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Fazit / Archiv | Beitrag vom 29.11.2018

Immaterielles Kulturerbe der MenschheitReggae heißt jetzt Dancehall

Andreas Müller im Gespräch mit Britta Bürger

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Der jamaikanische Reggae-Musiker Bob Marley während eines Konzertes.  (picture alliance / dpa / Ipol Kwame Brathwaite)
Bei Reggae denken die meisten an Bob Marley - die heutige Musik auf Jamaika klingt aber ganz anders (picture alliance / dpa / Ipol Kwame Brathwaite)

Die UNESCO hat Reggae zum Weltkulturerbe erklärt - zusammen mit u.a den reichverzierten Weihnachtskrippen aus dem polnischen Krakau. Aber wie relevant ist die Musikrichtung aus Jamaika, die ihren Höhepunkt in den 1970er-Jahren hatte, heute noch?

Bei Reggae denken die meisten spontan an Bob Marley. Und so tanzten dann die UNESCO-Vertreter nach Bekanntgabe der Entscheidung, Reggae zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit zu erklären, auch zu Marleys Song "One Love". Entspannte Melodien und sanfte Rhythmen transportieren Texte, die sich gegen soziale Ungleichheit wenden, so kennen viele die jamaikanische Musik.

Spielt heute in Jamaika keine Rolle mehr

Musikredakteur Andreas Müller hält das für ein überholtes Bild. "Es wird ein bestimmter historischer Abschnitt dieser Kultur ausgezeichnet, der im heutigen Jamaika so gut wie keine Rolle mehr spielt", so Müller.

Die Künstler aus der Marley-Generation seien entweder tot oder bedeutungslos. "Hier wird auch wieder ein Klischee bedient: das vom fröhlichen Jamaikaner, der bekifft zu locker schwingender Musik tanzt, aber dann politisch bewusst seine Rechte einfordert", meint Müller.

Jamaikanische Musik hat sich immer rasend weiterentwickelt

Jamaikanische Musik habe sich immer weiterentwickelt – und zwar mit rasender Geschwindigkeit, erklärt Müller: "Spätestens seit den frühen 1980er-Jahren wird das Ganze auch 'Dancehall' genannt, seit Mitte der 80er ist dann auch nicht mehr viel von Spiritualität zu hören."

Die Musik heute sei knallhart, die Texte voller sexueller Anspielungen und Gangster-Verherrlichung, teilweise brutal homophob. Er könne sich nicht vorstellen, dass die UNESCO diesen Teil der Geschichte kenne und auszeichnen wollte, sagt Müller.  

Ob der Welterbe-Titel der jamaikanischen Musikszene überhaupt etwas bringe? Diese Frage beantwortet Andreas Müller kurz und knapp:

"Nein".

(beb)

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