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Frühkritik | Beitrag vom 06.06.2018

Houellebecq-Verfilmung in der ARD"Das ist ganz großes Fernsehen"

Peter Claus im Gespräch mit Dieter Kassel

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Die Schauspieler Edgar Selge und Matthias Brandt bei den Dreharbeiten zum Spielfilm "Unterwerfung" im Oktober 2017 (picture alliance / Jörg Carstensen/dpa)
Die Schauspieler Edgar Selge und Matthias Brandt bei den Dreharbeiten zum Spielfilm "Unterwerfung" im Oktober 2017 (picture alliance / Jörg Carstensen/dpa)

Ein heiß diskutierter Roman wird Fernsehstoff und bekommt von unserem Kritiker jede Menge Vorschusslorbeeren. Heute um 20.15 Uhr zeigt die ARD die Verfilmung von Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung". Ein Film, der auf die Intelligenz des Zuschauers vertraue, findet Peter Claus.

In dem Film "Unterwerfung" nach dem Roman des französischen Bestsellerautors Michel Houellebecq wird das Bild einer westlichen Gesellschaft gezeichnet, die sich nach und nach islamisiert.

François – die Hauptfigur – ist Literaturwissenschaftler und Trinker. Seine Beziehungen zu Frauen sind auf ein Jahr befristet, sein Leben ist ausreichend glücklich.

Dann kommt der Tag, als der charismatische muslimische Politiker Mohamed Ben Abbes in Frankreich Staatspräsident wird. Das Patriarchat und die Polygamie werden einführt, und François verliert seine Anstellung.

In seiner zunehmenden Vereinsamung erreicht ihn schließlich das Angebot des Rektors Rediger, seine Lehrtätigkeit an der Sorbonne wieder aufzunehmen. Unter einer Bedingung: Er muss zum Islam konvertieren.

Wie dünn ist unsere Demokratie?

Heute Abend ist die Verfilmung des Romans um 20.15 Uhr in der ARD zu sehen. Ein Projekt mit Starbesetzung: Edgar Selge spielt den Francois und Matthias Brandt den Rektor Rediger; Regie führte Titus Selge.

Unser Kritiker Peter Claus äußerte sich begeistert: "Das ist ganz großes Fernsehen, sehr, sehr klug, sehr packend." Der Film "Unterwerfung" sei genau wie der Roman keineswegs islamfeindlich. Vielmehr gehe es um die Frage: Wie dünn ist unsere Demokratie? Wie gefährdet ist sie?

Die Geschichte um diese Frage werde "ganz leise und mit hoher Intelligenz" erzählt - ohne vordergründige Dialoge und mit Vertrauen in die Intelligenz des Zuschauers, so Claus.

Für den Zuschauer gebe es "viele Knackpunkte", bei denen er womöglich mehr erschrecke als bei einem Mord im ARD-"Tatort". Zudem verstehe man den Film auch dann, wenn man das Buch nicht gelesen habe.

Als Zuschauer bleibe man immer im Zweifel, wie denn diese Figur Francois zu bewerten sei, meinte Claus: Ist sie jetzt ein "armes Schwein" oder ein "Macho aus dem vorherigen Jahrhundert", der nur klug über die Welt daher redet, ohne selbst eine Klugheit in der Sicht auf die Welt zu entwickeln?

(huc)

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