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Radiofeuilleton - Wissenschaft und Technik / Archiv | Beitrag vom 03.04.2011

Hunger nach IP-Adressen

Das "Internet Protocol 6" soll mehr Platz im Netz schaffen

Von Jörg Schieb

Die IP-Adresse ist wichtig, damit E-Mails, Webseiten, Chats und Videos auf dem eigenen Computer oder Handy ankommen. (Stock.XCHNG / Vince Varga)
Die IP-Adresse ist wichtig, damit E-Mails, Webseiten, Chats und Videos auf dem eigenen Computer oder Handy ankommen. (Stock.XCHNG / Vince Varga)

Das Internet wächst unaufhörlich. Nun könnte es wegen Überfüllung geschlossen werden, zumindest technisch gesehen. Alle sogenannten IP-Adressen sind vergeben. Allerdings naht eine Lösung für das Problem – und die könnte die Welt verändern.

Das Internet ist ein weltweites Computernetzwerk. Jeder Computer ist mit jedem anderen Computer verbunden. Dazu braucht Computer, jeder Server im Netz eine eindeutige Adresse, die sogenannte IP-Adresse. Server haben immer dieselbe Adresse. Wer mit seinem PC oder Handy online geht, bekommt vom Provider jedes Mal eine andere Adresse zugewiesen.

Die IP-Adresse ist allerdings wichtig, damit E-Mails, Webseiten, Chats und Videos auf dem eigenen Computer oder Handy ankommen. Welche IP-Adresse man hat, müssen Benutzer grundsätzlich gar nicht wissen. Wer unbedingt wissen will, welche IP-Adresse er gerade hat, kann im Computer nachschauen – oder www.wasistmeineip.de aufrufen.

Die Zahl der IP-Adressen ist technisch beschränkt: Die IP-Adresse ist eine aus vier Werten zwischen 0 und 255 bestehende Zahlenkombination (32-Bit-Wert). Rund 4,3 Milliarden IP-Adressen sind damit möglich - und die sind jetzt aufgebraucht. Die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) hat die IP-Adressen auf Länder, Institutionen, Provider und Firmen verteilt. Alle Adressen sind weg. Die Sorge, nicht mehr online gehen zu können, muss derzeit niemand haben: Die Provider müssen allerdings mit den IP-Adressen haushalten.

Die meisten Adressen haben die USA erhalten. China und Indien mit ihren über zwei Milliarden Menschen hingegen verfügen nur über einen Bruchteil der IP-Adressen. In diesen Ländern wird es deshalb tatsächlich bereits eng im Netz.

Es war lange abzusehen, dass es irgendwann eng wird im Netz. Deshalb haben Techniker rechtzeitig eine neue Technologie entwickelt, die sich IPv6 nennt. Bei IPv6 (Internet Protocol 6) setzt sich jede IP-Adresse aus sechs Zahlen zwischen 0 und 255 zusammen. Eine 128-Bit-Adresse. Statt 4,3 Milliarden Adressen stehen plötzlich 340 Sextillionen Adressen zur Verfügung. Das ist eine 3 mit sage und schreibe 36 Nullen dran! Das reicht für alle Zeiten aus und löst eine Menge Probleme.

Allerdings lässt sich das Internet nicht einfach so, quasi von heute auf morgen von IPv4 auf IPv6 umstellen. Denn alle Provider, alle Geräte, alle Server, alle PCs, die gesamte Software muss umgestellt werden. Deshalb wird IPv6 schon seit einer Weile parallel eingerichtet und teilweise auch benutzt. Irgendwann allerdings muss konsequent umgestellt werden.

Diese Umstellung ist längst im Gange und erfolgt schleichend. Alles muss umgestellt werden auf das neue Zeitalter: Computer, Geräte, Hardware, Software, bei Firmen, Providern und Privatleuten. Deshalb wird schon seit Jahren daran gearbeitet, den neuen Standard einzuführen, allerdings eben parallel zum alten. Die meisten modernen Computer, Betriebssysteme, Geräte und Programme beherrschen den neuen Standard bereits – ohne dass wir es bemerken.

Wenn ein Provider, ein Netzwerk oder gar das gesamte Internet auf den neuen Standard umgestellt wird, würden alle Geräte, die alt oder nicht korrekt konfiguriert sind, nicht mehr funktionieren. Auf Computerbenutzer kommt da ein bisschen Arbeit zu: Sie müssen alte Geräte austauschen, viele Geräte und Programme müssen neu eingestellt werden, damit sie den neuen Standard unterstützen.

Internet-Provider werden nun allmählich auch normale Internetbenutzer mit dem Thema konfrontieren, einen Wechsel ankündigen. Der Wechsel sollte eigentlich kein Problem darstellen, da moderne Hardware und Software mit IPv6 klarkommen.

Doch der Wechsel ins neue IP-Zeitalter geht zu langsam voran: Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer bemängelt eine schleppende Umstellung in Europa. Firmen, Provider, Behörden – alle müssen sich auf den neuen Standard umstellen, doch vor allem in vielen Firmen passiert zu wenig, viele haben noch keine Strategie für den Wechsel entwickelt. Dabei ist das dringend nötig. In USA und Asien ist man weiter als in Europa.

Am 8. Juni 2011 findet ein großer, weltweiter Feldtest zu IPv6 statt. An diesem Tag sind viele große Webseiten auch über den neuen Standard abrufbar. Man will feststellen, ob das klappt ...

IPv6 bringt eine Menge Veränderungen. Theoretisch kann künftig jedes elektrische Gerät, ob Waschmaschine, Auto, Mikrowelle, Fernseher oder Handy ein eine eigene, immer gleiche IP-Adresse bekommen. Das bringt eine Menge Vorteile mit sich: Jedes Gerät ist eindeutig zu erkennen. So wäre es kein Problem, den Fernseher zu Hause, die Sauna oder eine Lampe übers das Internet anzusprechen und zu steuern. Aus technischer Sicht würde vieles einfacher. Geräte könnten sich mühelos miteinander "unterhalten", Daten austauschen. Die Konfiguration der Netzwerke und das Einrichten solcher vernetzten Geräte wird viel einfacher, da viele technische Hürden wegfallen.

Allerdings birgt das auch Datenschutzprobleme: Die Spuren im Netz werden eindeutiger, für jede Person, für jeden Rechner, jedes Gerät.

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