz optimal, aber Scherer ist ein Macher.

"Talent spielt eine Rolle, aber ein Buch entsteht nur durch Schreiben und nicht durch darüber reden."

Und was machen wir dann hier?

"Und ich stelle gerade fest, dass potentielle Autoren mehr denken als schreiben. Und das ist hilfreich, aber wenn das Wort am Schluss nicht auf dem Papier oder auf dem Rechner steht, dann ist das verloren."

Die Vier-Elemente-Regel des Romanschreibens

Und damit ja nichts verloren geht, hat Scherer 37 Vorträge und 12 Workshops organisiert sowie eine Vielzahl von Ghostwritern, die viele Wörter zur Hand haben, wenn Autoren mal nicht weiterkommen. Sonst helfen Schreibtrainer wie Jurenka Jurk mit der Vier-Elemente-Regel beim Romaneschreiben:

"Die Basis sind einfach die Figuren, damit der Leser sich wirklich identifizieren kann und emotional mit ergriffen wird. Da muss man sich wirklich gut drum kümmern. Dann ist es natürlich der Plot, also wo ich gerne mit der Heldenreise arbeite, d.h. ein Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende. Die Wort-Ebene: aus dem englisch heißt das "shown on tell", das ist wirklich die Basis auf der Ebene: Wie erreiche ich den Leser, dass der wirklich das Kino im Kopf bekommt. Und zu guter Schluss gehört das Überarbeiten einfach dazu, auch wenn es ein Angst machendes Wort ist. Aber das kann ganz viel Spaß machen, wenn man weiß wie. Weil der Text am Ende wirklich ein geschliffener Roman ist, der glänzt."

Ein geschliffener Roman, der glänzt! So, so. Diese Internationale Autorenmesse hatte wirklich viel zu bieten. Nur eines fehlte irgendwie: der Kuss der Muse. Oder sagen wir: Inspiration!

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