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Fazit / Archiv | Beitrag vom 23.04.2020

Instituto Cervantes verlegt Kulturarbeit ins Netz"Machbar, leichter und vielleicht auch interessanter"

Ignacio Olmos im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Ein Mann mit dunklen, kurzen Haaren und Brille sitzt im Radiostudio und lächelt in die Kamera (Deutschlandradio/ Vladimir Balzer)
Ignacio Olmos, Direktor des Instituto Cervantes, sieht Kulturinstitutionen in der Pflicht, Informationen online "flott" aufzubereiten. (Deutschlandradio/ Vladimir Balzer)

Online kommen Gespräche viel mehr auf den Punkt, findet Ignacio Olmos, der Direktor des Instituto Cervantes Berlin. Für den Spanisch-Unterricht und die Kulturarbeit könne man sich das zu Nutze machen.

Zum Internationalen Tag des Buches, dem Todestag des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes hat das Instituto Cervantes eine digitale Lesung spanischsprachiger Schriftsteller organisiert. Es lesen unter anderen Javier Cercas, Pablo d’Ors, Rosa Ribas, Fernando Aramburu und Jorge Zepeda. Im Deutschlandfunk Kultur spricht der Direktor des Instituto Cervantes Berlin über die Vorteile dieser neuen Online-Arbeit.

"Nichts kann das persönliche Treffen mit einer Autorin oder einem Autor ersetzen", ist Ignacio Olmos überzeugt. "Aber digitale Veranstaltungen dauern weniger lange. Die digitale Welt verbietet die dilettantische Plauderei." Das Format erlaube keine zweistündigen Veranstaltungen, eher 20 oder 30 Minuten.

"Alle Informationen kommen über einen Kanal, vielleicht lässt sich deshalb nicht so viel ertragen", vermutet Olmos. Die Kulturinstitutionen müssten nun lernen, dieses Zuviel an Information zu gliedern. Der Direktor des Instituto Cervantes Berlin nennt US-TED-Talks als positives Beispiel. Das seien Vorträge, die fokussiert sind und humorvoll. Genau das, konkrete Inhalte und eine "flotte Präsentation", sei der richtige Weg.

Der Spanisch-Unterricht der Zukunft?

"Wir mussten unseren Spanisch-Unterricht von einem Tag auf den anderen ins Netz verlegen", schildert Olmos den Beginn der Corona-Krise. Heute resumiert er: "Das funktioniert überraschend gut. Die Leute finden das toll. Jetzt sind alle zuhause. Jetzt haben sie Zeit. Wir haben Einschreibungen nicht nur aus Berlin, sondern aus vielen kleinen Orten in Deutschland."

Auch für die Kulturarbeit sei die derzeitige Situation fruchtbar. "Viele Schriftsteller aus Lateinamerika bekommt man normalerweise schwer nach Deutschland eingeladen", sagt der Direktor des Instituto Cervantes Berlin. "Jetzt machen wir das per Videokonferenz. Das ist machbar, leichter und ich glaube auch interessanter." Getreu dem spanischen Sprichwort "Hacer de la necesidad virtud", übersetzt: "Aus der Not eine Tugend machen".

Gerade in der digitalen Welt müsse man "die Diktatur des Englischen bekämpfen", mahnt Olmos. "Nicht, weil ich etwas gegen Englisch habe, sondern gegen die einseitige Kulturalisierung. Ich glaube, wenn wir verschiedene Quellen im Internet in verschiedenen Sprachen verfolgen können, dann sind wir in Krisen besser gerüstet."

Instituto Cervantes

Etwa 500 Millionen Menschen in 23 Ländern der Welt sprechen Spanisch. Die Literatur all dieser Länder vertritt das Instituto Cervantes. In Deutschland gibt es fünf solcher Kulturinstitute - in München, Frankfurt, Hamburg, Berlin und Bremen.

Das Institut in Berlin ist seit dem 19.3. wegen Corona geschlossen. Es finden keine Präsenzkurse mehr statt, sondern Onlinekurse via Zoom.

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