Seit 17:55 Uhr Studio 9 kompakt Wahlstudio

Sonntag, 26.05.2019
 
Seit 17:55 Uhr Studio 9 kompakt Wahlstudio

Fazit | Beitrag vom 29.11.2018

Immaterielles Kulturerbe der MenschheitReggae heißt jetzt Dancehall

Andreas Müller im Gespräch mit Britta Bürger

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der jamaikanische Reggae-Musiker Bob Marley während eines Konzertes.  (picture alliance / dpa / Ipol Kwame Brathwaite)
Bei Reggae denken die meisten an Bob Marley - die heutige Musik auf Jamaika klingt aber ganz anders (picture alliance / dpa / Ipol Kwame Brathwaite)

Die UNESCO hat Reggae zum Weltkulturerbe erklärt - zusammen mit u.a den reichverzierten Weihnachtskrippen aus dem polnischen Krakau. Aber wie relevant ist die Musikrichtung aus Jamaika, die ihren Höhepunkt in den 1970er-Jahren hatte, heute noch?

Bei Reggae denken die meisten spontan an Bob Marley. Und so tanzten dann die UNESCO-Vertreter nach Bekanntgabe der Entscheidung, Reggae zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit zu erklären, auch zu Marleys Song "One Love". Entspannte Melodien und sanfte Rhythmen transportieren Texte, die sich gegen soziale Ungleichheit wenden, so kennen viele die jamaikanische Musik.

Spielt heute in Jamaika keine Rolle mehr

Musikredakteur Andreas Müller hält das für ein überholtes Bild. "Es wird ein bestimmter historischer Abschnitt dieser Kultur ausgezeichnet, der im heutigen Jamaika so gut wie keine Rolle mehr spielt", so Müller.

Die Künstler aus der Marley-Generation seien entweder tot oder bedeutungslos. "Hier wird auch wieder ein Klischee bedient: das vom fröhlichen Jamaikaner, der bekifft zu locker schwingender Musik tanzt, aber dann politisch bewusst seine Rechte einfordert", meint Müller.

Jamaikanische Musik hat sich immer rasend weiterentwickelt

Jamaikanische Musik habe sich immer weiterentwickelt – und zwar mit rasender Geschwindigkeit, erklärt Müller: "Spätestens seit den frühen 1980er-Jahren wird das Ganze auch 'Dancehall' genannt, seit Mitte der 80er ist dann auch nicht mehr viel von Spiritualität zu hören."

Die Musik heute sei knallhart, die Texte voller sexueller Anspielungen und Gangster-Verherrlichung, teilweise brutal homophob. Er könne sich nicht vorstellen, dass die UNESCO diesen Teil der Geschichte kenne und auszeichnen wollte, sagt Müller.  

Ob der Welterbe-Titel der jamaikanischen Musikszene überhaupt etwas bringe? Diese Frage beantwortet Andreas Müller kurz und knapp:

"Nein".

(beb)

Mehr zum Thema

St. Pauli - Der Welterbetitel als Rettung für ein Vergnügungsviertel?
(Deutschlandfunk Kultur, Länderreport, 11.09.2018)

Aus den Feuilletons - Alle wollen Kulturerbe sein
(Deutschlandfunk Kultur, Kulturpresseschau, 25.11.2018)

50 Jahre Trojan Records - Reggae gegen Rassenhass
(Deutschlandfunk Kultur, Tonart, 26.07.2018)

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsGedanken zur Europawahl
Menschen in der EU mit vielen verwirrenden Pfeilen die in unterschiedliche Richtungen zeigen PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xLeexWoodgatex 11780046 People in the EU with many confusing arrows the in Different Directions show PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright xLeexWoodgatex 11780046  (imago stock&people)

1989 habe in Osteuropa keiner geglaubt, dass die Demokratie jemals wieder in Frage gestellt werden könnte, sagt Herta Müller im Interview mit der „FAZ“. Die „taz“ hingegen fragt: „Müssen wir erst scheitern, um Europa noch zu retten?“Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 14Der Stoff, aus dem der Osten ist
Szene aus "Düsterbuschs City Lights" am Theater Magdeburg (Theater Magdeburg)

Von einer Magdeburg-Reise kommen wir mit Fragen zurück: Welche Themen interessieren 30 Jahre nach dem Mauerfall das Publikum in den neuen Bundesländern? Muss man hier anders Theater machen? Und warum fallen Kritiken oft anders aus als Zuschauerreaktionen?Mehr

Folge 13Konfetti und Konflikte
Bühnenbild von Katrin Brack für „Immer noch Sturm“ am Thalia Theater Hamburg (Armin Smailovic)

Konfetti, Nebel und Schaumstoffquader: In Folge #13 des Theaterpodcasts schauen wir auf die Bühnenbilder von Katrin Brack und fragen am Beispiel der Bühnen Halle, wie viel Experimente das Stadttheater verträgt.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur