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Interview | Beitrag vom 24.05.2019

Initiative kritisiert "Mohrenfest" in Eisenberg"Romantisierende Darstellung kolonialer Traditionen"

Konrad Erben im Gespräch mit Nicole Dittmer

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Der "Mohrenbrunnen" auf dem Marktplatz der thüringischen Stadt Eisenberg. Die Figur eines Schwarzen steht auf einem Podest in der Mitte des Brunnens. In Eisenberg findet am Wochenende das "Mohrenfest" statt. Der neue Name für das traditionelle Stadtfest sorgt in der Bevölkerung für Kritik. (picture alliance/dpa/Bodo Schackow/ZB)
Fehlende Auseinandersetzung mit rassistischer Tradition des Kolonialismus? Der "Mohrenbrunnen" in Eisenberg. (picture alliance/dpa/Bodo Schackow/ZB)

Die thüringische Stadt Eisenberg versetzt die Initiative Schwarzer Menschen (ISD) in Aufruhr: Das Stadtfest soll in "Mohrenfest" umbenannt werden – nach einem Schwarzen, der der Sage nach als Sklave vor Jahrhunderten in der Stadt gelebt haben soll.

Das beschauliche Städtchen Eisenberg in Thüringen, zwischen Gera und Jena gelegen, ist eine Kleinstadt mit Geschichte: Der Sage nach soll es einen "Mohr" gegeben haben, den sich ein Adeliger von den Kreuzzügen als Diener mitgebracht hatte und der unter dem Verdacht, eine goldene Kette gestohlen zu haben, zum Tode verurteilt werden sollte. Als sich seine Unschuld herausstellte, wurde er nicht hingerichtet.

Der Kopf der Sagenfigur ist mittlerweile Teil des Stadtwappens und die Statue des Schwarzen steht auf dem Brunnen. Damit aber nicht genug:  Nun soll auch noch das Stadtfest, das bislang schlicht "Stadtfest" hieß,  in "Mohrenfest" umgetauft werden. Das geht der Initiative Schwarzer Menschen (ISD) in Deutschland zu weit.

Das Fass zum Überlaufen gebracht

Konrad Erben, Student in Jena und Mitglied der Initiative sagt: "Wir kritisieren, dass  Stadt und Bürgermeister sich nicht nur nicht mit der rassistischen Tradition dieser Sage auseinandersetzen, sondern dass sie jetzt beim Stadtfest das Ganze nochmal zusätzlich aufs Schild heben und zelebrieren wollen." Das bringt für Erben und seine Mitstreiter "das Fass zum Überlaufen". Die "romantisierende Darstellung kolonialer Traditionen", ohne sich mit diesen kritisch-historisch auseinanderzusetzen, sei nicht akzeptabel.

Dem namenlosen Mann ein Denkmal zu setzen, findet Erben verlogen, zumal nie ein ernsthafter Versuch unternommen worden sei, aufzuarbeiten, ob es ihn überhaupt gegeben habe und – falls dies der Fall gewesen sei –  wie sein Name und seine späteren Lebensumstände in Eisenberg gewesen seien.

(mkn)

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