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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.03.2020

Ingo Schulze über Aufnahme von Flüchtenden"Wenn man helfen kann, muss man helfen"

Ingo Schulze im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Ein kleiner Junge steht im Hafen der griechischen Insel Lesbos vor einem Polizisten  (imago images / ANE Edition)
"Wir müssen uns als Europäer fragen, was ist unser Anteil daran?" Szene im Hafen von Lesbos. (imago images / ANE Edition)

Nach der Entscheidung der türkischen Regierung, die Grenzen zu Griechenland zu öffnen, spitzt sich die Situation auf der Insel Lesbos zu. Der Bundestag lehnte es ab, Flüchtende aufzunehmen. Das sei nicht nachvollziehbar, meint Ingo Schulze.

495 Parlamentarier stimmten im Bundestag gegen einen Antrag der Grünen, 5.000 Flüchtende aus griechischen Lagern aufzunehmen – unbegleitete Kinder, Schwangere, alleinreisende Frauen oder schwer Traumatisierte. Nur 117 Abgeordnete unterstützten die Forderung.

Der Schriftsteller Ingo Schulze nennt diese Entscheidung des Bundestages "nicht nachvollziehbar": "Ich finde, wenn man helfen kann, muss man helfen." Die Situation in den Lagern sei schon seit langer Zeit katastrophal, und: "Wir haben das mitzuverantworten." Deshalb müsse sich etwas Grundsätzliches ändern. "Das entbindet einen nicht davon, jetzt Nothilfe zu leisten. Was mich so erbost: Wir betreiben letztlich eine Außenpolitik der AfD", so der 57-Jährige.

Der Schriftsteller Ingo Schulze spricht in ein Mikrofon bei der Vorstellung seines Buches "Die rechtschaffenen Mörder". (imago images / gezett)Wir sind alle für die Zustände in den griechischen Lagern verantwortlich, meint der Schriftsteller Ingo Schulze. (imago images / gezett)

Keine schnelle Lösung

Die Genfer Flüchtlingskonvention und das Asylrecht seien außer Kraft gesetzt, bemängelt Schulze: "Wir müssen uns als Europäer fragen: Was ist denn unser Anteil daran?" Die Probleme der Welt seien nicht so schnell zu lösen: "Und schon gar nicht von heute auf morgen."

Die Lösung könne man nicht den Bewohnern von Lesbos und den anderen griechischen Inseln überlassen, betont Schulze: "Das ist unsere Sache. Aber solange das nicht in unser Sichtfeld kommt, passiert eben wenig."

(beb) 

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