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Kompressor | Beitrag vom 03.05.2021

Impfkampagne in den USA Mit Hip-Hop gegen Covid

Von Arndt Peltner

Im Still aus dem Musikvideo zu "Community Immunity" stehen mehrere Menschen mit ausgebreiteten Armen vor einem Hauseingang. (Hip Hop Public Health / Screenshot via YouTube 3.5.2021)
Mit Musikvideos will die Organisation "Hip Hop Public Health" in marginalisierten Communities über die Corona-Impfung aufklären. (Hip Hop Public Health / Screenshot via YouTube 3.5.2021)

Die US-Organisation "Hip Hop Public Health" verpackt Gesundheitsaufklärung in Hip-Hop-Videos und informiert so über Ernährung, Herzinfarkte und aktuell die Corona-Impfung. Damit will sie von der Pandemie besonders getroffene Communities erreichen.

"Got the shot from the dot. She hit the spot, then it felt a little tired and maybe a little hot, almost sore", rappt Docta Mo Flow, oder besser: Dr. Monique Hedmann-Maxey. Sie ist Ärztin am Harbor Krankenhaus der University of California, Los Angeles (UCLA) und Vorstandsmitglied von Hip Hop Public Health, einer gemeinnützigen Organisation, die vor etwa 15 Jahren in Harlem, New York, gegründet wurde.

Docta Mo Flow ist begeistert vom Hip-Hop, doch diesen Rap hat sie nicht einfach so geschrieben, sondern für die neueste Public-Health-Kampagne der Organisation, in der sie selbst als gezeichnete Ärztin auftritt.

Trickfilme, Hip-Hop und Gesundheitstipps

Es sind kurze Trickfilmclips, mit Hip-Hop-Musik unterlegt, die mitreißen, anregen und vor allem überzeugen sollen. Zurzeit läuft die Impfkampagne, zuvor schon vieles, was im Gesundheitssektor angesprochen werden muss: Fitness, gesunde Ernährung, Bluthochdruck und vieles mehr.

Hedmann-Maxey war von Anfang an dabei, als Gründer Dr. Williams zum ersten Mal mit dem Rapper Doug E. Fresh zusammenkam, um wichtige Infos über Herzprobleme in die Community zu bringen.

"Hip Hop Public Health hatte gerade erst mit unserem innovativen Hip-Hop-Infarkt-Programm angefangen, mit dem wir Kindern die Anzeichen, die Symptome und die Behandlung von Infarkten näher brachten", erinnert sich Hedmann-Maxey. "Wir fanden heraus, dass das ein ganz besonders effektiver Weg war, um die Community über Vorbeugung und Gefahren zu informieren."

Hip Hop als Sprache, als Möglichkeit wichtige Gesundheitstipps in die Communities zu tragen. Das eben mit "catchy" Songs zum Mitsingen, witzigen Zeichentrickvideos und fundierten Informationen, die von vertrauenswürdigen Medizinern und Fachleuten kommen. Das Ganze dann in Zusammenarbeit mit bekannten Hip-Hop-Artists und Musikerinnen und Musikern. Davon war 2011 sogar die ehemalige First Lady, Michelle Obama, überzeugt, die mit ihrer Organisation "Let’s Move" eine Partnerschaft einging.

Aufklärung, die Spaß machen soll

Wie sehr die "Message" ankommt, zeigt das Beispiel, das Lori Rose Benson, die Geschäftsführerin von Hip Hop Public Health, erzählt: "Daniel war gerade mal zehn Jahre alt, als sein Vater einen Infarkt erlitt. Seine Mutter meinte zu ihm, er solle sich mal hinlegen und ausruhen, denn sie glaubte, er fühle sich nur nicht wohl. Aber Daniel ging dazwischen und erklärte, der Vater habe einen Infarkt, er rief die Notfallnummer an, die Ambulanz kam und das hat das Leben des Vaters gerettet."

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"Fun", "Spaß", ist ein Wort, das man immer wieder im Gespräch hört. Nicht nur soll es Spaß machen, die Videos anzuschauen, die einprägsamen Texte mitzusingen. Auch die Künstler selbst haben, so Lori Rose Benson, "fun", denn sie spenden ihre Zeit für diese Clips:

"Da ist ein Video, das ich ganz besonders mag, eines in der Reihe gesundes Amerika. Es heißt, "Du bist, was du isst". Es ist so ein Spaß, ein Reggae Sound. Darin kommt eine Gruppe vor, die Salatbar heißt und die Salatbar besteht aus Ariana Grande, Matisyahu, und Travis Barker von Blink 182. Es ist "fun" und "groovy". Und es macht sogar Brokkoli-Essen zu einem Spaß.

In diesen Covid-Zeiten hat die Organisation Hip Hop Public Health ihre Rolle gefunden, eben weil die "black and brown", die afroamerikanischen und Latino-Communities, so stark von der Pandemie getroffen wurden, wie Lori Rose Benson und Monique Hedmann-Maxey erklären: "Wir haben in diesem Jahr so viel wie noch nie zuvor produziert, gerade weil wir auf die drängenden Public Health Bedürfnisse reagieren wollten", sagt Benson.

Und Hedmann-Maxey ergänzt: "Ich muss Dir sagen, dieses 'Community Immunity' Projekt liegt mir ganz nah am Herzen. Dr. Williams kam im Januar zu mir und meinte, 'Hey, Mo, wir müssen da was machen'. Und ich habe ihm nur gesagt, keine Frage, ich bin dabei."

Musik als Mittler, Hip-Hop als Sprache. Ein ungewöhnlicher Weg, doch am Ende zählt die "Message", die da wohl wirklich ankommt, wo sie ankommen soll.

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