Freistil, vom 21.02.2010

Von Wolf Eismann

Obwohl wir heute in einer Welt leben, in der wir zunehmend voneinander abhängig sind, ist es doch auffällig, wie sehr sich die Menschen immer wieder gegeneinander wenden. Anstatt nach Gemeinsamkeiten zu suchen, begegnet man dem anderen mit Misstrauen oder gar mit Hass und Gewalt.

Teuflischer Kerl (Stock.XCHNG / George Crux)
Teuflischer Kerl (Stock.XCHNG / George Crux)

"Unsere Kultur engt uns von Anfang an ein und treibt uns weg von dem, was wir sein könnten", schreibt der Psychoanalytiker Arno Gruen in seinem Essay "Der Fremde in uns".

Tatsächlich begegnet uns dieses Fremde eben nicht nur in einer anderen Kultur, hinter jeder Landesgrenze oder an der nächsten Straßenecke – sondern womöglich sogar in uns selbst: als eine dunkle Seite, die wir unterdrückt haben.

Wie weit muss man sich von dem, was man Heimat nennt, überhaupt entfernen, um in die sogenannte Fremde zu gelangen? Kommen einem andererseits nicht manchmal sogar in der vertrauten Umgebung Dinge befremdlich vor?

Wieso geschieht es, dass man einem Fremden begegnet, der dennoch von Anfang an vertraut erscheint? Warum wird einem dagegen ein Freund plötzlich seltsam fremd? Und wie sieht schließlich der Fremde in mir selber aus, wie komme ich mit ihm klar? – In dem Feature erzählen Menschen davon, wie sie Fremde erleben, wie ihnen Fremdes schließlich vertraut wird, wie sie Ängste überwinden und Misstrauen abbauen, sich an vage Hoffnung herantasten und Nähe finden.