Das Feature, vom 27.04.2018

Innenansichten aus dem Zentrum für Politische SchönheitGesellschaft des Spektakels

Ob mit der Aktion "Die Toten kommen" (2015), bei der direkt vor dem Bundestag Gräber für Fluchtopfer aus dem Mittelmeer ausgehoben wurden oder der Großinszenierung "Flüchtlinge Fressen" im martialischen Stil eines altrömischen Gladiatorenkampfs (2016): Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) erzwingt mit aggressivem Humanismus Aufmerksamkeit.

Die Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück Björn Höckes. (Imago / Snapshot)
ZPS-Aktivisten hatten aus Protest gegen eine umstrittene Rede Björn Höckes die Nachbildung des Berliner Holocaust-Mahnmals auf einem Nachbargrundstück errichtet. (Imago / Snapshot)

Jede Gesellschaft bekommt die Aktion, die sie verdient, meint Philipp Ruch, "Chefunterhändler" des Zentrums für Politische Schönheit. So auch jeder Politiker? Nach Björn Höckes berüchtigter Rede zum "Schandmal" setzte das ZPS dem AfD-Politiker eine Miniaturausgabe des Holocaust-Mahnmals vor die Haustür (2017).

Der Autor beobachtet die ausgeklügelte Kampagnen-Arbeit– vom ersten Brainstorming über die Stoffentwicklung bis zur Logistik ihrer Großproduktionen. Und er stellt sich Fragen: Sind die Mitarbeiter und Komplizen des ZPS die Helden unsrer Tage, weil sie mit ihrer Kunst erzwingen, was die Politik nicht schafft?

Heiligt der Zweck jedes Mittel? Oder ist alles nur Theater, bei dem Flüchtlinge und Parlamentarier unbewusst zum Teil einer Inszenierung werden?

Und welche Rolle spielt der Autor selbst – im Chor der Journalisten, die über das Zentrum schreiben? 

Produktion: Dlf 2018