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Studio 9 | Beitrag vom 13.06.2016

Human Genom Projekt writeKünstliche Menschen aus dem Labor

Von Michael Lange

Strang der menschlichen DNA (Computersimulation). (imago / Science Photo Library)
Strang der menschlichen DNA (Computersimulation). (imago / Science Photo Library)

Forscher aus den USA verkünden: Unser Erbgut soll nicht nur lesbar sein, sondern auch schreibbar gemacht werden. In 15 bis 20 Jahren wollen die Wissenschaftler den gesamten Bauplan eines Menschen künstlich im Labor herstellen können.

Über drei Milliarden Informationsbausteine im Erbgut eines Menschen lesen Forscher heute an einem Tag. Die gleiche Anzahl genetischer Buchstaben zu schreiben, würde jedoch Jahrhunderte dauern. Aber es gibt Fortschritte. Ein Team um den Genpionier Craig Venter lieferte 2010 das erste Bakterium mit künstlich geschriebenem Erbgut – eine ebenso konstruierte Hefe soll folgen. Lässt aber auf sich warten.

Nun soll es erneut einen Schub geben. Ähnlich wie das Human Genom Projekt HGP das Lesen von Erbinformation voranbrachte, könnte nun das Projekt HGP write das Schreiben beschleunigen. Forscher aus den USA verkünden: In 15 bis 20 Jahren soll das vollständige Erbgut eines Menschen im Labor entstehen.

Die Schreibgeschwindigkeit muss verdoppelt werden

Dazu müsste sich die Schreibgeschwindigkeit alle zwei Jahre verdoppeln. 100 Millionen Dollar Forschungsgeld sollen das möglich machen. Private Biotech-Firmen haben bereits reges Interesse bekundet.

Wenn das menschengeschriebene Erbgut fertig ist, könnte es in eine Zellhülle verpflanzt werden. Zellen ließen sich so umkonstruieren, dass aus ihnen geeignete Organe für die Transplantation entstehen. Oder sie könnten so verändert werden, dass sie für Viren unangreifbar sind.

Und es muss nicht bei Zellen im Labor bleiben. Eine Zelle könnte durch Klonen zu einem Menschen heranwachsen. George Church, einer der Initiatoren von HGP write, spekuliert bereits über die Rekonstruktion eines Neandertalers.

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