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Interview / Archiv | Beitrag vom 09.07.2020

Idil Baydar über Rassismus und HumorWichtig ist, wer über wen lacht

Moderation: Julius Stucke

Die Kabarettistin Idil Baydar zu Gast in der ARD-Talkshow "Maischberger", aufgenommen am 14.08.2019 in Köln  (imago images / Horst Galuschka)
Die Kabarettistin Idil Baydar 2019 zu Gast in der ARD-Talkshow "Maischberger". (imago images / Horst Galuschka)

Seit wenigen Wochen wird intensiv über Rassismus gesprochen. Mit Jogginghose und toupierten Haaren bedient Idil Baydar mit ihrer Kunstfigur Jilet Ayse allerdings Klischees von Deutsch-Türkinnen. Damit lasse sie auf der Bühne auch Wut ab.

Es sei ganz wichtig, zu verstehen, sagt Idil Baydar, dass das Thema Rassismus im Humor durchaus politisch und gesellschaftskritisch einer gewissen Hierarchie folge. "Rassismus ist generell ein hierarchisches System." Wir würden alle lernen, dass Oben nicht über Unten lachen dürfe. Daher müsse man sich darauf konzentrieren, wer über wen Witze macht.

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Der Comedian Dave Chappelle habe gesagt: "Alles ist lustig, bis es Dich betrifft." Diese Tatsache mache Humor zur "Königsdisziplin", sagt Idil Baydar. Es sei eine feine Linie. Natürlich mache die Dominanzgesellschaft keine Witze über die, die sie dominieren würde wie marginalisierte Migranten. Man könne das machen, die Frage wäre dann aber, wer lache dabei mit.

"Comedy soll kein Lachen auf Zwang sein, sondern nach Empfinden", sagt Idil Baydar. Wichtig sei, dass man seine Gefühle äußere. Wir seien aber eine Gesellschaft, die ihre Gefühle unfassbar unterdrücke, so Idil Baydar. Und gerade auch Wut sei ein wichtiges Thema, wenn es um Rassismus gehe. Auch sie sei wütend, aber auf der Bühne biete sie eine lustige Ausdrucksform an, um eine Entspannung zu erreichen.

(jde)

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