Seit 17:05 Uhr Studio 9

Dienstag, 23.07.2019
 
Seit 17:05 Uhr Studio 9

Lesart / Archiv | Beitrag vom 20.08.2015

Interaktives Buch: "Die rote Wand"Ein Roman mit der App dazu

Ann-Kathrin Büüsker im Gespräch mit Joachim Scholl

Podcast abonnieren
Ein iPad mit Apps auf dem Bildschirm liegt auf einem aufgeschlagenen Buch. (picture alliance / Marc Tiri)
Ein iPad mit Apps auf dem Bildschirm liegt auf einem aufgeschlagenen Buch. (picture alliance / Marc Tiri)

Der Roman "Die rote Wand" von David Pfeifer lockt die Leser mit zusätzlichen Angeboten für das Smartphone. Mit Hilfe einer 3D-Karte können steile Hänge erkundet werden, so soll man sich besser hineinversetzen in die Geschichte, die mitten in den Dolomiten spielt.

Die Dolomiten 1915. Ein junges namenloses Mädchen schließt sich auf der Suche nach ihrem Vater den freiwilligen Kommandos an, die die Grenze zwischen Österreich und Italien sichern. Sie gerät mitten hinein in den beginnenden Stellungskrieg an der Frontlinie, die durch schroffes, menschenfeindliches Gelände in 2000 Meter Höhe führt. Natürlich verkleidet als Junge. Eine Geschichte, die auf einer wahren Vorlage beruht.

Zwei Jahre lang dauert das Martyrium für die kaum ausgebildeten Freiwilligen, die auf Willen der Heeresleitung um jeden Zentimeter der Berge kämpfen müssen. Dabei fallen mehr Männer der Natur zum Opfer, als im Kampf sterben.

Die App nimmt Leser mit in die Berge

Die beeindruckenden Anstrengungen, die die Frontkämpfer leisten, lassen sich in einer App zum Buch nachverfolgen. "Die rote Wand" ist für iPhone und Android-Geräte kostenlos zu haben und nimmt die Nutzer direkt mit in die Berge. Mit Hilfe einer 3D-Karte können die steilen Hänge erkundet werden – und die Routen können und sollen gerne auch real nachgewandert oder –geklettert werden. Es gibt sogar komplette Tourvorschläge für alle Wanderfreunde.

Zeitgenössische Fotos und Informationen zu den realen historischen Orten bringen nicht nur zusätzliche Informationen, sondern stellen auch eine direkte Verbindung zwischen Buch und Realität her. Wir sehen die realen Baracken, in denen echte Frontkämpfer lebten, bekommen Einblicke in ihren Alltag.

Der Mehrwert ist bescheiden

Die Idee der App ist gut, weil sie dem Leser die Geschichte noch viel näher bringt, ihn selbst miterleben lässt. Die Umsetzung ist jedoch verbesserungswürdig. Auch auf einem leistungsstarken Smartphone hakt die App beim Erkunden der Karte immer wieder. Zudem gibt es viele kleine Unsauberkeiten. Audios sind an der falschen Stelle verlinkt, Fotos haben zum Teil eine viel zu geringe Auflösung, einige Orte heißen auf der Karte anders, als im Buch, was die Orientierung unnütz erschwert.

So wirklich Sinn macht der Einsatz der App auch erst dann, wenn man bereits einen große Teil des Buches gelesen hat, denn vorher ist es so gut wie unmöglich sich in der Karte zu orientieren. Insgesamt ist der Mehrwert durch die App zwar interessant, aber bescheiden. Wer sie nicht runterlädt, verpasst nichts.

Mehr zum Thema

E-Book-Messe in Berlin - Digital Born
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 20.06.2015)

E-Book - Singles für 99 Cent sind ein Flop
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 16.06.2015)

"Tausend Tode schreiben" - Digitale Literatur im eigentlichen Sinn
(Deutschlandfunk, Corso, 17.03.2015)

Lesart

weitere Beiträge

Buchkritik

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur