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Interview | Beitrag vom 15.10.2020

#ichwill für ChancengleichheitWenn nur noch die Frauenquote hilft

Janina Kugel im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Fünf Frauen stehen auf einer Treppe. (imago images/Metodi Popow)
Maria Furtwängler, Janina Kugel, Katja Kraus, Nora Bossong und Jutta Allmendinger (von links) bei der Vorstellung der Kampagne #ichwill am 15. Oktober in Berlin. (imago images/Metodi Popow)

Seit 2001 würden Debatte um verbindliche Quoten geführt, sagt die frühere Siemens-Personalchefin Janina Kugel. Um endlich sichtbar mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, hat sie mit die Kampagne für eine Frauenquote #ichwill gestartet.

Egal, wo man hinschaut – ob Forschung, Kultur oder Wirtschaft, Frauen in Führungspositionen sind immer noch in der Minderheit, oder auch die absolute Ausnahme. Am Donnerstag ist nun eine Initiative von Managerinnen, Forscherinnen und Künstlerinnen gestartet worden, die eine gesetzliche Frauenquote in Spitzenpositionen von Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur fordert. Janina Kugel, Senior Advisor bei der Boston Consulting Group und Ex-Vorstandsmitglied von Siemens, ist Mitinitiatorin der Initiative.

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Grundsätzlich fordern sie, dass die Große Koalition sich mit dem Thema Frauenquote in Führungspositionen beschäftigen solle, sagt Kugel. Denn bereits seit März 2015 gibt es das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst", das eine verpflichtende Quote von Frauen in Vorstandspositionen festlege.

Seit 2001 würden die Debatten um verbindliche Quoten geführt. Schon damals wurden diese Forderungen "niedergeschmettert", und bis heute gebe es nur einen geringen Fortschritt.

Bestimmte Gruppe von Menschen ist gegen die Quote

Unter dem Hashtag #ichwill fordert die Initiative außerdem eine Mindestfrauenquote von 30 Prozent. Denn erst ab 30 Prozent würden sich auch nachhaltig Strukturen in Unternehmen ändern, sagt Kugel.

So habe die Sozialforschung ergeben, dass sich in einem Zehn-Personen-Team die Perspektiven erst ändern würden, wenn sich in der Gruppe sieben Männer und mindestens drei Frauen befinden würden, erläutert Kugel, mit weniger Frauen nicht.

Die Debatte gegen die verbindliche Frauenquote werde meistens auch von heterosexuellen, weißen Männern in einem bestimmten Alter geführt, meint Kugel, "die es nie gespürt haben, was es eigentlich bedeutet, unabhängig von Qualifikation, nicht Teil einer Gruppe" werden zu können.  

Deshalb ermutige Kugel auch Menschen dazu, unter dem Hashtag #ichwill über Erfahrungen zu berichten, sodass Privilegien einer bestimmten Gruppe von Menschen auch mehr in das öffentliche Bewusstsein getragen werden.

Quote auch positiv für Männer

Männer seien im Übrigen genauso in dem klassischen Rollenverständnis gefangen, so Kugel: "Wer sagt denn, dass jeder Mann unbedingt die Rolle auf sich nehmen will, der Alleinernährer einer Familie zu sein."

Es gehe der Initiative mit darum, dass akzeptiert werde, dass sich die Gesellschaft weiterentwickeln würde und Gesetze dementsprechend auch angepasst werden müssten. "Denn der Gesetzgeber ist für die Gesamtbevölkerung da – für Frauen, Männer und diverse Menschen!"

(jde)

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