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Kompressor | Beitrag vom 08.11.2018

Hurricane Festival 2019Ein Festival ohne Frontfrauen

Désirée Vach im Gespräch mit Timo Grampes

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Der Sänger der deutschen Punkrockband "Die Toten Hosen", Campino, singt bei einem Konzert in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. (pa/dpa/Ismar)
Die Toten Hosen sollen neben den Foo Fighters, Mumford & Sons und The Cure beim Hurricane Festival 2019 auftreten. (pa/dpa/Ismar)

Es ist eines der größten Musikfestivals Deutschlands: das Hurricane Festival im niedersächsischen Scheeßel. Über 20 Künstler sind für 2019 gebucht - kein einziger weiblicher Act ist dabei. Warum das so ist, kann Désirée Vach vom VUT erklären.

Beim kommenden Hurricane-Festival steht im Line-Up keine einzige Frau als Act. "Es ist sehr ignorant. Es gibt viele weibliche Musikerinnen, die genauso gut sind wie ihre männlichen Kollegen, sie brauchen nur eine Sichtbarkeit", sagt Désirée Vach. Sie ist im Vorstand des  Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT) und Chefin des Plattenlabels Snowhite Records. Vach glaubt, dass die Organisatoren nicht über ihren Tellerrand geschaut hätten: "Ich denke, dass die Organisatoren, die Booker einfach nicht ihren Horizont geöffnet haben für das Thema und für die weiblichen Künstlerinnen. Es ist einfach Ignoranz, leider."

"Bashing und Meckern nützt nichts"

Das Thema Frauen in der Musikbranche ist ohnehin brisant: Bei einer Erhebung innerhalb der kleinen und mittelständischen Unternehmen in der Musikbranche ist dem VUT aufgefallen, dass es nur 5,5 Prozent gemischte Teams in den Führungsebenen der Firmen gibt. Insgesamt sitzen Frauen nur zu 7,4 Prozent in den Führungsetagen der Musikunternehmen. Daraufhin habe der VUT 2015 das Netzwerk "Music Industry Women" gegründet. "Dessen Herzstück ist ein Mentoring-Programm. Wir haben jetzt zwei davon durchgeführt", sagt Vach. "Wir haben gedacht, nur Bashing und Meckern nützt nichts." Der VUT hat mit dem Mentoring-Programm versucht, erfahrene Musikerinnen mit Neueinsteigerinnen zu vernetzen. Für die jungen Frauen, die in die Musikbranche wollen, brauche es Role-Models.

"Schön wäre eine paritätische Lösung", meint Vach. "Dass man sich irgendwann gar keine Gedanken machen muss: Sind da genug Frauen auf dem Festival?" Vach plädiert angesichts der momentanen Situation in der Musikbranche für eine Quotenregelung. Es seien noch alte Strukturen vorhanden, die durchbrochen werden müssten. In der Quote werde keine Kompetenz in Frage gestellt, meint Vach. "Frauen, die aufgrund einer Quote engagiert werden, haben die gleiche Qualifizierung."

(orm)

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