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Rang I | Beitrag vom 03.03.2018

Inszenierung am Theater Neumarkt in ZürichIm Krieg für mehr Schwesterlichkeit

Regisseurin Pinar Karabulut im Gespräch mit André Mumot

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Frau mit erhobener Faust (imago )
"Als Frau muss man (...) auch schon mal unsympathisch sein dürfen, um Dinge für die nächsten Generationen erreichen zu können", sagt Regisseurin Pinar Karabulut. (imago )

Regisseurin Pinar Karabulut schreibt im Neumarkt Theater Zürich Shakespeares Königsdramen feministisch um und inszeniert "The Great Tragedy of Female Power" - eine Suche nach Antworten auf die Geschlechterfragen dieser Zeit.

Im Dezember hat die Schriftstellerin Sibylle Berg in einer Rede vor der Intendantengruppe des Deutschen Bühnenvereins gefordert, man solle weniger Klassiker spielen, mehr aktuelle Stücke – weil die alten Dramen nicht nur von Männern geschrieben wurden, sondern die Welt natürlich auch aus männlicher Perspektive beschreiben. Vielleicht aber muss man die alten Tragödien ja auch einfach nur weiterschreiben.

Genau das macht die 1987 geborene Regisseurin Pinar Karabulut, derzeit am Theater Neumarkt in Zürich. Dort nähert sie sich mit "The Tragedy of Female Power" Shakespeares großen Königsdramen. Die Proben sind im vollen Gange, und die Aufführung verspricht schon im Ankündigungstext, eine Kampfansage zu sein: "Die Zeit der Repression ist vorbei. Pussy lässt sich nicht mehr kontrollieren. Ein Neo-Hundertjähriger Krieg ist im Gange für mehr Schwesterlichkeit!"

"Wir radikal muss man sein?"

Im Gespräch mit "Rang 1" erklärt die Regisseurin ihren kämpferischen Ansatz:

"Manchmal muss man auch in die Radikalität gehen, um auf Dinge aufmerksam zu machen. Das ist eine unserer Grundfragen: Wie radikal muss man sein? Muss man so weit gehen, dass man den Mann abschafft, dass man den Penis abschneidet? Oder muss man vielleicht sogar alle Geschlechter abschaffen? Oder können wir nebeneinander her leben?" 

Die derzeitigen #metoo-Debatten, die auch das Theater erreicht haben, begrüßt Pinar Karabulut, hat aber auch Bedenken: 

"Es ist meine größte Angst, dass das Ganze nur eine vorübergehende Angelegenheit ist, die einmal kurz aufblitzt, und dann ist es auch schon wieder vorbei – denn ich denke, wir sind jetzt gerade an einem Zeitpunkt, an dem wir was verändern können und mehr aufeinander achten können. (…) Die meisten sind auch schon genervt, weil man sich schon wieder mit dem Thema auseinandersetzen muss, aber genau jetzt dürfen wir nicht aufhören, darüber zu sprechen oder darüber zu streiten."

Insgesamt bleibt die Regisseurin optimistisch:

"Ich glaube daran, dass sich wirklich viel ändern wird und dass da noch viel Positives passieren wird. Aber dafür muss man, glaube ich, auch richtig viel nerven, um dahin zu kommen. Also als Frau muss man, glaube ich, auch schon mal unsympathisch sein dürfen, um Dinge für die nächsten Generationen erreichen zu können."

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