Donnerstag, 19.09.2019
 

Ortszeit / Archiv | Beitrag vom 28.05.2014

Hybrid-KriegTschetschenisierung des Ukraine-Konflikts

In den Unruhergebieten werden immer mehr Terrorkämpfer aus dem Kaukasus gesichtet

Von Sabine Adler

Pro-russische Bewaffnete in Donezk hinter einer Barrikade aus Autoreifen und Stachedraht (Roman Pilipey, dpa picture-alliance)
Pro-russische Bewaffnete in Donezk (Roman Pilipey, dpa picture-alliance)

In Hinblick auf den Osten des Landes gibt sich der designierte Präsident der Ukraine, Poroschenko, keinen Illusionen hin. Dort herrsche Krieg, sagt Poroschenko. Und offenbar sind daran auch immer stärker Terrorgruppen aus dem Kaukasus beteiligt.

Der noch nicht vereidigte Präsident Poroschenko spricht von einem Krieg im Osten des Landes und lässt offen, ob er einen Bürgerkrieg oder einen mit Russland meint. Das Außenministerium in Kiew wurde etwas genauer: Es beschuldigt Moskau, bewaffnete russische Kämpfer nicht an der Einreise in die Ukraine zu hindern.

Viktoria Sjuma, die Sprecherin des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates nennt die Konfrontationen in der Donezker und Lugansker Region einen Hybrid-Krieg, also eine Mischform:

"Russland schickt keine Truppen, um Sanktionen zu vermeiden, stattdessen aber unterschiedliche Terrorgruppen, unter anderem aus dem Kaukasus und da speziell aus Tschetschenien, was wir an den in Donezk getöteten Rebellen bestätigt bekommen haben."

Der Bürgermeister von Donezk, Oleksander Lukatschenko erzählt, dass man von rund der Hälfte der Gefallenen weiß, woher sie kamen:

"Unter diesen 20 stammten acht aus Donezk, einige aus anderen ukrainischen Städten und acht aus Russland, unter anderem aus den tschetschenischen Städten Grosny und Gudermes."

Gut möglich, dass sich unter den noch nicht identifizierten Übrigen ebenfalls noch ein Teil russischer Freischärler befindet. Dass Anhänger des tschetschenischen Präsidenten Kadyrow in Donzek sind, haben die Rebellen am Wahlsonntag selbst zugegeben. Sie hatten sich auf dem zentralen Platz versammelt und Salutschüsse abgefeuert und wurden von einem Reporter gezielt danach gefragt.

"Auf wessen Befehl sind sie hierher gekommen? Auf Kadyrows Befehl?"

"Auf eigenen, wir sind Freiwillige."

"Haben Sie in Tschetschenien gedient?"

"Ja, wir sind Kadyrowzy. Leute von Kadyrow."

Der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrow (picture alliance / dpa)Der tschetschenische Präsident Ramzan Kadyrow (picture alliance / dpa)

Putin hat Kadyrow gezielt als Verbündeten aufgebaut

Der tschetschenische Präsident  Ramsan Kadyrow gilt als enger Verbündeter von Russlands Staatsoberhaupt Putin. Kadyrow hatte vor rund zehn Jahren die Macht in der kriegsgeschüttelten Republik übernommen und sie mit Einschüchterung und Gewalt befriedet. Moskau hat sich den Wiederaufbau der Republik großzügig finanziell unterstützt und damit Kadyrow gestärkt.

Längst wird von einer Tschetschenisierung des Ukraine-Konfliktes gesprochen, denn Terror, Plünderungen und Geiselnahmen sind wie bei den Kriegen in der Kaukasusrepublik längst an der Tagesordnung. Von den vermutlich gekidnappten vier OSZE-Beobachtern fehlt seit Montag jede Spur. Heute wurde die Entführung eines römisch-katholischen Priesters aus Charkiw bekannt, der aus Polen stammt. Er wird seit gestern vermisst.

Mikola Malomusch, ukrainischer ehemaliger Geheimdienstchef verweist zudem auf russische Kuban-Kossaken, die sich auf einen Einsatz in der Ukraine vorbereiten würden:

"Vor zwei bis drei Wochen wurde bekannt, dass im Rostower Gebiet in Russland, in Krasnodar und anderen Regionen Kubanische Kosaken zu Übungen zusammenkam. Dann wurden Tschetschenen geschickt. Sie gelangen nicht nur über die ukrainisch-russische Grenze zu uns, sondern auch über Kertsch an der Krim, über das Schwarze Meer, über Transnistrien. Und sie tragen noch sehr viel stärker zur Destabilisierung bei als unsere  Radikalen, die sich bewaffnet haben und Gebäude besetzten."

Kuban-Kosaken unterstützten im Zweiten Weltkrieg als Freiwilligenverband die Rote Armee und gelten im Russland nach dem Zerfall der Sowjetunion als besonders patriotisches Herr für spezielle Aufgaben.

Mehr Infos

26.05.2014 | Aktuell
Sieg für europäischen Kurs
Mehrheit der Ukrainer orientiert sich weiterhin Richtung Westen

26.05.2014 | Ortszeit
Das Chaos im Land beseitigen
Neuer ukrainischer Präsident sagt Separatisten den Kampf an

22.05.2014 | THEMA
Putin von "Sowjet-Nostalgie" getrieben
Autor Owen Matthews über das Land seiner Vorfahren

Interview

weitere Beiträge

Reportage

Sachsen-AnhaltDer lange Schatten der Treuhand
Morgendaemmerung hinter dem Braunkohlen-Kombinat. (dpa/ ZB/ Paul Glaser)

"Wie eine Massenhinrichtung": So empfanden manche in Sachsen-Anhalt den wirtschaftlichen Kahlschlag durch die Treuhand, der Tausende den Job kostete. Nachwirkungen sind bis heute zu spüren - nicht nur schlechte. Aber mit dem Kohleausstieg droht neues Ungemach.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur