Seit 01:05 Uhr Tonart
Mittwoch, 16.06.2021
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Fazit / Archiv | Beitrag vom 09.01.2015

Houellebecqs Roman "Soumission"Gespenstische Parallelen zum Attentat auf "Charlie Hebdo"

Michel Houellebecq, hier beim Filmfest in Venedig. (imago/Xinhua)
Der Schriftsteller Michel Houellebecq beim Filmfest in Venedig (imago/Xinhua)

Hat Michel Houellebecq mit seinem Roman "Soumission" die Anschläge auf das Satire-Magazin "Charlie Hebdo" vorausgesehen? Wegen der aktuellen Ereignisse hat der Autor die Werbetour für sein Buch unterbrochen. Darüber berichtet der Literaturkritiker Dirk Fuhrig.

Houellebecqs neuer Roman war am 7. Januar, dem Tag des Terroranschlags auf die Redaktion von Charlie Hebdo, erschienen. Am Freitag hat sich der Schriftsteller aus Paris zurückgezogen, wie ein Sprecher seines Verlages Flammarion bestätigte. Wie lange er wegbleiben werde, sei nicht bekannt. Er halte sich aber immer noch in Frankreich auf. Houellebecq trauere um seinen Freund Bernard Maris, der bei dem Anschlag starb. Die Werbung für seinen neuen Roman "Soumission" will Houellebecq vorläufig aussetzen.

Auf Deutsch erscheint der Roman mit dem Titel "Unterwerfung" wie geplant am 16. Januar. Der DuMont Buchverlag würde die Veröffentlichung zwar nach eigenen Angaben gern verschieben, das sei aber technisch nicht möglich. Laut Verlag wird auch eine für den 19. Januar angesetzte Lesung in Köln stattfinden. Der Roman ist eine politische Fiktion, in der im Jahr 2022 ein radikaler Muslim Präsident Frankreichs wird.

Roman skizziert Spaltung der französischen Gesellschaft

Der Literaturkritiker Dirk Fuhrig hält "Soumission" einerseits für einen "tollen, sprachlich ausgefeilten" Roman. Andererseits sei das Buch vor dem Hintergrund der in Frankreich verbreiteten Islamfeindlichkeit "brandgefährlich". Es sei natürlich eine "gespenstischen Verquickung", dass Houellebecq in seinem Roman diese Aufspaltung der französischen Gesellschaft zwischen extremen Rechten und einer islamischen Partei, die in dem Buch gegründet wird, skizziere.

Ein für Freitag Abend geplantes Interview mit Houellebecq im französischen Fernsehen wurde kurzfristig zugunsten einer Sondersendung zu den aktuellen Ereignissen abgesagt. Auch die Debatte über Houellebecqs Buch in der französischen Öffentlichkeit sei zwischenzeitlich erloschen, so Literaturkritiker Fuhrig. "Bei so einer brutalen aktuellen Lage spricht man nicht über Literatur."

Mehr zum Thema:

Unterworfenes Abendland? - Aufregung über Houellebecqs neuen Roman
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 06.01.2015)

Nach Anschlag auf "Charlie Hebdo" - "Islamisierung" bleibt ein polemischer Einwurf
(Deutschlandradio Kultur, Politisches Feuilleton, 09.01.2015)

Die getöteten Zeichner von Charlie Hebdo - Sie hinterlassen eine Leere
(Deutschlandradio Kultur, Fazit, 08.01.2015)

Anschlag auf Charlie Hebdo - Medien sind Zielscheiben in brüchigen Gesellschaften
(Deutschlandradio Kultur, Kommentar, 08.01.2015)

Nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" - "Gegen Irre können Sie sich nicht wehren"
(Deutschlandradio Kultur, Interview, 08.01.2015)

Duett mit Altrocker - Ausweitung der Houellebecq-Zone
(Deutschlandradio Kultur, Lesart, 15.09.2014)

Über die Houellebecq-Hysterie
(Deutschlandradio Kultur, Thema, 26.08.2005)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den FeuilletonsFragwürdiger Kunstsponsor
Der russische Milliardär Alisher Usmanov. (picture alliance / Alexander Vilf)

Der Milliardär Alischer Usmanow sponsort eine Ausstellung über Romantik in der Kunst, die in Moskau und Dresden zu sehen ist. Die "Welt" ist nicht begeistert: Usmanow würde den Kreml finanzieren, zitiert die Zeitung den Oppositionellen Alexej Nawalny.Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur