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Aktuell / Archiv | Beitrag vom 28.04.2014

In Amt und WürdenVon Berghain bis Bibliotheken

Der neue Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner muss sich ab heute beweisen

Der neue Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) spricht am 27.02.2014 in Berlin während einer Pressekonferenz anlässlich der Neubesetzung des Amtes. (picture alliance / dpa / Inga Kjer)
Zwei, drei, vier ... und alle: Der neue Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) (picture alliance / dpa / Inga Kjer)

Ob Hochkultur oder freie Szene: Vor dem ehemaligen Musikmanager Tim Renner liegen große Aufgaben. Der 49-jährige Neueinsteiger in die Politik hat heute seinen ersten Arbeitstag als Kulturstaatssekretär in Berlin. Da heißt es: Ärmel hochkrempeln für die Hauptstadt!

Die Probleme mit der Staatsoper, der Aufbau des Humboldt-Forums, die schleppende Verwirklichung des Einheitsdenkmals, die Verwaltung von Museen, Bibliotheken und Klubkultur – breit ist die Palette der Themen, die nun vor Renner liegen.

Was ihm leicht fallen wird: Der reichen Berliner Off-Kultur aus freien Musik-, Tanz- oder Theatergruppen zu neuer Strahlkraft zu verhelfen. Er stellt sich heute im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vor.

Renner folgt auf André Schmitz, der wegen einer Steueraffäre zurückgetreten war. Renner ist seit November SPD-Mitglied, war bislang aber nicht in der Politik tätig. Im Februar zauberte ihn der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit aus dem Hut. Er gilt als Pop-Papst und Talent-Förderer. Bei seinem ersten Pressetermin hieß es: Oper? Nur wenn Party ist!

Vorschusslorbeeren

Der ehemalige Musikmanager wisse, wie man Projekt bezogen arbeite, lobte der Sprecher der Freien Szene, Christoph Knoch Wowereits Coup.

Renner "ist jemand, der eine neue Art von Kulturpolitik für Berlin versprechen könnte - und nach meinem Geschmack haben wir das nötig", sagte der ehemalige Berliner Kultursenator Volker Hassemer (CDU).

Tim Renner, Präsident und CEO des Musikunternehmens Universal Music. (picture alliance / dpa / Fotoreport)Tim Renner als Präsident und CEO des Musikunternehmens Universal Music. (picture alliance / dpa / Fotoreport)

Plädoyer für die Literatur-Flatrate

Der gebürtige Berliner war zuletzt Geschäftsführer des Musiklabels Motor Entertainment und davor Chef von Universal Deutschland. Er hatte sich die Erneuerung des Musikmarkts in Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Die Plattenfirmen hätten die Digitalisierung der Musik verschlafen, war eine seiner schlagkräftigen Thesen. In seinem Sachbuch "Wir hatten Sex in den Trümmern und träumten - Die Wahrheit über die Popindustrie" zeigte er auf, wie Erfolg in der Musikindustrie wieder möglich sei. 

Analog zur Musik- kritisierte er jüngst auch die Buchbranche. E-Books seien zu teuer und sollten am besten mit einer Flatrate nach dem Modell des Musikstreaming-Dienstes Spotify angeboten werden, berichtete die "Berliner Zeitung".

Renner war auch Pop-Professor an einer Akademie in Baden-Württemberg und wurde im Jahr 2003 vom Weltwirtschaftsforum zu einem der Global Leader for Tomorrow gewählt. Mal sehen, was er für Berlin bewegen wird. 

(cosa)

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