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Interview | Beitrag vom 15.05.2018

Intendanten für das HumboldtforumDer Neue muss viel aufräumen

Bénédicte Savoy im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Stadtansicht mit der Baustelle des Humboldt Forums, Berlin, Deutschland, März 2018 (imago stock&people)
Nicht nur am Gebäude des Humboldtforums wird noch gebaut - auch inhaltlich ist das Forum noch eine Baustelle. (imago stock&people)

Am heutigen Dienstag wählt der Stiftungsrat des Humboldtforums einen neuen Intendanten. Hartmut Dorgerloh gilt als aussichtsreicher Kandidat. Die Kulturwissenschaftlerin Bénédicte Savoy traut ihm viel zu: Die Arbeit zu leisten, die zehn Jahre lang versäumt worden sei.

Am heutigen Dienstag wird der Stiftungsrat der Stiftung Humboldtforum über den neuen Intendanten des Forums entscheiden. Alles scheint auf Hartmut Dorgerloh, den Wunschkandidaten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters hinaus zu laufen. Dorgerloh ist derzeit Chef der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Für die Kulturwissenschaftlerin Bénédicte Savoy ist Dorgerloh die derzeit beste Besetzung. Savoy, die auch als Beraterin für Emmanuel Macron fungiert, saß ursprünglich im Expertenbeirat des Humboldtforums und verließ ihn im vergangenen Jahr nicht im Guten. Sie übte deutliche Kritik an mangelnder Transparenz innerhalb des Projektes, an verkrusteten Strukturen und Streiterein. Savoy sagte, sie sei fest davon überzeugt, dass Dorgerloh die richtige Person sei, um "die Spannungen zu beruhigen" und die Arbeit zu leisten, "die in den letzten zehn Jahren versäumt wurde".

Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (imago / Martin Müller)Hartmut Dorgerloh ist Kandidat für den Posten des Intendanten des Humboldt-Forums. (imago / Martin Müller)

Gute Gründe für einen Kenner deutscher Verhältnisse

Es gehe im Humboldtforum nicht nur um die Bedürfnisse eines internationalen Besucherpublikums, sondern auch darum, was die Berliner von dem Forum erwarteten. Damit werde Dorgerloh sehr gut umgehen können. Noch wichtiger aber sei – und ein gutes Argument dagegen, sich einen Persönlichkeit von außen, aus dem Ausland nach Berlin zu holen:

"Das Ausschlaggebende sind die Fähigkeiten, mit einem gegebenen Zustand – mit einem schrecklichen Zustand – umgehen zu können. Die Probleme, die das Humboldtforum momentan hat, sind keine außereuropäischen Probleme, das sind Berliner Probleme. Das sind Probleme, die mit der Lokalpolitik, mit Persönlichkeiten, die sehr stark mit Berlin, mit der Bundesrepublik, mit den föderalen Strukturen zu tun haben. Das sind sehr deutsche Probleme – und Hartmut Dorgerloh versteht es, aus diesem Problemfeld etwas zu machen, womit man dann später, in zwei, drei, vier Jahren ordentlich arbeiten kann."

Benedicte Savoy, Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik an der Technischen Universität Berlin, aufgenommen am 01.03.2016 in Berlin während der Verleihung der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preise nach ihrer Auszeichnung. (picture alliance/dpa - Soeren Stache)Kulturwissenschaftlerin Benedicte Savoy. (picture alliance/dpa - Soeren Stache)

Der Umgang mit fremden Kulturgütern

Erst dann werde sich vielleicht auch wieder eine internationale Persönlichkeit für den Intendantenposten interessieren, betonte Savoy.

Ein wichtiges Thema derzeit und der kommenden Jahre wird der Umgang mit dem Kulturgut anderer Länder und dessen mögliche Rückgabe sein. Denn viele solcher Exponate sollen im Humboldtforum zu sehen sein. Savoy lobte den kürzlich erstellten Leitfaden dazu – dieser sei, zumindest in Teilen, sehr differenziert, mit viel Insider-Wissen und stelle gut dar, worum es bei der Debatte um die Rückgabe von Kulturgut, das sich Deutschland, Frankreich und andere Kolonialmächte angeeignet hätten, eigentlich gehe. Wichtig sei es, eine faire Haltung zu den Kulturgütern anderer Länder zu finden – auch dies werde Aufgabe von Hartmut Dorgerloh sein.

(mkn)

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