Seit 03:05 Uhr Tonart
Samstag, 08.05.2021
 
Seit 03:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.08.2020

Instagram-PoesieWie junge Menschen an Lyrik herangeführt werden

Jo Frank im Gespräch mit Gabi Wuttke

Rupi Kaur im Porträt. (imago images / Waseem Gashroo/Hindustan Times)
Rupi Kaur hat mit ihrer Instagram-Poesie großen Erfolg. Vier Millionen Menschen lesen ihre Kurzgedichte. (imago images / Waseem Gashroo/Hindustan Times)

Unter Hashtags wie #PoetsOfInstagram oder #InstaPoetry posten Menschen überall auf der Welt kurze Texte – oft verknüpft mit einem Bild. Ein Trend, der schon längst die Virtualität verlassen hat, wie der Verleger Jo Frank berichtet.

Rupi Kaur ist ein Star unter den Instagram-Poetinnen und -poeten. Vier Millionen Nutzer folgen der indisch-kanadischen Autorin und lesen ihre Gedichte, die sie plattformgerecht auf Kacheln veröffentlicht – oft verbunden mit einem Bild.

Der virtuelle Ort der Erstveröffentlichung hindert Kaur aber nicht daran, ihre Poesie auch in gebundener Buchform auf den Markt zu bringen. Ihr Erstling "Milk and Honey" fand sich über ein Jahr auf der Bestsellerliste der "New York Times" wieder.

Überall auf der Welt posten vor allem Userinnen kurze Texte unter Hashtags wie #PoetsOfInstagram oder #InstaPoetry. Oft tritt darin das lyrische Ich klar zu Tage – etwas, was diese Texte von herkömmlichen Gedichten unterscheidet.

Starker Wandel im Bereich der Lyrik

Instagram-Gedichte seien Texte im Entstehen, für die, kaum dass sie fertig sind, schon eine Öffentlichkeit gesucht werde, erklärt Jo Frank den Unterschied zur traditionellen Poesie. Er führt das Verlagshaus Berlin, einen Verlag für Gegenwartslyrik. 

Instagram-Lyrik finde eben nicht innerhalb einer traditionellen Verlagsstruktur mit Lektorinnen und Lektoren statt. Ein Instagram-User sei zudem nicht nur Leserin oder Leser, sondern immer in doppelter Funktion unterwegs: als Kunde und als Produkt.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

"Und wenn Autor:innen ihre Texte auf Instagram veröffentlichen, dann auch oft mit einem sehr starken Bewusstsein für diesen produkthaften Charakter, der dann entlohnt wird durch Klickzahlen." In den letzten 15 Jahren sei innerhalb der Lyrik-Leser:innenschaft ein Wandel zu verzeichnen, "nicht unverwandt mit dem Phänomen von Instagram-Poetry", erklärt Frank. 

Immer jüngere Leserinnen und Leser

Die Leserinnen und Leser der von ihm verlegten Bücher würden immer jünger, sagt Frank. "Wenn jetzt Leser:innen über Instagram-Poetry ein Interesse finden an Lyrik und das sozusagen als erstes Absprungbrett nehmen in diese Universen auf kleinstem Raum, dann passiert da etwas sehr Spannendes. Und dann ist es auch natürlich toll für einen Verlag wie unseren."

(ckr)

Mehr zum Thema

Instagram-Gallery in Berlin - Im Bällebad mit Selfie-Kindern
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 04.03.2020)

Fotokunst 2.0 - Warum Instagram ins Museum gehört
(Deutschlandfunk Kultur, Kompressor, 24.01.2020)

Instagram-Projekt zum Weltklimagipfel - Künstler wollen online neue Bilder und Narrative kreieren
(Deutschlandfunk Kultur, Rang I, 07.12.2019)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsFliegen ist okay - Theater nicht!?
Eine Frau sitzt mit einer FFP2-Maske in einem Flugzeug am Fenster. (imago-images / Christian Offenberg)

Die "Süddeutsche" kann nicht verstehen, warum ein Theaterbesuch unter Pandemieaspekten eine gefährlichere Unternehmung sein soll als eine Flugreise. Schließlich gebe es im Theater viel mehr Kubikmeter Luft als in der Enge eines Flugzeugs.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur