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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.08.2012

Imperialer Glanz in Sachsen-Anhalt

Ausstellung über Otto I. im Kulturhistorischen Museum Magdeburg

Von Günter Rohleder

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Besucher der Landesausstellung "Otto der Große und das Römische Reich" stehen im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg vor einer Vitrine mit kaiserlichen Insignien. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)
Besucher der Landesausstellung "Otto der Große und das Römische Reich" stehen im Kulturhistorischen Museum in Magdeburg vor einer Vitrine mit kaiserlichen Insignien. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Zum 1100. Geburtstag Ottos des Großen zeigt eine Ausstellung in Magdeburg, wie Otto I. seine kaiserliche Macht inszenierte. Diverse Insignien, Kaiserporträts und Zepter aus mehreren Jahrhunderten belegen, wie Otto I. sich in eine Reihe mit den römischen Kaisern der Antike stellte.

Am Treppenaufgang sitzt ein römischer Kaiser mit freiem Oberkörper kissengepolstert auf seinem Sockel aus Stein, den linken Arm hält er gestreckt, als wolle er seine Untertanen grüßen. Nur ein dünnes Gewand umschlingt seine Hüfte. Die Marmorstatue stammt aus dem ersten Jahrhundert, ist aber immer wieder umgestaltet worden. Auch die Gesichtszüge Trajans wurden erst später hinzugefügt. Das Motiv des thronenden Kaisers wurde der römischen Kultstatue Jupiters angeglichen. Der Kaiser galt damit als irdischer Stellvertreter des mächtigsten römischen Gottes.

Kaiserporträts durchziehen die Ausstellung über Otto I. und seine Vorbilder. Kaiserporträts aus Marmor, Elfenbein, zusammengesetzte aus Mosaiksteinen, auf Goldmünzen geprägte und in Öl gemalte. Bilder und Zeichen kaiserlicher Herrschaft. Die Insignien des Maxentius zum Beispiel, aus der Zeit Konstantins.
Die Ausstellungskuratorin Gabriele Köster:

"Wir stehen hier vor einer Vitrine mit drei Zeptern und mehreren Paradelanzen und Standarten und besonders interessant sind natürlich die Zepter, die immer auch Kugeln haben, die sie schmücken als Sinnbild des Kosmos, der Universalität, die mit dem Kaisertum verknüpft ist."

Im Oktober 312 macht Kaiser Konstantin seinem Widersacher Maxentius an der Milvischen Brücke vor Rom den Garaus und kurz darauf integriert er das Christentum ins Reich und vereint es mit dem Kaiserkult.

Grüne Patina überzieht die Spitzen der Paradelanzen. Ein rostigroter eiserne Blätterkelch des Zepters trägt die Welt in Gestalt einer grünen Glaskugel.

Erst 2005 wurden diese Zeugnisse kaiserlicher Herrschaft auf dem Palatin in Rom gefunden. Sie waren in Seide gehüllt und mit Schatullen aus Pappelholz geschützt. Es sind die einzigen aus der römischen Antike überlieferten Insignien.

Beginnend mit dem vorchristlichen Kaisertum des Augustus arbeitet sich die Ottoschau in fünf Abteilungen voran: Über Konstantin und das oströmische Kaisertum in Byzanz zu den Karolingern bis zu den Ottonen.

In der Ottonen-Abteilung ist ein lehnenloser Klappstuhl aus Eisen zu bestaunen. Ein Thron für unterwegs. Man fischte ihn im norditalienischen Pavia aus einem Fluss.

Gabriele Köster: "Wenn man sich vor Augen führt, dass im 9. und 10. Jahrhundert – in diese Zeit kann man den Stuhl aufgrund der Ornamentik datieren -- sowohl die karolingischen Herrscher wie dann auch die Ottonen sich häufig in Pavia als ihre norditalienische Residenz aufgehalten haben, ja, kann man sich zumindest vorstellen, dass auf diesem Stuhl vielleicht einmal Otto III. oder Teophanu oder Adelheid gesessen haben mag."

Edita, Adelheid, Teophanu - starke Frauen spielten eine wichtige Rolle im Leben Ottos I. Vor allem zur Herrschaftssicherung. Als die Angelsächsin Edita, seine erste Frau, starb, heiratete er Adelheid, die Witwe König Lothars von Italien. Ein wichtiger Schritt zur Eroberung Italiens. Und Teophanu war eine byzantinische Prinzessin. Mit ihr verheirate Otto I. seinen Sohn und schlug damit eine Brücke zum oströmischen Kaisertum.

Warum kommt ein ostfränkisch-sächsischer König, der sich Magdeburg als Lieblingspfalz wählt, auf den Gedanken, sich zum römischen Kaiser krönen zu lassen? Das sei die Leitfrage der Ausstellung, sagt die Kuratorin Gabriele Köster. Und auf das kaiserliche Warum gibt der imperiale Glanz der versammelten Ausstellungsstücke eine Antwort.

Aber ist die Frage nach dem Wie, also mit welchen Mitteln er so hoch aufsteigt, nicht die wichtigere? Ein zentrales Ausstellungstück ist eine kleine Scheibe aus dunkelbraunem Wachs, das Kaisersiegel Ottos I. Hier zeigt sich der frisch gekrönte Kaiser in einer Frontalansicht. Das ist neu. In seiner Zeit als König hat er sich nur im Profil darstellen lassen.
Matthias Puhle, Direktor des kulturhistorischen Museums:

"Diese Wendung um 90 Grad auf dem Siegelbild, die sich 962 dann bei Otto dem Großen vollzieht, der uns dann von da eben frontal anschaut, zeigt, dass er sich tatsächlich auf einer Ebene mit dem oströmischen Kaiser gesehen hat und dass er nun also die Kaiserwürde repräsentiert und nicht nur die Königswürde."

Der Kaiser trägt jetzt keine Waffen mehr, sondern auf dem Kopf eine Krone und in den Händen Zepter und Globus. Der Globus ist mit einem Kreuz bekrönt und steht damit für einen universalen Herrschaftsanspruch von Gottes Gnaden.

Mit dem Kaisersiegel gebe sich Otto der Große ein neues Image, ist im Katalog zu lesen. Damit ist ein Wie angedeutet: Wie inszeniert der neue Kaiser seine Macht?

Die Exponate und ihre Deutungen in dem 743 Seiten starken Katalog zur Ausstellung erzählen hochinteressante Geschichten, aus denen der Geschichtsinteressierte viel lernen kann über die Ottonen und das römische Kaisertum.

Aber auf die Frage, unter welchen gesellschaftlichen Verhältnissen und mit welchen Methoden die Herrschaftsansprüche der Eliten überhaupt durchsetzbar werden, findet der Besucher keine Antwort.

Service:
Die Ausstellung "Otto der Große und das Römische Reich" ist bis zum 9. Dezember 2012 im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen.

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